|
Palliativmedizin:
Land soll
Vorreiterrolle einnehmen
Ambulante
Versorgung soll ausgebaut werden
Kiel (SHL/23.02.) Landtag
und Landesregierung haben erneut das gemeinsame Ziel
unterstrichen, Schleswig-Holstein zum "Vorreiter" im
Bereich der Palliativmedizin auszubauen. Die Palliativmedizin beschäftigt
sich mit der auf Schmerzlinderung bedachte Sterbebegleitung bei
unheilbar kranken Menschen. Schleswig-Holstein liege auf diesem
Gebiet im Bundesvergleich bereits weit vorne, sagte
Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) bei der Vorstellung eines
entsprechenden Regierungsberichts. Dennoch gebe es noch viel zu
tun, etwa bei der Aus- und Fortbildung von Ärzten und Pflegepersonal.
Und: Die Öffentlichkeitsarbeit müsse verbessert werden, etwa
durch eine "Woche der Palliativmedizin", so Trauernicht.
Dem Bericht zufolge schneidet der Norden im Ländervergleich bei der Palliativmedizin und
der Hospizversorgung relativ gut ab. Mit 23 stationären Hospizbetten
je 1 Million Einwohner werde der Bundesdurchschnitt (15) deutlich übertroffen.
Einigkeit herrschte im
Plenum auch darüber, dass die würdige Sterbebegleitung in jedem
Fall der aktiven Sterbehilfe vorzuziehen sei. Alle Redner sprachen
sich zudem für den Ausbau so genannter ambulanter "Care-Teams"
aus, die das Sterben in gewohnter heimischer Umgebung ermöglichen
und überflüssige und belastende Krankenhauseinweisungen
vermeiden können.
Die FDP forderte
die Landesregierung in diesem Zusammenhang auf, sich um Gelder aus
einem Sechs-Millionen-Förderprogramm der Deutschen Krebshilfe zur
Einrichtung einer Stiftungsprofessur im Bereich Palliativmedizin
zu bewerben. Dies soll nun in den Ausschüssen für Soziales und
Bildung geprüft werden.
Laut dem Regierungsbericht gibt es
in Schleswig-Holstein vier Palliativstationen (im Kieler
Uni-Klinikum, im Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster, im St.
Elisabeth-Krankenhaus Eutin sowie im Katharinen-Hospiz in
Flensburg) mit insgesamt 37 Betten. Zudem kümmern sich 160 haupt-
und ehrenamtliche Mitarbeiter in fünf stationären
Hospiz-Einrichtungen in Rendsburg, Lübeck, Elmshorn, Geesthacht
und Kiel mit insgesamt 65 Plätzen um Sterbenskranke. Daneben gibt
es 38 ambulante Hospiz-Gruppen.
Weitere Stimmen aus der Debatte:
Heiner Garg (FDP): Die
Ausschreibung einer Stiftungsprofessur ist eine Chance für die
Landesregierung, Forschung und Lehre in diesem Bereich
voranzutreiben sowie den Hochschul- und den Gesundheitsstandort zu
stärken. Der Norden hat bereits einen Forschungs-Fortschritt, den
es auszubauen gilt.
Ursula Sassen (CDU):
Palliativmedizin verlangt einen hohen persönlichen Einsatz der
Pfleger und Ärzte wie auch der ehrenamtlichen Betreuer. Wichtig
ist dabei, die unterschiedlichen Erfahrungen und Schwerpunkte der
verschiedenen Berufsgruppen einfließen zu lassen und daraus mit
dem Patienten und den Angehörigen ein individuelles
Behandlungsziel für jeden Patienten zu finden.
Jutta Schümann
(SPD): Das frühere Neben- und Gegeneinander von
Hospizbewegung und Palliativversorgung ist durch das Zusammengehen
in einen gemeinsamen Hospiz- und Palliativverband in
Schleswig-Holstein aufgehoben. Das Land soll per
Bundesratsinitiative eine Neuregelung des Sozialgesetzbuch V im
Hinblick auf die Finanzierung der ambulanten Palliativversorgung
auf den Weg bringen.
Monika Heinold (Grüne): Nach
wie vor sterben die meisten Menschen in Krankenhäusern –
zumeist allein. Deshalb sollte es an allen Krankenhäusern
Palliativstationen geben, wo geschulte Mitarbeiter die Patienten
in einer angemessenen Atmosphäre betreuen. Und: bei der
Rechtsverbindlichkeit von Patientenverfügungen zum Verzicht auf
bestimmte lebensverlängernde Maßnahmen muss schnell Klarheit im
Sinne der Patienten geschaffen werden.
Lars Harms (SSW): Im
palliativmedizinischen Bereich gibt es einen noch nicht gedeckten
Bedarf an der Westküste. Die Landesregierung muss sich für ein
solches Angebot im Klinikum Nordfriesland in Husum einsetzen.
Landesweit gibt es noch weitere Baustellen. So sollte versucht
werden, Synergieeffekte zwischen Angeboten der Palliativmedizin
und der allgemeinen Schmerztherapie zu schaffen.
Hintergrund:
Auf Initiative aller Landtagsparteien berichtet
die Landesregierung über die Palliativmedizin und die
Hospiz-Versorgung im Lande. Zudem behandelt das Plenum
einen FDP-Antrag zum Thema. Palliativmedizin ist
Sterbe-Begleitung – die Schmerz-Linderung bei Patienten
mit einer nicht heilbaren, weit fortgeschrittenen
Erkrankung und einer geringen Lebenserwartung. Nach
Angaben der Landesergierung gibt es in Schleswig-Holstein
vier Palliativstationen (im Kieler Uni-Klinikum, in
Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster, im St.
Elisabeth-Krankenhaus Eutin sowie im Katharinen-Hospiz in
Flensburg) mit insgesamt 37 Betten. Zudem kümmern sich
fünf stationäre Hospiz-Einrichtungen in Rendsburg,
Lübeck, Elmshorn, Geesthacht und Kiel mit insgesamt 65
Plätzen um Sterbenskranke. Daneben gibt es 38 ambulante
Hospiz-Gruppen.
Das Sozialministerium weist darauf hin, dass die
Palliativmedizin bei der Ärzte-Ausbildung an den Unis in
Kiel und Lübeck sowie bei der Forschung am
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein berücksichtigt
wird. Zudem ist der Sterbebegleitung im Rahmen der
Pfleger-Ausbildung 2004 ein größerer Raum gegeben
worden. Das Ansinnen, im Lande eine eigene Professur mit
diesem Schwerepunkt einzurichten, hält die
Landesregierung jedoch aus finanziellen Gründen für
"wenig Erfolg versprechend".
Der Forderung nach einer schleswig-holsteinischen
Bundesratsinitiative für eine gesetzliche Regelung von
Patientenverfügungen erteilt die Landesregierung
ebenfalls eine Absage. Hier seien viele Grundsatzfragen
noch umstritten, so dass ein solches Papier nach Ansicht
der Regierung wenig Aussicht auf Erfolg hätte. Vor diesem
Hintergrund fordern die Liberalen die Landesregierung auf,
sich um Gelder aus einem Förderprogramm der Deutschen
Krebshilfe zur Einrichtung von Stiftungsprofessuren und
zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen universitären
und außeruniversitären palliativmedizinischen
Einrichtungen zu bewerben.
Das Thema "Sterbehilfe" ist im letzten
Jahr durch die Aktivitäten der Schweizer
Sterbehilfe-Organisation "Dignitas" in
Deutschland verstärkt ins öffentliche Interesse
gerückt.
mehr Informationen: plenum-online,
November
2005
(www.sh-landtag.de/plenumonline/november2005/
texte/26_27_palliativmedizim_arzneimittel.htm)
|
|