Auf dieser Seite: Armutsbekämpfung

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Landesbericht zur Armutsbekämpfung in Schleswig-Holstein
Antrag der Fraktion Bündnis 90 / DIE GRÜNEN
Änderungsantrag der Abgeordneten des SSW – Drs. 16/611
Antrag der Fraktionen von CDU und SPD – Drs. 16/615
Drucksache: 16/595neu
-Plenarprotokoll-

Thesen zur Bekämpfung der Armut spaltet Plenum

FDP kritisiert Häufung der Berichtsanträge im Landtag

Kiel (SHL). Fraktionsübergreifend Einigkeit herrschte im Plenum darüber, dass Lösungen gegen die Armut in Schleswig-Holstein gefunden werden müssen. Schwer taten sich die Fraktionen allerdings in der Frage der Umsetzung. CDU und SPD lehnten mit ihrer Mehrheit Anträge von den Grünen und dem SSW ab, die von der Landesregierung konkrete Handlungspläne in Form eines Landesarmutsberichts verlangten. Schwarz-Rot seinerseits brachte schließlich einen eigenen Antrag durch, der sich ausschließlich auf den Bereich der Kinderarmut bezieht: So soll die Regierung in der März-Tagung mündlich über verschiedene Aspekte zu diesem Thema berichten.

Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) gestand ein, dass es zu dem Thema Armut "keine einfachen Antworten" gebe. Ein Schlüsselthema müsse jedoch die Kinderarmut sein. Deutschland könne sich eine Gesellschaft nicht leisten, "in der Familien über Generationen hinweg ohne Arbeit im Sozialgeldbezug leben müssen", betonte auch der CDU-Abgeordnete Torsten Geerdts. "Die früh einsetzende Spirale von Armut muss durchbrochen werden", fügte seine SPD-Kollegin, Siegrid Tenor-Alschausky, hinzu. Für Heiner Garg (FDP) bieten Bildung und bessere Bildungsangebote die beste Möglichkeit, den "Teufelskreis der Armut" zu durchbrechen. Zugleich kritisierte der Liberale, die Häufung der Berichtsanträge im Plenum.

Die Grünen-Abgeordnete Monika Heinold verteidigte den Antrag ihrer Fraktion damit, dass hungernde Kinder "eine Schande für die Gesellschaft" seien. Deshalb sei es wichtig zu klären, warum bisherige Initiativen der Bundesregierung nicht die gewünschten Erfolge gebracht hätten. Lars Harms vom SSW forderte abschließend dazu auf, sich in Schleswig-Holstein "auf das für uns Machbare zu konzentrieren".

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Hintergrund:
  Die Grünen fordern von der Landesregierung einen Armutsbericht für Schleswig-Holstein und bitten den Landtag, die Kampagne "Gemeinsam gegen Kinderarmut" zu unterstützen, die verschiedene Wohltätigkeitsverbände unter Schirmherrschaft der ehemaligen Ministerpräsidentin und jetzigen UNICEF-Deutschland-Chefin Heide Simonis ins Leben gerufen haben.
  Nach einer Definition der Europäischen Union aus dem Jahr 2001 gelten in den Mitgliedsländern der EU diejenigen als arm, die über weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verfügen. Folge von Armut ist neben materieller Unterversorgung, die gesundheitliche Schäden wie Fehl- oder Mangelernährung verursachen kann, auch fehlende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Auch Bezieher einer Grundsicherungsleistung (Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II) können unter die 60-Prozent-Grenze rutschen. In Schleswig-Holstein leben nach Angaben des Sozialministeriums etwa 64.000 Kinder unter 15 Jahren von staatlicher Unterstützung. Das sind knapp 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen
  Zu dieser so genannten "bekämpften Armut" kommt noch die "verdeckte Armut" von Personen, die einen Anspruch auf eine Grundsicherungsleistung hätten, diesen aber nicht geltend machen. Schätzungen von Sozialwissenschaftlern zufolge leiden rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland an verdeckter Armut.
  Das Forschungsinstitut Sozial-Ökonomisches Panel geht davon aus, dass 13,1 Prozent der Haushalte in Deutschland unter Armutsbedingungen leben. Bei Alleinerziehenden mit zwei oder mehr Kindern ist die Quote besonders hoch (58,5 Prozent).
   In einem Änderungsantrag fordert der SSW von der Landesregierung, dass der Bericht auch einen konkreten Handlungsplan zur Bekämpfung der Armut im Land im Rahmen der Landeskompetenzen beinhaltet. Auch die regierungstragenden Fraktionen von CDU und SPD unterstützen den Berichtsantrag.

mehr Informationen: plenum-online, Juni 2004
(www.sh-landtag.de/plenumonline/juni2004/
texte/14_34_psychiatrie_grundsicherung.htm)

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