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Ab wann soll
bilingualer
Unterricht greifen?
FDP will mehr
Fremdsprachen-Angebote schon in Kitas / Schwarz-Rot plädiert für
Englisch ab der 3. Klasse
Kiel (SHL/24.02.)
Mehr Fremdsprachenunterricht schon für Schleswig-Holsteins
Knirpse? – Yes, please! Darin und in dem Nutzen des frühen
Erlernens von Fremdsprachen sind sich die Politiker aller
Landtagsfraktionen einig. Nur in der Umsetzung des Vorhabens gab
es Meinungsverschiedenheiten im Plenum. Die Liberalen forderten,
bilinguale Angebote vom Kindergarten über die Grundschule bis zu
den weiterführenden Schulen des Landes auszuweiten.
Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) lehnte dies mit Blick
auf die Grundschulen ab: Für die flächendeckende Einführung des
zweisprachigen Unterrichts in den ersten beiden Schuljahren "
fehlen einfach die Voraussetzungen im Land", beschied die
Ministerin. Es gebe nicht genügend qualifizierte
Grundschullehrer. Die große Koalition wolle daher in den
Grundschulen ab der dritten Klasse das Fach Englisch einführen.
Erdsiek-Rave betonte
zudem, dass zusätzlich die Möglichkeit bestehen soll, den
Heimat- und Sachkundeunterricht sowie zusätzliche
Arbeitsgemeinschaften englischsprachig anzubieten. Die
Landesregierung wolle hierzu eine Richtlinie auf den Weg bringen.
Auch die Fraktionen von CDU und SPD sprachen sich gegen einen
kompletten zweisprachigen Unterricht in den ersten beiden
Grundschuljahren aus und unterstützten per Antrag das Vorhaben
der Landesregierung.
Hintergrund des
FDP-Antrages ist eine bilinguale Kindertagesstätte in Pinneberg,
in der auf Elternwunsch eine bilinguale Grundschulklasse
geschaffen werden soll. Ekkehard Klug (FDP), der dieses Vorhaben
unterstützte, setzte den Kostenbedenken der Regierung entgegen,
dass "ein bilinguales Konzept auf Dauer nicht teurer sondern
billiger" sei, da keine zusätzlichen Unterrichtsstunden
entstünden. Generell, so Klug, "sind bilinguale
Bildungsangebote dem herkömmlichen Fremdsprachenunterricht so überlegen
wie der ICE der guten alten Bummelbahn". Oppositionskollegin
Monika Heinold (Grüne), die den FDP-Antrag unterstützte und ihn
"eine gute Ergänzung zum klassischen Fachunterricht"
nannte, forderte die Landesregierung vergeblich auf: "Gehen
sie mit uns den gemeinsamen Weg in ein mehrsprachiges
Europa!"
SPD warnt vor
"Exklusiv-Veranstaltung für Kinder"
Die Christdemokratin
Heike Franzen gab zu bedenken, dass die Muttersprache nicht
vernachlässigt werden dürfe. Auch sei ein bilinguales Konzept im
Kindergarten nur dann sinnvoll, wenn "qualifiziertes
Personal" vorhanden sei. In der Grundschule könne solch ein
Konzept mit Hilfe von Projekten fortgeführt werden. Henning Höppner
(SPD) hob hervor, dass zusätzliche Sprachangebote von so
genannten "Native Speakers" oder von Lehrern mit längerem
Auslandsaufenthalt gemacht werden könnten. Allerdings dürfe
dieses Angebot "keine Exklusiv-Veranstaltung für Kinder aus
bilingualen Kitas sein".
Anke Spoorendonk vom
SSW hob den Stellenwert der Minderheitensprachen Friesisch und Dänisch
hervor und machte deutlich, dass nicht die Ausweitung bilingualer
Bildungsangebote im Vordergrund stehen dürfe, sondern dass die
Schaffung eines didaktischen Gesamtkonzepts hinsichtlich der Einführung
des Fremdsprachenunterrichts wichtig sei. Ein entsprechender Änderungsantrag
wurde angenommen.
Hintergrund:
Die FDP fordert die
bessere Verzahnung bilingualer Bildungsangebote durch
regionale Netzwerke. Ziel soll ein durchgängiges
zweisprachiges Angebot vom Kindergarten über die
Grundschulen bis zu den weiterführenden Schulen sein.
In Schleswig-Holstein gibt es nach Angaben des
Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische
Forschung rund 60 mehrsprachige Kitas. Der Norden belegt
damit in der Rangliste der Bundesländer den dritten Platz
hinter dem Saarland (90) und Rheinland-Pfalz (70).
Während in diesen Ländern Französisch als zweite
Sprache neben Deutsch vorherrscht, ist in
Schleswig-Holstein Dänisch die am häufigsten vertretene
Zweit-Sprache vor Englisch und Französisch. In den
restlichen Bundesländern ist das bilinguale Angebot kaum
entwickelt, so dass dem Institut zufolge insgesamt weniger
als ein Prozent der Kitas in Deutschland mehrsprachig ist
(Zahlen aus dem Dezember 2004).
Die einzige bilinguale Grundschule im Lande
befindet sich in Altenholz bei Kiel, wo Englisch in den
meistern Fächern Unterrichtssprache ist. Spitzenreiter
sind hier Berlin (20 mehrsprachige Grundschulen) und
Bayern (19).
In einem Änderungsantrag fordert der SSW, dass der
besondere Wert des bilingualen Angebots in den hiesigen
Minderheitensprachen betont wird.
In einem nachgereichten Antrag unterstützen CDU
und SPD ausdrücklich die Erweiterung des bilingualen
Angebots, insbesondere die verbindliche Einführung des
Englisch-Unterrichts an allen Grundschulen ab Klasse 3.
mehr Informationen: plenum-online,
Dezember
2005
(www.sh-landtag.de/plenumonline/dezember2005/texte/09_kitagesetz.htm)
plenum-online, Januar
2006
(www.sh-landtag.de/plenumonline/januar2006/texte/35_schulsystem.htm)
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