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Auswirkung des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes in Schleswig-Holstein
Antrag der Fraktion der FDP
Drucksache: 15/3191
-Plenarprotokoll-

Praxisgebühr, weniger Arztbesuche, teurerer Zahnersatz: Ist die Gesundheitsreform für Schleswig-Holsteins Bürger ein Übel oder ein verkanntes Erfolgsrezept? Sind die anvisierten Kostensenkungen ausreichend? Oder muss am Gesundheitswesen weiter herumgedoktert werden?

Sieben Wochen Gesundheitsreform - 
Landtag zieht erste Bilanz
Moser: "Geben Sie der Reform eine Chance"

Kiel (SHL). Die Meinungen, wie die neue Gesundheitsreform in der Praxis gegriffen hat, gingen am Mittwoch, 18. Februar, unter den Parteien des Landtages weit auseinander. Mit harscher Kritik reagierte die Opposition auf einen Bericht der Landesregierung, den die FDP beantragt hatte. Gesundheitsministerin Heide Moser (SPD) erinnerte daran, dass Bundestag und Bundesrat das Gesetzespaket mit breiter Mehrheit befürwortet haben. Eine Zwischenbilanz sieben Wochen nach Inkrafttreten der Reform mochte sie nicht ziehen, da es noch keine Grundlage für klare Fakten gebe. Sie rief den Kritikern zu: "Lassen Sie uns erst einmal abwarten; geben Sie der Umsetzung der Reform eine Chance."

Nichtsdestotrotz ging die FDP-Abgeordnete Veronika Kolb mit der Gesundheitsreform hart ins Gericht. Wörtlich nannte sie die Reform ein "Patientenschröpfungsprogramm" und "Missgeburt". So hätten beispielsweise bereits zwölf Krankenkassen die Beiträge erhöht, statt sie zu senken. Man habe versäumt, sich die Akzeptanz der Bevölkerung für eine grundlegende Reform des Gesundheitswesens zu eigen zu machen. 

Das Allerschlimmste daran sei, schloss sich Werner Kalinka (CDU) der Kritik an, dass die Menschen das Vertrauen in die Politik verloren hätten.  Er machte handwerkliche Fehler bei der Umsetzung des Gesetzes aus und monierte die finanzielle Belastung von Patienten mit geringen Einkommen. Der SSW stellte sich hinter die Kritik von CDU und FDP: "Die Leistungsanbieter und die Pharmaanbieter können weiter machen wie bisher", konstatierte Silke Hinrichsen. Verlierer seien die Patienten. Sie forderte eine grundlegende Strukturreform und eine Abschaffung der "sozial ungerechten" Praxisgebühr.

Rot-Grün weist Kritik zurück

Arno Jahner (SPD) wies die Vorwürfe der Opposition zurück; auch seine Partei habe in den Verhandlungen einige bittere Pillen schlucken müssen. Liberale und Christdemokraten entzögen sich der Mitverantwortung. Praxisgebühr und die private Vorsorge für Zahnersatz seien Ideen der Union gewesen, hielt auch Angelika Birk (Grüne) der Opposition vor. Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Reform lägen zum Teil auch in den Selbstverwaltungsgremien begründet. Diese hätten es beispielsweise beim Bereitschaftsdienst bis heute versäumt, eine eindeutige Regelung für die Erhebung der Praxisgebühr zu treffen.

Eine weitere Beratung im Ausschuss wurde nicht beantragt.

Hintergrund:
  Zum 1. Januar 2004 ist das von Rot-Grün und CDU/CSU in Bundestag und Bundesrat beschlossene Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) in Kraft getreten. Über die Auswirkungen auf Schleswig-Holstein soll die Landesregierung auf Antrag der FDP berichten.
  Zu den von den Liberalen angesprochenen Punkten zählt die Höhe der Kassenbeitragssätze. Sie sollten nach Vorstellung der Initiatoren des GMG von derzeit circa 14,4 Prozent auf 12,15 Prozent des Bruttolohns im Jahr 2006 sinken. Dies sollte durch die Praxisgebühr von 10 Euro pro Quartal für Arzt- und Zahnarztbesuche gegenfinanziert werden. Dennoch haben einige kleinere Betriebskrankenkassen zum Jahresanfang ihre Beiträge angehoben.
  Ein weiteres Thema sind die Zusatz- und Betriebsrenten: Seit dem 1. Januar gilt eine neue Beitragsregelung für solche Rentner in der gesetzlichen Krankenversicherung, die neben der Rente weitere Versorgungsbezüge haben. Auf Betriebsrenten und Alterseinkünfte aus selbstständiger Tätigkeit müssen sie den vollen Beitrag zur Krankenkasse und Pflegeversicherung zahlen. Bisher galt nur der halbe Beitrag.

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