Auf dieser Seite:  Forschung  -  GA Hochschulbau

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Forschung
Große Anfrage der Fraktion B` 90/DIE GRÜNEN - Drs. 15/2675
Antwort der Landesregierung
Drucksache: 15/3202
-Plenarprotokoll-
       gemeinsam mit:
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Gemeinschaftsaufgabe "Ausbau und Neubau von Hochschulen" Anmeldungen zum 34. Rahmenplan für den Hochschulbau (2005 – 2008)
Bericht der Landesregierung
Drucksache: 15/3206

Auf Erfolgen nicht ausruhen
Gemeinsame Beratung zu Forschung 
und GA-Mittel Hochschulbau

Kiel (SHL). Die Fraktionen waren sich einig: Die Forschungssituation in Schleswig-Holstein soll weiter verbessert werden. Trotz einiger erkennbarer Erfolge, etwa auf dem Bereich der Meereskunde und der Wirtschaftswissenschaften bleibe im Norden nach wie vor viel zu tun. Dies machte auch die Antwort der Landesregierung auf eine Große Anfrage der Grünen deutlich. Als Erfolg versprechender Lösungsansatz wurde am Donnerstag, 19. Februar 2004, fraktionsübergreifend die mit dem Begriff "Clustering" bezeichnete Bündelung von Fachkenntnis an ausgewählten Orten angeführt. Darüber hinaus müsse die Zusammenarbeit von Universitäten, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Wirtschaft intensiviert werden, hieß es übereinstimmend. Und: Die so genannte Mischfinanzierung zwischen Bund und Land wurde insbesondere beim Hochschulbau einheitlich in Frage gestellt. (siehe Hintergrund)

"Schleswig-Holstein hat Forschungseinrichtungen und Hochschulen mit internationalem Profil", betonte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD). Die Profilbildung schreite gemäß der Maßgaben im Hochschulvertrag voran. Zur weiteren Profilierung trügen vor allem das Institut für Weltwirtschaft und das neu geschaffene Leibniz-Institut für Meereswissenschaften bei. Es sei besonders zu berücksichtigen, dass Grundlagenforschung nicht mit den Maßstäben der anwendungsorientierten Forschung verglichen werden kann. Mit Blick auf die Einwerbung von Drittmitteln müssten die Hochschulen zulegen, forderte die Ministerin. Hier sei die stärkere Vernetzung von universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen wünschenswert. Darüber hinaus müssten die Hochschulen schon jetzt ihre "Exzellenzbereiche definieren", um bessere Chancen im Wettbewerb bei der Förderung im Bereich der Spezialisierung zu haben.

Frauen berücksichtigen und Bürokratie abbauen

"Wir müssen unsere Kräfte bündeln, um ein Profil zu zeigen, das international beachtet wird," betonte Angelika Birk (Grüne).  Dabei müsse die Verteilung der Mittel von Bund und Ländern grundsätzlich anders organisiert und vor allem transparenter und demokratischer werden. Außerdem sei dem Parlament in dieser Frage mehr Entscheidungskompetenz einzuräumen. "Wir müssen mehr Mittel des Bundes und der anderen Länder in unser Land holen", so Birk. Auch die Frauenquote sei bei der Mittelvergabe zu berücksichtigen: "Institute, die sichtbar mehr die Frauen zum Zuge kommen lassen, müssen auch mehr Geld vom Staat bekommen."

"Wir haben ein Problem bei der Einwerbung von privaten Mitteln im Forschungsbereich", stellte Jürgen Weber (SPD) fest und forderte, mindestens drei Prozent des deutschen Brutto-Inlandsproduktes für Forschung auszugeben. Trotz des Anstiegs der Bundesmittel um zehn Prozent in den Jahren 1998-2002 seien Defizite aus der "Kohl-Ära" nicht wieder wettgemacht worden. Die parlamentarische Beteiligung an Entscheidungen zur Mittelvergabe betrachtete Weber kritisch: "Wir können im Bildungsausschuss keine Forschungsanträge beraten oder gar beschließen". Er forderte zur Verbesserung der Situation mehr Wettbewerb zwischen den Forschungseinrichtungen sowie die Einbindung der Wirtschaft. Zudem müssten beim Umgang mit Forschungsanträgen bürokratische Hemmnisse abgebaut werden.

"Trotz einiger Lichtblicke" - 
Oppositionskritik an Hochschulpolitik

Wissenschaft, Forschung und Lehre seien wichtige strategische Felder für die Zukunftspolitik eines Landes, beschied der CDU-Abgeordnete Jost de Jager. Insgesamt sei "nicht alles Gold was glänzt in der schleswig-holsteinischen Hochschullandschaft". Einige neu hinzugekommene Institute seien keine wirklichen Fortschritte. Als Beispiele nannte er das Institut für Friedenswissenschaften und das Zentrum für interdisziplinäre Frauenforschung. "Wir müssen Zentren wissenschaftlicher Exzellenz bilden und eine Konzentration der Mittel in jenen bereichen erreichen, die tatsächlich exzellent sind", forderte der hochschulpolitische Sprecher der Union. Für das Prinzip der Mischfinanzierung gebe es beim Hochschulbau keinen Grund. Es könne darauf jedoch nicht einfach verzichtet werden, ohne sicher zu stellen, was als Gegenleistung zu erwarten sei. Der Nachteil der Mischfinanzierung sei, dass das Land bei den Standortfragen nicht ausreichend mitentscheiden könne.

Schleswig-Holstein liege im Bereich Hochschulen und Forschung im Vergleich zu anderen Ländern erheblich im Rückstand, monierte Ekkehard Klug (FDP). Das Land gebe für seine Hochschulen 100 Millionen Euro weniger aus, als es bei seiner Größe im Vergleich zu anderen westdeutschen Flächenländern üblich wäre.  "Wer den Hochschulen im Wettbewerb um Drittmittel bessere Chancen einräumen will, muss für eine vernünftige Grundausstattung sorgen", forderte er und fügte hinzu, dass es keine "Steinbruchmentalität" bei der Konzentration auf bestimmte Wissenschaftsbereiche zum Nachteil der Grundlagenforschung geben dürfe.

Anke Spoorendonk (SSW) nannte die Kontrolle der Forschungsförderung verbesserungswürdig. "Forschung etabliert sich dort, wo die besten Bedingungen herrschen", sagte sie und merkte an, dass die regionalpolitischen Effekte in der Großen Anfrage mehr Berücksichtigung hätten finden können. Generell müsse Spitzenforschung sein und dabei der Grundsatz gelten: "Wer viel leistet, muss entsprechend honoriert werden."

Die Antwort der Landesregierung zur Forschung und der Bericht zum Hochschulbau wurden dem Bildungsausschuss zugeleitet.

Hintergrund:
  Der Ausbau und Neubau von Hochschulen wird vom Bund und von den Ländern als Gemeinschaftsaufgabe (GA) wahrgenommen, Bund und Länder teilen sich die Ausgaben in jedem Land. Für die Erfüllung der GA wird ein gemeinsamer Rahmenplan aufgestellt, wobei jedes Bundesland zum 1. März eines jeden Jahres seine neuen Vorhaben anmeldet. Hatte der Bund 1998 noch jährlich jeweils einen Ansatz von 1,1 Milliarden Euro veranschlagt, so wurden die bundesweiten Mittel im 33. Rahmenplan (2004-2007) auf 925 Millionen Euro im Jahr 2004 reduziert. Weitere Absenkungen sind vorgesehen: 2005 auf 890 Millionen, 2006 auf 840 Millionen, 2007 auf 760 Millionen Euro. Massive Proteste der Länder hätten nach Regierungsangaben dazu geführt, dass das Verfahren des Rahmenplans gelockert wird und vor allem, dass Bundesbildungsministerin Edelgard Buhlmann zugesagt habe, sich zumindest für 2005 für eine Beibehaltung des 2004-Ansatzes in Höhe von 925 Millionen Euro zu bemühen. Im Einzelplan des Landeshaushalts für den Hochschulbau sind für 2004 und 2005 jeweils 61,4 Millionen Euro eingeplant.
  Forschung: Mittels einer Großen Anfrage fordern die Grünen im Landtag, verstärkte Anstrengungen im Bereich der Forschung. Grund, so Sprecher der Fraktion, ist die Verteilung der Bundesforschungsmittel, bei der der Norden stark unterrepräsentiert sei. So habe Schleswig-Holstein an den gesamten Forschungsausgaben in Deutschland lediglich einen Anteil von 1,4 Prozent. 
Einer Mitte Januar verbreiteten Studie der Vereins- und Westbank und des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs zufolge, haben die norddeutschen Bundesländer im Vergleich zu anderen Standorten zu wenig forschungsintensive Industrie. Während die Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe bundesweit 2,4 Prozent ihres Umsatzes für Forschung aufwendeten, seien es im Norden nur 1,5 Prozent. Dagegen gebe es laut der Studie bei den Forschungseinrichtungen kaum messbare Unterschiede zwischen Nord- und Süddeutschland, wenn die Zahl der Mitarbeiter und die aufgewendeten Geldmittel verglichen werden.

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