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Schulen: Suche
nach Verlässlichkeit
Konzept der Landesregierung
ist umstritten
Kiel (lno) - Das Regierungskonzept für die so genannte Verlässliche
Grundschule in Schleswig-Holstein bleibt umstritten. Die
Opposition im Landtag befürchtet zu starre Regelungen und
letztlich weniger Unterricht statt mehr. Bildungsministerin Ute
Erdsiek-Rave (SPD) versicherte am Mittwoch, 19. Februar, dass
das Land nur den Rahmen vorgebe, vor Ort aber die Schulkonferenz
entscheide. Die Verlässliche Grundschule soll feste
Unterrichtszeiten garantieren und dazu beitragen, dass weniger
Unterricht ausfällt.
Die
bildungspolitische Sprecherin der CDU, Sylvia Eisenberg, warf
der Ministerin "Täuschungsversuche" vor: Die
vorgesehenen Lehrerstunden reichten weder aus, um den
notwendigen Unterricht sicherzustellen, noch um die Zeit für Fördermaßnahmen
zu erweitern. Es gebe eine lange Liste von Ungereimtheiten:
"Ich nenne nur den Einsatz von teuer und gut ausgebildeten
Lehrern zum Frühstückessen", sagte Eisenberg.
Der Erlass zur Einführung
der Verlässlichen Grundschule, dessen inzwischen inhaltlich
teilweise korrigierter Entwurf viel Kritik ausgelöst hatte,
soll zum 1. August in Kraft treten. Zunächst wird das Konzept
an gut 100 Schulen im Hamburger Randgebiet getestet. Das Land
will dafür statt der zunächst geplanten 50 Lehrerstellen nun
75 bereitstellen.
Dies sei nur ein
Bruchteil dessen, was etwa in Hamburg eingesetzt wurde, monierte
FDP-Bildungspolitiker Ekkehard Klug. Ohne wesentlich mehr
Personal könne ein starrer Zeitrahmen von 8.00 bis 12.00 Uhr
beziehungsweise 8.00 bis 13.00 Uhr an den Grundschulen durch
Lehrer überhaupt nicht abgedeckt werden. Selbst in Schulen mit
Klassen ab 23 Schülern müssten alle Stunden für Fördermaßnahmen
wie Deutsch für Ausländer oder Hilfen für Legastheniker
gestrichen werden, sagte Klug voraus. Zudem fielen alle
Arbeitsgemeinschaften weg.
Weder das zeitliche
Konzept noch der Einsatz der Lehrer würden starr gehandhabt,
versicherte die Bildungsministerin. "Die Verlässliche
Grundschule ist ein Rahmen für Verlässlichkeit, den die
Schulen so eigenverantwortlich wie möglich ausfüllen
sollen." Der Zeitrahmen werde nun so flexibilisiert, dass
auch eine Betreuung parallel zum Unterricht und nach 14.00 Uhr möglich
sei. Das Land wolle keinem Betreuungsangebot die Förderung
entziehen, sagte Erdsiek-Rave zu. Hintergrund: Viele
Betreuungsvereine sahen sich durch das Angebot des Landes in
ihrer Existenz gefährdet und befürchteten Nachteile für
berufstätige Eltern. Denen sichern im Konzept der schon
bestehenden "Betreuten Grundschulen" meist private Träger
eine Betreuung ihrer Kinder zwischen 7.00 und 14.00 Uhr zu.
Obwohl es viele gut
funktionierende "betreute Grundschulen" gebe, krankten
viele dieser Angebote an organisatorischen Schwierigkeiten,
merkte die SPD-Abgeordnete Birgit Herdejürgen an. Eltern hätten
jedoch dringenden Bedarf an verlässlichen Betreuungszeiten, die
durch die Regierungspläne sicher gestellt werden könnten.
Dennoch könne aber eine verlässliche Halbtagsschule kein
Ersatz für Betreuungsangebot am Nachmittag sein, betonte Herdejürgen
Angelika Birk von
den Grünen lobte die angestrebte Aufhebung des starren
45-Minuten-Taktes für den Unterricht: "Welch eine Chance für
spannende Vormittage, nicht nur für Kinder". Die
SSW-Abgeordnete Anke Spoorendonk (SSW) zeigte Verständnis für
die Sorge, dass die Pläne der Regierung mit bereits vorhandenen
Betreuungsangeboten kollidieren könnten. Es stelle sich auch
nach der Erklärung der Ministerin, dass die verlässliche
Grundschule keine Konkurrenz zur betreuten Grundschule
darstelle, die Frage, wie die beiden Konzepte sinnvoll verbunden
werden könnten, so Spoorendonk.
Die Anträge 15/2492
und 15/2430 sowie der mündliche Bericht der Landesregierung
wurden an den Bildungsausschuss zur weiteren Beratung überwiesen.
.
Hauptredner:
Bildungsministerin Ute
Erdsiek-Rave (SPD), Ekkehard Klug (FDP), Birgit Herdejürgen
(SPD), Sylvia Eisenberg (CDU), Angelika Birk (Grüne), Anke
Spoorendonk (SSW)
Hintergrund
Die
Landesregierung plant nun die Einführung so genannter
"Verlässlicher Grundschulen", in denen für die
1. und 2. Klasse ein fester Unterrichtsblock von 8 bis 12
Uhr, für die 3. und 4. Klasse von 8 bis 13 Uhr garantiert
werden soll. Die Schulen erhielten dafür pro Klasse mit
22 Schülern 1,1 Lehrerstunden zusätzlich. Vorerst soll
das Projekt zum Schuljahr 2003/04 nur im Hamburger
Randgebiet eingeführt werden, innerhalb der nächsten fünf
Jahre jedoch Flächen deckend Anwendung finden.
Kritiker befürchten
die Überschneidung der beiden Konzepte und damit das Aus
für die "betreuten Grundschulen". |
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