Kiel (SHL). Wichtige Themen führen zu ungewöhnlichen Maßnahmen:
Trotz des strikten Alkoholverbots kreisten am Donnerstag,
19. Februar 2004, im Plenarsaal diverse bunte "Alcopop"-Flaschen
unter den Abgeordneten - symbolisch für das Gefahrenpotential
dieser besonders bei Jugendlichen beliebten alkoholhaltigen Mix-Getränke.
Da der Inhalt natürlich nicht konsumiert wurde, sprachen sich die
Abgeordneten letztendlich mit klarer Stimme für eine Verteuerung
dieser Getränke aus. Nach Ansicht der antragstellenden
Christdemokraten könne so der Einstieg in den regelmäßigen
Alkoholkonsum erschwert werden. Zusätzliche Mittel aus einer
Verteuerung sollen zweckgebunden der Präventionsarbeit im
Drogenbereich zu Gute kommen. Zielgruppe auch hier: die
Jugend.
Bei der Einführung der süßen Mixgetränke handele es sich um
einen "genialen Schachzug der Alkohol-Industrie gegen den
Negativtrend im allgemeinen Absatz", mutmaßte Frauke Tengler
(CDU). Ihre Warnung vor den Getränken untermauerte sie mit Zahlen:
Der Umsatz bei den "Alcopops" sei seit 2001 um das
Dreieinhalbfache gestiegen; 37 Prozent der 15-Jährigen griffen
mindestens einmal pro Woche zum Alkohol, was seit 1998 einer
Steigerung von acht Prozent entspreche. Und: An zehn getesteten
Tankstellen seien in acht Fällen "Alcopops" an
Minderjährige verkauft worden. Letzteres nahm sie zum Anlass, eine
strengere Kontrolle des Verkaufs an Minderjährige zu fordern.
Als positives Beispiel führte sie Frankreich an: Dort habe die
Verdoppelung des Preises zum Einbruch des Marktes für "Alcopops"
geführt.
Auch Silke Hinrichsen (SSW) hielt die "Alcopops" für
eine "gezielte Marketingstrategie der Alkoholindustrie, die
sich neue Märkte bei den Jugendlichen erschließen wollte".
Sie regte an, auch mögliche Einschränkungen in der Werbung für
"Alcopops" zu prüfen. Hier nämlich liege eines der
Hauptprobleme dafür, dass die Jugendlichen sich von den
Mixgetränken so stark angesprochen fühlten.
SPD: Jugendschutz in aller Härte anwenden
"Alcopops’ sind für den steigenden Alkoholkonsum bei
Jugendlichen mit verantwortlich", stellte Peter Eichstädt
(SPD) klar. Eine zusätzliche Steuer sei ein sinnvoller Weg, dieser
Entwicklung Einhalt zu gebieten. Er setzte sich dafür ein, das
Jugendschutzgesetz "in aller Härte" dort anzuwenden, wo
Alkohol an Minderjährige verkauft werde. Gleichzeitig mahnte der
Sozialdemokrat die Aufklärungspflicht der Eltern an.
"Alcopops" gelten zu Recht als Einstiegsdroge, so
Monika Heinold (Grüne). 1,6 Millionen Menschen in Deutschland seien
alkoholabhängig. Mit der Verteuerung gehe es darum, "den
Jugendlichen den Weg in den Alkohol nicht noch einfacher und
schmackhafter" zu machen. "Wir müssen den Berliner Kurs
unterstützen", appellierte Heinold an ihre Kollegen.
FDP: Verteuerung allein reicht nicht
"Ist es tatsächlich so, dass die Steuerung des
Alkoholkonsums gerade bei Jugendlichen möglich ist?", fragte
Veronika Kolb (FDP) und meldete zugleich Zweifel an. Sie rief dazu
auf, nicht die Symptome, sondern die Ursachen zu bekämpfen. Im
Falle einer Verteuerung könnten die Jugendlichen dazu übergehen,
sich die Getränke selber zu mixen. Ein Preisaufschlag für "Alcopops"
reiche nicht aus.
"Die Gesetzeslage ist eindeutig", machte
Jugendministerin Anne Lütkes (Grüne) deutlich. Es sei verboten,
branntweinhaltige Getränke an Jugendliche abzugeben. Dabei handele
es sich um eine Ordnungswidrigkeit. "Da muss gehandelt
werden", forderte die Ministerin. Diese Tatsache halte die
Jugendlichen allerdings nicht davon ab, sich die Getränke zu
besorgen. Daher sei eine deutliche Verteuerung sinnvoll. Das
eigentliche Problem werde dadurch aber nicht gelöst. Hier helfe nur
Aufklärung und Prävention.
Der Antrag wurde einstimmig an den Sozialausschuss überwiesen.