Abschied

 

Ende einer Ära

"Ich hoffe, dass wir in diesem Saal eine fruchtbare Arbeit für unser
Land leisten können"

Mit diesen Worten hatte der ehemalige Landtagspräsident Karl Ratz die 34. Tagung der 2. Wahlperiode des Landtages eröffnet - vor knapp 53 Jahren, am 03. Mai 1950. Ein historisches Ereignis: Denn an diesem Tag fand die erste Sitzung in dem ehrwürdigen Plenarsaal im ersten Stock des schleswig-holsteinischen Parlamentsgebäudes statt. 

19. Februar 2003:
Wieder wird im Plenarsaal Geschichte geschrieben - beziehungsweise zunächst gesprochen. Mit exakt den selben Worte wie Alt-Präsident Ratz vor 53 Jahren eröffnete der derzeitig amtierende Landtagspräsident Heinz-Werner Arens die 31. Tagung der 15. Wahlperiode - und leitete damit das Ende einer Epoche Parlamentsgeschichte ein. Am Freitag werden die Abgeordneten das letzte Mal in dieser historischen Stätte tagen. Dann, im April, bezieht die Volksvertretung des nördlichsten Bundeslandes ihren neuen Plenarsaal im gläsernen Neubau des Landtages.

Nach 1.223 Sitzungen im alten Plenarsaal heißt es auch Abschied von der "gereihten" Sitzordnung zu nehmen. Künftig werden die Abgeordneten ab April dann in runder Sitzordnung tagen. 491 verschiedene Abgeordnete haben seit 1950 im alten Plenarsaal an den Holztischen, die so manch einen Besucher an das Mobiliar einer Schulklasse erinnerten, die Landespolitik mitgestaltet. 

Historisches:
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es zunächst keinen festen Tagungsraum für das Landesparlament. Von 1946 bis zum 3. Mai 1950 war der Landtag meist auf Achse. Getagt wurde im Kieler Stadttheater, im Theater am Kieler Wilhelmsplatz, im Hörsaal der Milchforschungsanstalt, im Lübecker Ratssaal, in der «Neuen Harmonie» in Flensburg und im Hotel «Seegarten» in Eckernförde. Viele Sitzungen fanden auch im Festsaal der Pädagogischen Hochschule in Kiel-Hassee statt.

Der Einzug in das dreistöckige Backsteingebäude am Düsternbrooker Weg in Kiel beendete die Zeit der Provisorien. Das 1888 als Marineschule gebaute "Haus an der Förde" wurde Landtag, gleichzeitig aber auch Sitz der Staatskanzlei. Sitzungssaal für das Parlament wurde ein Raum im ersten Stock. Weil dieser aber im Laufe der Jahre immer weniger den Ansprüchen an Technik, Besucherbetreuung und ähnliches erfüllte, wurde am 1. Februar 2001 mit dem Bau eines neuen Plenarsaales an der Seeseite des Gebäudes begonnen.


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