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Vorfahrt für Kinder – Familienförderung weiter entwickeln
Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Drucksache: 16/558
-Plenarprotokoll-

Forderungen zum Thema "Vorfahrt für Kinder und Familien" abgelehnt

Grüne wollen Ehegattensplitting zugunsten eines kostenlosen Kita-Jahres streichen

Kiel (SHL). Kinder und Familie sollen in der Gesellschaft Vorrang genießen – darüber sind sich die Parteien im Landtag einig. Wie dieses Ziel am besten erreicht werden kann, darüber herrschten im Plenum allerdings unterschiedliche Meinungen. Anlass der Debatte war ein Antrag der Grünen, der darauf zielte, durch die Streichung des Ehegattensplittings ein kostenloses Kindertagesstättenjahr zu ermöglichen. Dem erteilte Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) einen Dämpfer. Es werde keine Mehrheit für die Abschaffung des Ehegattensplittings geben, verkündete sie, stellte sich aber hinter das Ziel, eine kostengünstigere und flexiblere Kindertagesbetreuung zu erreichen. Generell, so Trauernicht, "darf Kinder-Haben nicht zum Armutsrisiko werden". Der Antrag der Grünen wurde schließlich bei Enthaltung von FDP und SSW mit den Stimmen von Schwarz-Rot abgelehnt.

Ebenfalls keine Mehrheit erhielt ein ebenfalls von den Grünen vorgelegter Berichtsantrag, mit dem die Landesregierung aufgefordert werden sollte, Ideen für ein beitragsfreies Kita-Jahr vorzustellen. SPD und CDU stimmten mit ihrer Mehrheit dagegen, während Liberale und SSW Zustimmung signalisierten.

In ihrer Antragsbegründung forderte die Grünen-Politikerin Monika Heinold ein Umlenken von der individuellen zur institutionellen Familienförderung. So unterstütze insbesondere das Ehegattensplitting hauptsächlich Besserverdienende. Zudem boykottiere das Ehegattensplitting die Bemühungen um die ökonomische Selbständigkeit beider Partner, fügte Lars Harms vom SSW hinzu.

Der FDP-Abgeordnete Heiner Garg hingegen sah in der Abschaffung des Ehegattensplittings keine Lösung des Problems. Vielmehr seien die von den Grünen vorgeschlagenen institutionellen Förderungen durch staatliche Bevormundung eine Beschneidung der individuellen Entscheidungen der Familien. Johann Wadephul (CDU) unterstützte in der Aussprache die Forderung nach einem kostenlosen Kita-Jahr direkt vor der Einschulung und nannte es eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben in Deutschland, jedem Kind ein Kindergartenplatz zu ermöglichen. Die Abgeordnete der SPD, Ulrike Rodust, bezeichnete den Grünen-Antrag als populistisch, da es keine finanziellen Möglichkeiten zur Umsetzung gebe.

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Hintergrund:
  Die Grünen fordern die Landesregierung auf, in einigen zentralen Punkten auf Gegenkurs zu den familienpolitischen Vorstellungen der schwarz-roten Bundesregierung zu gehen. Stattdessen schlagen sie eine andere Schwerpunktsetzung vor.
  Berlin will im Rahmen seines 25-Milliarden-Investitionsprogramms ab 2007 ein einkommens-unabhängiges Elterngeld anstelle des bisherigen Erziehungsgeldes einführen: Eltern, die wegen Kindererziehung im Beruf pausieren, sollen maximal für ein Jahr zwei Drittel ihres letzten Nettoeinkommens erhalten, im Höchstfall 1.800 Euro. Zudem sollen Eltern ihre Ausgaben für Kinder-Betreuung ab einer Summe von 1.000 Euro jährlich (bei bis zu Sechs-Jährigen) beziehungsweise vom ersten Cent an (bei Sieben- bis 14-Jährigen) steuerlich absetzen können. Nach Vorstellung der Grünen soll sich Schleswig-Holstein im Bundesrat für eine Zurückstellung dieser Pläne aussprechen.
  Anstelle dieser Individual-Förderung streben die Grünen im Landtag eine stärkere Unterstützung von Kindertagesstätten an. Der Bund soll seine entsprechenden Haushaltsmittel den Kreisen und Kommunen hierfür zur Verfügung stellen. Ziel der Grünen ist eine kostenlose Kita-Betreuung. Hierzu soll das Landes-Kabinett bis Juni ein Konzept entwickeln.
  Eine weitere Forderung an die Landesregierung: Sie soll eine Bundesratsinitiative zur Abschaffung des Ehegattensplittings im Einkommenssteuerrecht starten. Durch die getrennte Einkommensteuer-Berechnung bei Ehepaaren erhalten Verheiratete zurzeit den doppelten Freibetrag. Das durch die Streichung des Splittings zusätzlich eingenommene Geld wollen die Grünen ebenfalls in die Kindertagesstätten stecken.

mehr Informationen: plenum-online, Januar 2006
(www.sh-landtag.de/plenumonline/januar2006/
texte/20_30_familien_kinderundjugend.htm)

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