Der Bericht
macht aber auch deutlich: Die Kriminalität liegt im
Norden in vielen Bereichen über dem Bundesschnitt. So
wurden im letzten Jahr bundesweit 7.383 Straftaten pro
100.000 Einwohner gezählt, in Schleswig-Holstein waren es
jedoch 8.568. Dies ist der höchste Wert aller
Flächenländer – nur die drei Stadtstaaten Berlin,
Hamburg und Bremen liegen noch höher. Seit 2004 ist die
Zahl der Straftaten deutschlandweit um 8,7 Prozent
gesunken, im Norden gab es lediglich ein Minus von 5,4
Prozent. Bei der Aufklärungsquote hinkt
Schleswig-Holstein ebenfalls hinterher: Sie lag 2009 bei
49,2 Prozent, bundesweit waren es 55,6 Prozent.
Auch
innerhalb des Landes gibt es starke Unterschiede: So
wurden im vergangenen Jahr in Kiel 30.772 Straftaten
verzeichnet, im Kreis Plön waren es nur 8.227 – dort
wohnen allerdings auch deutlich weniger Menschen. Einen
Positivtrend weist die Landeshauptstadt auf: Die Zahl der
Delikte ist seit 2004 um 18,7 Prozent gesunken – der
höchste Rückgang im Lande.
Ministerium sieht bundesweites
Vergleichs-Ranking skeptisch
Trotz
dieser Zahlen hält es das Innenministerium für „müßig,
ein Ranking zwischen Bundesländern oder Landkreisen im
Hinblick auf die Qualität der Sicherheitslage
aufzustellen". So seien beispielsweise die Internet-
oder die Banden-Kriminalität international organisiert;
ihre Häufigkeit hänge daher nicht von Landes- oder
Kreisgrenzen ab. Und: Die Zahlen der polizeilichen
Kriminalstatistik seien nur bedingt aussagekräftig, da
sie lediglich die abgeschlossenen Ermittlungsverfahren
berücksichtigen. Hier verbleibe stets ein „Dunkelfeld"
von nicht bekannten Taten.
Besondere
Sorgen macht den Behörden die Zunahme der
Gewaltkriminalität im Lande. Sie ist zwischen 2004 und
2009 von 7.279 auf 7.787 Taten angestiegen. Im gleichen
Zeitraum ist der Bundestrend rückläufig. Fielen im
Vorjahr im Norden 275 Gewaltdelikte auf 100.000 Einwohner
an, so waren es in Bayern lediglich 164.
Vereinsverbot für Rocker bringt
„weitgehende Beruhigung der Lage"
Drei
Bereiche standen in der letzten Zeit besonders im Fokus
der Öffentlichkeit: Die Rocker-Kriminalität, das Urteil
des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR)
zur Sicherungsverwahrung sowie die jugendlichen
Intensivtäter.
Bei den
Rockern konnte nach Überzeugung des Innenministeriums
durch Vereinsverbote „eine weitgehende Beruhigung der
Lage erreicht werden". Zuvor hatten sich Mitglieder
zweier rivalisierender Clubs, denen unter anderem
Zwangsprostitution und Drogenhandel vorgeworfen wird,
einen blutigen Konflikt um die Vorherrschaft im Lande
geliefert.
Der EGMR
hatte im vergangenen Dezember die bisherige deutsche
Regelung zur nachträglichen Sicherungsverwahrung von
Straftätern gekippt und damit der Politik „eine
anspruchsvolle Aufgabe gestellt", wie die
Landesregierung nun betont. Das Land hat daraufhin –„bundesweit
einmalig"- zwei Täter auf freiwilliger Basis in
einer Spezial-Klinik in Neustadt untergebracht und damit
„für das in diesem Bereich mögliche Höchstmaß an
Sicherheit für die Bürger Schleswig-Holsteins
gesorgt". Eine dauerhafte gesetzliche Regelung ist
auf Bundesebene in Arbeit, die Landesregierung ruft
hierbei zur Eile auf.
Weniger junge Tatverdächtige, aber
immer mehr Intensivtäter
Zwar ist
die Gesamtzahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren seit
2004 rückläufig – die Zahl der Intensivtäter ist
jedoch im gleichen Zeitraum von 164 auf 945 sprunghaft
angewachsen. Als Intensivtäter gilt, wer mindestens fünf
Mal in einem Jahr straffällig wird. Ursache für dieses
Verhalten können nach Angaben des Ministeriums familiäre
Probleme, Erfolglosigkeit in Schule und Beruf,
gewalttätige Filme und Videospiele oder
Integrationsprobleme von Zuwanderern sein. Um diesem
Phänomen auf den Grund zu gehen, hat der Landtag im März
eine so genannte Jugend-Task-Force ins Leben gerufen, in
der Politik, Sozialarbeit, Schule, Polizei und Justiz
zusammenarbeiten.