Auf dieser Seite: Bilinguale Bildung

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Bilinguale Bildungsangebote in Kindergärten und Schulen
Antrag der Fraktion der FDP
Änderungsantrag der Abgeordneten des SSW – Drs. 16/612
Antrag der Fraktionen von CDU und SPD – Drs. 16/618
Drucksache: 16/564
-Plenarprotokoll-

Ab wann soll bilingualer
Unterricht greifen?

FDP will mehr Fremdsprachen-Angebote schon in Kitas / Schwarz-Rot plädiert für Englisch ab der 3. Klasse

Kiel (SHL/24.02.) Mehr Fremdsprachenunterricht schon für Schleswig-Holsteins Knirpse? – Yes, please! Darin und in dem Nutzen des frühen Erlernens von Fremdsprachen sind sich die Politiker aller Landtagsfraktionen einig. Nur in der Umsetzung des Vorhabens gab es Meinungsverschiedenheiten im Plenum. Die Liberalen forderten, bilinguale Angebote vom Kindergarten über die Grundschule bis zu den weiterführenden Schulen des Landes auszuweiten. Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) lehnte dies mit Blick auf die Grundschulen ab: Für die flächendeckende Einführung des zweisprachigen Unterrichts in den ersten beiden Schuljahren " fehlen einfach die Voraussetzungen im Land", beschied die Ministerin. Es gebe nicht genügend qualifizierte Grundschullehrer. Die große Koalition wolle daher in den Grundschulen ab der dritten Klasse das Fach Englisch einführen.

Erdsiek-Rave betonte zudem, dass zusätzlich die Möglichkeit bestehen soll, den Heimat- und Sachkundeunterricht sowie zusätzliche Arbeitsgemeinschaften englischsprachig anzubieten. Die Landesregierung wolle hierzu eine Richtlinie auf den Weg bringen. Auch die Fraktionen von CDU und SPD sprachen sich gegen einen kompletten zweisprachigen Unterricht in den ersten beiden Grundschuljahren aus und unterstützten per Antrag das Vorhaben der Landesregierung.

Hintergrund des FDP-Antrages ist eine bilinguale Kindertagesstätte in Pinneberg, in der auf Elternwunsch eine bilinguale Grundschulklasse geschaffen werden soll. Ekkehard Klug (FDP), der dieses Vorhaben unterstützte, setzte den Kostenbedenken der Regierung entgegen, dass "ein bilinguales Konzept auf Dauer nicht teurer sondern billiger" sei, da keine zusätzlichen Unterrichtsstunden entstünden. Generell, so Klug, "sind bilinguale Bildungsangebote dem herkömmlichen Fremdsprachenunterricht so überlegen wie der ICE der guten alten Bummelbahn". Oppositionskollegin Monika Heinold (Grüne), die den FDP-Antrag unterstützte und ihn "eine gute Ergänzung zum klassischen Fachunterricht" nannte, forderte die Landesregierung vergeblich auf: "Gehen sie mit uns den gemeinsamen Weg in ein mehrsprachiges Europa!"

SPD warnt vor "Exklusiv-Veranstaltung für Kinder"

Die Christdemokratin Heike Franzen gab zu bedenken, dass die Muttersprache nicht vernachlässigt werden dürfe. Auch sei ein bilinguales Konzept im Kindergarten nur dann sinnvoll, wenn "qualifiziertes Personal" vorhanden sei. In der Grundschule könne solch ein Konzept mit Hilfe von Projekten fortgeführt werden. Henning Höppner (SPD) hob hervor, dass zusätzliche Sprachangebote von so genannten "Native Speakers" oder von Lehrern mit längerem Auslandsaufenthalt gemacht werden könnten. Allerdings dürfe dieses Angebot "keine Exklusiv-Veranstaltung für Kinder aus bilingualen Kitas sein".

Anke Spoorendonk vom SSW hob den Stellenwert der Minderheitensprachen Friesisch und Dänisch hervor und machte deutlich, dass nicht die Ausweitung bilingualer Bildungsangebote im Vordergrund stehen dürfe, sondern dass die Schaffung eines didaktischen Gesamtkonzepts hinsichtlich der Einführung des Fremdsprachenunterrichts wichtig sei. Ein entsprechender Änderungsantrag wurde angenommen.

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Hintergrund:
  Die FDP fordert die bessere Verzahnung bilingualer Bildungsangebote durch regionale Netzwerke. Ziel soll ein durchgängiges zweisprachiges Angebot vom Kindergarten über die Grundschulen bis zu den weiterführenden Schulen sein.
  In Schleswig-Holstein gibt es nach Angaben des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung rund 60 mehrsprachige Kitas. Der Norden belegt damit in der Rangliste der Bundesländer den dritten Platz hinter dem Saarland (90) und Rheinland-Pfalz (70). Während in diesen Ländern Französisch als zweite Sprache neben Deutsch vorherrscht, ist in Schleswig-Holstein Dänisch die am häufigsten vertretene Zweit-Sprache vor Englisch und Französisch. In den restlichen Bundesländern ist das bilinguale Angebot kaum entwickelt, so dass dem Institut zufolge insgesamt weniger als ein Prozent der Kitas in Deutschland mehrsprachig ist (Zahlen aus dem Dezember 2004).
  Die einzige bilinguale Grundschule im Lande befindet sich in Altenholz bei Kiel, wo Englisch in den meistern Fächern Unterrichtssprache ist. Spitzenreiter sind hier Berlin (20 mehrsprachige Grundschulen) und Bayern (19).
  In einem Änderungsantrag fordert der SSW, dass der besondere Wert des bilingualen Angebots in den hiesigen Minderheitensprachen betont wird.
  In einem nachgereichten Antrag unterstützen CDU und SPD ausdrücklich die Erweiterung des bilingualen Angebots, insbesondere die verbindliche Einführung des Englisch-Unterrichts an allen Grundschulen ab Klasse 3.

mehr Informationen: plenum-online, Dezember 2005
(www.sh-landtag.de/plenumonline/dezember2005/texte/09_kitagesetz.htm)
plenum-online,
Januar 2006
(www.sh-landtag.de/plenumonline/januar2006/texte/35_schulsystem.htm)

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