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"Grüne
Berufe" weiter eine Männerdomäne
Landtag: Moderne Agrarpolitik
soll sich stärker auf Frauen ausrichten
Kiel (SHL).
Frauen sind in Berufen der Land- und Forstwirtschaft, den
sogenannten "Grünen Berufen", stark
unterrepräsentiert – das geht aus einem Bericht der
Landesregierung hervor, den der Landtag am Freitag, den 20.
Februar behandelt hat. So schlossen laut dem Bericht zufolge im
Ausbildungsjahr 2001/02 etwa 5.200 Männer aber nur 500 Frauen
eine Ausbildung zum Landwirt ab. Auch bei den eigenen Hof- und
Gartenbaubetrieben klafft die Zahl im gleichen Zeitraum auseinander:
16.400 Männer stehen hier 1.500 Frauen gegenüber. Bei den 6.039
ausgebildeten Gärtnern betrug der Frauenanteil 32
Prozent. Unter den Landtagsparteien herrschte Einigkeit
darüber, dass es ein
wichtiges Ziel moderner Agrarpolitik sei, den Frauenanteil in
den "Grünen Berufen" zu heben.
Während Landwirtschaftsminister
Klaus Müller (Grüne) darauf verwies, dass mittlerweile
verschiedene Förderprogramme für Frauen in der Landwirtschaft
angeboten werden, beschied die Opposition, die im Bericht
genannten Chancen beruhten vor allem auf
"Eigeninitiative". Die Redner stimmten darin überein,
dass die Frauenrolle in der Agrarwirtschaft von traditionellen
Vorstellungen geprägt sei und die Politik hier gegensteuern
müsse. Auch seien die Frauen vom Strukturwandel im ländlichen
Raum besonders betroffen. Allgemein gelobt wurde die Arbeit von
verschiedenen Berufsbildungs-Initiativen für Frauen in
"Grünen Berufen", insbesondere die Arbeit des
Landfrauen-Verbandes.
Der Bericht wurde
einstimmig an den Agrarausschuss überwiesen.
Stimmen aus
der Debatte
Landwirtschaftsminister
Klaus Müller (B.90/Grüne): Die Landwirtschaft entwickele
sich immer mehr zu High-tec-Branche, was insbesondere den Frauen
zugute komme. Dennoch sei die Berufstätigkeit in der
Landwirtschaft nach wie vor Männerdomäne. Auch der
Frauenanteil im akademischen Bereich sei "unangemessen
gering". Da Frauen weiterhin einer Doppelbelastung von
Familie und Beruf ausgesetzt seien, sei moderne
Landwirtschaftspolitik gefordert.
Ursula Sassen
(CDU): "Die klassische Reihenfolge des Interesses
der Mädchen von der Barbiepuppe über die Pferdenärrin hin zum
Partner, der sicher gerne einen Reiterhof in die Beziehung
einbringen darf, scheint immer noch aktuell zu sein."
Maren Kruse (SPD):
Die Landwirtschaft bleibe auf den ersten Blick Männerdomäne,
doch würden viele Tätigkeiten in der Landwirtschaft, wie etwa
im Haushalt, statistisch nicht erfasst, obwohl sie für das
Funktionieren der Landwirtschaft unerlässlich seien. Aber noch
heute hätten Frauen in der Hofnachfolge nur dann eine Chance,
wenn kein männlicher Nachfolger existiere. "Ein Wandel in
der Frauenrolle bedingt immer auch ein Wandel in der
Männerrolle."
Veronika Kolb
(FDP): Die Landwirtschaft solle durch Entwicklung neuer
Standbeine breitere Basis bekommen, da das Höfe-Sterben
weitergehe. "Frauen scheinen ihren Beruf und ihren
Bildungsweg noch nach klassischen Mustern auszuwählen.".
Auch falle es vielen Kreditinstituten es schwer, Innovationen
von Frauen in der Landwirtschaft richtig einzuschätzen. Es sei
Aufgabe der Politik, hier unterstützend mitzuhelfen und
bürokratische Hemmnisse abzubauen.
Irene Fröhlich
(B.90/Grüne): Frauen seien durch Strukturwandel im
ländlichen Raum doppelt betroffen und könnten in den
seltensten Fällen auf einen Lebenspartner mit eigenem Einkommen
zurückgreifen. Dennoch nutzen Frauen die Agrarkrise erfreulich
positiv und seien eine "starke und wichtige Säule in der
ländlichen Entwicklung".
Lars Harms (SSW):
Es sei auch die Frage, wie sinnvoll es sei, "Grüne
Berufe" sektoral zu betrachten, da sich durch den
Strukturwandel die Grenzen zwischen den Berufen verschieben
würden. Es gäbe im ländlichen Raum Alternativen zu
"Grünen Berufen", die weiter genutzt werden müssten.
Hintergrund:
Ein
Regierungsbericht belegt, dass es bei so genannten
"Grünen Berufen" starke Unterschiede zwischen
den Geschlechtern gibt. So wurden im Zeitraum von 1992 bis
2002 insgesamt 5.229 Männer als Landwirt ausgebildet,
aber nur 500 Frauen. 460 männlichen Forstwirten standen
lediglich 18 weibliche gegenüber, und unter 358
Teichwirten befanden sich nur acht Frauen. Bei den 6.039
ausgebildeten Gärtnern betrug der Frauenanteil 32
Prozent. 2001 hatten 1.500 Frauen, aber 16.400 Männer
ihren eigenen landwirtschaftlichen oder gartenbaulichen
Betrieb.
Ganz anderes das Bild bei den Hauswirtschafterinnen
und Hauswirtschaftern: Hier befand sich ein Mann unter 450
Frauen.
Die Landesregierung versucht, dieses
Ungleichgewicht aus der Welt zu schaffen. So wird die
Beratungseinrichtung "Perspektiven für
Bäuerinnen" der Landwirtschaftskammer jährlich mit
rund 45.000 Euro gefördert.
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Informationen: Infos
der Landesregierung
(www.landesregierung.schleswig-holstein.de/coremedia/generator/
Aktueller_20Bestand/MUNL/Brosch_C3_BCre_20_2F_20Publikation/
Gr_C3_BCne__Berufe.html)
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