Kiel (SHL). Eine positive Bilanz hat Wirtschaftsminister
Bernd Rohwer am Donnerstag, 19. Februar 2004, in einem von der
FDP angeforderten Bericht zur Kontrolle der
Wirtschaftsförderung im Land gezogen. Angesichts der Menge der
bereitgestellten Mittel müsse auch gesichert werden, dass diese
sorgfältig verwendet werden. Über 190 Ansiedlungen mit mehr
als 2.000 Arbeitsplätzen im vergangenen Jahr seien ein
deutlicher Beweis für die Effektivität der Förderung. Im
Bundesvergleich sei das der zweite Platz hinter Hamburg
bei den Neuansiedlungen. Externe Gutachter, darunter auch die
unabhängige Bertelsmann-Stiftung, würden Schleswig-Holstein
darüber hinaus auch bescheinigen, auf dem Gebiet der Wirtschaftsförderung
überaus aktiv zu sein, so Rohwer.
Eine "falsches Selbstbild" attestierten dagegen CDU
und FDP dem Wirtschaftsminister. Nach außen werde behauptet,
die Wirtschaftsförderung sei erfolgreich. Die Wirtschaftsdaten,
vor allem die Rekord-Arbeitslosigkeit in Schleswig-Holstein,
zeichneten dagegen ein anderes Bild: Im Bundesvergleich stehe
das Land wirtschaftlich schlecht da. Der Minister verwechsle
Aktivität mit Erfolg, so die Kritik. Ob Arbeitsplätze im
Einzelnen tatsächlich auf Grund einer Förderung erhalten oder
neu geschaffen werden konnten, sei zudem nicht geklärt. Die
Wirtschaftsförderung im Land schmücke sich mit fremden Federn.
Regierungsfraktionen und SSW verwiesen dagegen auf
unabhängige Gutachten, die Schleswig-Holsteins
Wirtschaftsförderung durchweg ein gutes Zeugnis ausgestellt
hätten. Einzelne Ungenauigkeiten im Bericht des
Wirtschaftsministeriums lägen in der Natur der Sache, weil
nicht zu allen Bereichen verlässliche Zahlen ermittelt werden
könnten. Die Gutachten zeigten aber einen eindeutigen Trend:
Die Wirtschaftsförderung im Lande funktioniere, die
eingesetzten Mittel würden sinnvoll verwendet, allerdings: Den
Strukturwandel in Landwirtschaft und Schiffbau könne auch die
beste Wirtschaftsförderung nicht aufhalten.
Der Wirtschaftsausschuss wird sich abschließend mit dem
Bericht des Ministers befassen.
Stimmen aus den Fraktionen:
Klaus-Dieter Müller (SPD): Fast 50.000 Arbeitsplätze (...)
sind in den letzten 5 Jahren durch die Finanzierungsinstrumente
des Landes erhalten oder neu geschaffen worden, das sind fast
sieben Prozent der Gesamtbeschäftigung unseres Landes.
Uwe Eichelberg (CDU): Die Bewertung der Kontrollen ist
einseitig und geschönt und steht oft in krassem Widerspruch zu
den Aussagen des Landesrechnungshofes und des externen
Evaluierers "PSL Ramboel Management".
Christel Aschmoneit-Lücke (FDP): Wir wollen nicht
wissen, dass die Aktivitäten vielfältig sind, sondern wie das
Ergebnis ist. Und das ist leider in Schleswig-Holstein nicht so,
wie wir es gerne hätten.
Karl-Martin Hentschel (B‘90/Grüne): Ich glaube, dass
die Bewertung der Wirtschaftsförderung außerordentlich
systematisch und gut ist. Und das Ergebnis dieser Evaluierung
ist: Die Wirtschaftsförderung des Landes Schleswig-Holstein
kann sich sehen lassen.
Lars Harms (SSW): Der Bericht zeigt noch einmal
eindrucksvoll, dass gerade die regionale Wirtschaftsförderung
durchweg zu beachtlichen Erfolgen in den strukturschwachen
Regionen geführt hat.