Auf dieser Seite: LKW-Maut  (Dringlichkeit)

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Dringlichkeit:
Scheitern der LKW-Maut
  
Antrag der Fraktion der CDU
Drucksache: 15/3239
-Plenarprotokoll-

Das gescheiterte Maut-Sytem und die Suche nach Lösungen
Rohwer fordert jetzt Autobahn-Vignette

Kiel (SHL). Der Landtag hat sich einhellig bestürzt über das Scheitern des Maut-Projektes der Bundesregierung gezeigt. Insbesondere die Opposition gab der Sorge um anstehende Verkehrsprojekte in Schleswig-Holstein Ausdruck, die von den erwarteten Maut-Einnahmen abhängen. Verkehrsminister Bernd Rohwer (SPD) bemühte sich am Freitag, 20. Februar 2004, im Rahmen einer von der CDU beantragten Dringlichkeitsdebatte diese Bedenken zu zerstreuen und forderte, es dürfe bei den vordringlichen Verkehrsprojekten keine weiteren Verzögerungen geben. Er forderte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) auf, die Autobahn-Vignette wieder einzuführen.

Rohwer erwartet für nächste Woche Beschlüsse auf einer Verkehrsministerkonferenz. In einer ersten Stellungnahme nach dem Scheitern des Maut-Systems hatte er die Einnahmeausfälle für Schleswig-Holstein in diesem Jahr auf 50 Millionen Euro im Straßenbau sowie 100 Millionen Euro im Schienenbereich beziffert.

Uwe Eichelberg (CDU) bezeichnete die Ereignisse um die Maut als "symbolisch für die rot-grüne Verkehrspolitik in Berlin". Vor der Einführung hätte es zunächst einen regionalen Probelauf geben müssen. Der Landesregierung warf er vor, sich bei den Verkehrsprojekten in Schleswig-Holstein konsequent für falsche Finanzierungskonzepte entschieden zu haben.

Der Minister habe rechtzeitig auf die Konsequenzen eines Scheiterns der Maut hingewiesen, verteidigte Birgit Herdejürgen (SPD) Rohwer. Die Hauptkritik müsse sich an die Unternehmen richten und nicht an die Politik. Der Opposition empfahl sie, ihre Energie darauf zu richten, die "schwierige Situation für uns in Schleswig-Holstein zu lösen".

FDP: Bundesregierung hat dilettantisch gehandelt

Die verkehrspolitische Sprecherin der FDP  Christel Aschmoneit-Lücke sah "ein weiteres rot-grünes Vorzeigeprojekt gescheitert" und forderte die Abberufung Stolpes als Bundesverkehrsminister. Schuld sei die Bundesregierung, die sowohl die Verträge wie das Projekt "dilettantisch" gestaltet beziehungsweise gemanagt habe. Doch: Auch Toll-Collect sei nicht unschuldig. Das Unternehmen habe die Bundesregierung über den Tisch gezogen. 

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen Karl-Martin Hentschel nahm das Toll Collect Konsortium in Schutz: "Die Leute (...) waren mit Sicherheit sicher, dass das Projekt funktionieren würde, sonst hätten sie nicht hunderte von Millionen in den Sand gesetzt". Solche Projekte seien naturgemäß mit großen Risiken verbunden. Es sei jetzt eine einfache, abgespeckte Übergangslösung erforderlich. Dies könne eine technische Lösung oder aber die Einführung einer Vignette sein.

Lars Harms (SSW) warf den Toll-Collect-Partnern DaimlerChrysler und der Telekom vor, sich am Rande des Betruges zu bewegen, da sie genau gewusst hätten, dass das Projekt "Maut" nicht funktionieren würde. Die Länder müssten dies jetzt ausbaden. Die Einnahmeausfälle würden dazu führen, dass viele kleine Projekte "hinten runterfallen". 

Hintergrund:
  Nachdem das Milliarden-Projekt für die Satelliten gestützte Lkw-Maut auf deutschen Autobahnen am Vortag der Februar-Tagung vorerst gescheitert ist, hat die CDU-Fraktion postwendend einen Dringlichkeitsantrag angekündigt. Sie möchte wissen, wie die Landesregierung die Auswirkungen auf Schleswig-Holstein einschätzt, insbesondere wie Investitionsrückstände verhindert werden können.
  Nach monatelangem Tauziehen hat Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) am Dienstag dem Betreiberkonsortium Toll Collect den Vertrag gekündigt. Ersatzweise soll möglichst noch bis November die abgeschaffte Euro-Vignette für Lastwagen wieder eingeführt werden. Die Entscheidung fiel nach einem nächtlichen Verhandlungsmarathon mit den Toll-Collect-Partnern DaimlerChrysler, Deutsche Telekom und Cofiroute in Berlin. Stolpe will die Ausfälle in Milliardenhöhe wegen der nicht eingehaltenen Vertragszusagen vor einem Schiedsgericht einfordern. In dem Kündigungsschreiben wird der Schaden durch die Verzögerung auf rund 6,5 Milliarden Euro beziffert. Parallel bereitet der Bund eine neue Ausschreibung vor, weil die Regierung auf die Einnahmen zur Finanzierung von Verkehrswegen nicht verzichten will.
  Ursprünglich sollte das Mautsystem für die Erfassung von Lkw- Gebühren Ende August 2003 eingeführt werden. Der Start war dann mehrfach verschoben worden. Hauptstreitpunkt zwischen Bundesregierung und Toll Collect war ein Ausgleich für Einnahmeausfälle von bis zu 180 Millionen Euro pro Monat.
          Erste Reaktion von Rohwer
  In einer ersten Stellungnahme wies Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Rohwer (SPD) am Dienstag darauf hin, dass durch die Einnahmeausfälle in diesem Jahr allein in Schleswig-Holstein 50 Millionen Euro im Straßenbau sowie 100 Millionen Euro im Schienenbereich fehlten. Betroffen seien die zügige Umsetzung wichtiger Projekte wie die Elektrifizierung der Bahnstrecke Lübeck-Hamburg, der Weiterbau der Autobahn A 21 oder die Beseitigung der Engpässe auf der Bahnstrecke Elmshorn-Pinneberg. "Bei diesen Projekten stehen wir in den Startlöchern, die Bagger könnten sofort rollen. Wir warten händeringend auf die Finanzierungsfreigabe", sagte Rohwer, der die Bundesregierung nachdrücklich aufforderte, die gesperrten Mittel im Bundeshaushalt von rund einer Milliarde Euro freizugeben und durch Schadenersatzforderungen sowie Vignette-Einnahmen und Kredite übergangsweise gegen zu finanzieren. Zwar sei das Land bereit, den Schienenausbau mit zu finanzieren, so Rohwer. "Aber die Hauptfinanzierung muss vom Bund und von der Deutschen Bahn kommen".
         Stolpe setzt auf Vignette
  Zur Wiedereinführung der Euro-Vignette will Bundesverkehrsminister Stolpe Gespräche mit den Partnerländern dieses europäischen Verbundes führen. Er hoffe, dass sie bereits im Oktober und November starten könne. Der Erlös sei mit monatlich 40 Millionen Euro allerdings gering. Möglich sei auch die Einführung von Systemen, die in Nachbarländern bereits funktionieren - etwa das Mikrowellensystem.
  Durch die Startverzögerungen sind dem Bund bisher Einnahmen von knapp 900 Millionen Euro verloren gegangen. Stolpe zufolge wurden bereits Ausfälle von je 156 Millionen Euro für jeden fehlenden Monat aus 2003 und für 2004 monatlich rund 180 Millionen Euro geltend gemacht. Ausgleichszahlungen für monatliche Verluste würden mindestens so lange gefordert, bis durch eine andere Lösung kein Schaden mehr entstehe. Hinzu kämen weitere Zahlungsforderungen.

  Stichwort: Dringlichkeit
 
Die Tagesordnung einer Landtagssitzung wird zwölf Tage vor Tagungsbeginn im Ältestenrat festgelegt. Ein Beratungsgegenstand, der nicht auf der Tagesordnung steht, kann nur dann kurzfristig eingeschoben werden, wenn der Landtag die Dringlichkeit feststellt. Dazu sind zwei Drittel der abgegebenen Stimmen nötig. Gleichzeitig mit der Abstimmung über die Dringlichkeit wird die Einordnung des Gegenstandes in die Tagesordnung vorgenommen.

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