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Neuer Konflikt um
A20 im Landtag
Rot-Grün kritisiert Niedersachsen,
Opposition Verkehrsminister Rohwer
Kiel (lno/SHL). Die Ostseeautobahn A 20 hat am Freitag,
20. Februar 2004, erneut die Gemüter im schleswig-holsteinischen Landtag erhitzt.
Verkehrsminister Bernd Rohwer (SPD) warf der CDU/FDP-Regierung in Niedersachsen
"politische Spielereien" und Verzögerung der Planungen vor. Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) habe erst im Dezember
2003 zugesagt, Planungsmittel für die Elbquerung bereitzustellen, doch auch seitdem gebe es aus dem Wirtschaftsministerium immer noch
kein grünes Licht. "Offenbar werden dort Ministerpräsidenten-Vorgaben
nicht ernst genommen", sagte Rohwer. "Mehr als ein Jahr haben wir so
bei der Planung der Elbquerung verloren."
Auslöser der erneuten A 20-Debatte war die Ankündigung
Rohwers, beim Weiterbau der A 20 auf niedersächsischem Gebiet notfalls den
Plänen aus Hannover zu folgen. Schleswig-Holstein würde damit statt
der bislang favorisierten Anbindung an die A 1 westlich Hamburgs den
von Niedersachsen gewünschten Anschluss an die erst noch noch zu planende Küstenautobahn A 22 Richtung Wilhelmshaven akzeptieren.
"Die A 20 ist unser wichtigstes Verkehrsprojekt, es darf nicht
daran scheitern, dass andere Länder andere Prioritäten setzen",
argumentierte Rohwer. "Wir brauchen die schnelle Anbindung an das
Autobahnnetz in Richtung Südwesten." Es dürfe nicht passieren, dass
Niedersachsen den Weiterbau der A 20 nicht wie erforderlich in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes bringe.
Rohwer hielt an dem Ziel fest, die A 20 in Schleswig-Holstein einschließlich
Elbquerung bis 2011 fertig zustellen.
Zweifel am Zeitplan
des Ministers
Die Opposition bezweifelt dies:
"Wenn Sie, Herr Minister, immer noch behaupten, dass Sie bis 2011 auf ganzer Länge mit der A 20 über
die Elbe sind, kann ich nur sagen Toll-Collect lässt grüßen",
meinte Roswitha Strauß (CDU). Skeptisch zeigte sich auch der grüne
Fraktionschef Karl-Martin Hentschel: Denn "Niedersachsen hat die A 22
nicht für den vordringlichen Bedarf angemeldet, sondern will statt dessen die A 39 Braunschweig-Lüneburg vorziehen." Damit werde bis
2015 nichts passieren.
Die CDU/FDP-Opposition warf der Landesregierung vor, das Projekt
nicht energisch genug vorangetrieben und viel Zeit verloren zu haben.
Es sei absurd, den Regierungswechsel in Niedersachsen für die Probleme verantwortlich zu machen, sagte Christel Aschmoneit-Lücke
(FDP). Das Land habe anderthalb Jahrzehnte Zeit gehabt, gemeinsam mit
SPD-geführten Regierungen das Projekt zu verwirklichen.
SPD: Zweitbeste
Lösung besser, als gar keine
Klaus-Dieter Müller
(SPD) sagte, alle Gründe, die A 20 lieber an Küstenautobahn A 22
anzuschließen, lägen ausschließlich in der Landespolitik
Niedersachsens begründet. Ein
Anschluss an die Küstenautobahn sei nur der zweitbeste Weg. Die
Anbindung an die A 1 bei Sittensen sei kürzer, billiger und
schneller zu realisieren sei. Es sei aber besser, so Müller, "die
zweitbeste Lösung zu realisieren, als gar keine".
Der SSW-Abgeordnete Lars Harms nannte
es unerträglich, bis 2011 zu warten, da schon seit zehn Jahren
geplant werde. Seiner Ansicht nach hätte die Regierung die Energie, die sie in die Fehmarnbelt-Querung
und "ein so sinnloses Projekt wie den Ausbau des Kieler Flughafens"
gesteckt habe, auch der A 20 widmen sollen.
Hintergrund:
Landes-Verkehrsminister
Bernd Rohwer (SPD) hat angekündigt, sich beim Weiterbau
der Ostseeautobahn A 20 den niedersächsischen Plänen
anzuschließen. Schleswig-Holstein akzeptiert damit statt
der bislang favorisierten Anbindung an die A 1 westlich
von Hamburg den von Niedersachsen gewünschten Anschluss
an die Küstenautobahn A 22 Richtung Wilhelmshaven. Die
Streckenführung beinhaltet eine feste Elbquerung bei
Glückstadt und die Weiterführung über die A 22 in den
Wesertunnel bei Bremerhaven. Auch Hamburg hat hierfür
Unterstützung signalisiert. Um weitere Verzögerungen zu
vermeiden, drängt das Verkehrsministerium darauf, dieses
Vorhaben bis Mai im vordringlichen Bedarf des
Bundesverkehrswegeplans zu verankern. Bisher ist im
Verkehrswegeplan die Strecke von der Elbe über Stade zur
A 1 bei Sittensen vorgesehen. Richtung Osten reicht die
Ostseeautobahn A 20 parallel zur Küste über Lübeck,
Wismar, Rostock, Jarmen und Neubrandenburg nach Prenzlau.
Fertigstellungstermin ist voraussichtlich das Jahr 2016.
Die A 20 gilt als wichtiges Infrastrukturprojekt für den
norddeutschen Küstenraum.
Die FDP-Landtagsfraktion will von der Regierung die
Gründe für das Abrücken von der ursprünglichen
schleswig-holsteinischen Position sowie Details über die
weiteren Planungen erfahren.
weitere Infos: plenum-online,
April 2003
(www.sh-landtag.de/plenumonline/april03/
texte/13_15_verkehra20_parke.htm)
Stichwort:
Dringlichkeit
Die Tagesordnung einer
Landtagssitzung wird zwölf Tage vor Tagungsbeginn im
Ältestenrat festgelegt. Ein Beratungsgegenstand, der
nicht auf der Tagesordnung steht, kann nur dann
kurzfristig eingeschoben werden, wenn der Landtag die
Dringlichkeit feststellt. Dazu sind zwei Drittel der
abgegebenen Stimmen nötig. Gleichzeitig mit der
Abstimmung über die Dringlichkeit wird die Einordnung des
Gegenstandes in die Tagesordnung vorgenommen.
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