Kiel (SHL/23.02.). Mit den Stimmen von
Schwarz-Rot hat der Landtag die Landesregierung aufgefordert, bis
zur Tagung Anfang Mai einen schriftlichen Bericht zum Thema "Wohnen
im Alter" vorzulegen. CDU und SPD wollen unter anderem
wissen, mit welchen ressortübergreifenden Strategien das
schwarz-rote Kabinett die Schleswig-Holsteinischen Kommunen
unterstützen will, um den Lebens- und Wohnbedürfnissen der
steigenden Zahl älterer Menschen gerecht zu werden und wie
barrierefreie Wohnformen realisiert werden können.
Ein inhaltlich ähnlich gelagerter Antrag der
Opposition von FDP, Grünen und SSW mit dem Titel "Wohnen
im Alter und bei Pflegebedürftigkeit" wurde dagegen
abgeschmettert. CDU und SPD machten an der Vorlage eine "Gleichsetzung"
der Begriffe aus. Dies sei "stigmatisierend", hieß es
im regierungstragenden Lager, da viele ältere Menschen, die
Interesse an einer barrierefreien Wohnung hätten, von Pflege
nichts würden wissen wollen. Die Opposition konnte der
Argumentation nicht folgen: Beides – Wohnen und Pflege – seien
nicht voneinander zu trennen. Ältere Menschen würden, auch wenn
sie pflegebedürftig werden, in ihren eigenen vier Wänden
verbleiben wollen.
Prognosen zufolge werden in Schleswig-Holstein im
Jahr 2015 rund 131.000 über 80-Jährige leben. Das wären 32.000
Personen dieser Altersgruppe mehr als 1999. Auch die Zahl der
über 60-Jährigen dürfte erheblich steigen: Waren es 1999 noch
633.000 Menschen in diesem Alter, werden es im Jahre 2015 wohl
rund 753.000 sein. Vor diesem Hintergrund kreist die öffentliche
Diskussion um die Frage, wie der wachsenden Zahl der Senioren je
nach Grad körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit ein
möglichst optimales Wohn- und Lebensumfeld geboten werden kann.
Ein neues Modell jenseits der gängigen Altenheime sind
beispielsweise Generationen übergreifende Wohnprojekte.
Stimmen aus dem Plenum:
Torsten Geerdts (CDU): Die ältere
Generation verlangt nach Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und
zwar im Zentrum der Städte. Das ist auch eine Chance für die
Innenstädte.
Siegrid Tenor-Alschausky (SPD): "Wohnen
im Alter" ist ein echtes Zukunftsthema. Denn die Gruppe der
über 60-Jährigen wird bis zum Jahr 2050 bundesweit von derzeit
einem Viertel der Gesamtbevölkerung auf mehr als 30 Prozent
anwachsen.
Heiner Garg (FDP): Es geht nicht nur um
immer mehr Wohnraum für ältere Menschen. Es geht um das "Zuhause".
Und ",Zuhause", das ist Geborgenheit, das ist zu wissen,
wo man hingehört.
Monika Heinold (Grüne): "Pflege"
und "Wohnen im Alter" sind nicht voneinander zu trennen.
Die Menschen wollen auch dann in ihren vier Wänden bleiben, wenn
sie pflegebedürftig werden. Es gilt deshalb, neue Wohnformen mit
hohem Pflegeanteil zu fördern.
Lars Harms (SSW): Auch das Altenparlament
fordert die Förderung alternativer Wohnangebote. Dazu zählen zum
Beispiel genossenschaftliche Modelle des Zusammenlebens oder
Alterswohngemeinschaften.
Wohnungsbauminister Ralf Stegner (SPD): Der
Anteil der Senioren wird 2030 um 42 Prozent höher liegen als
heute. Das bedeutet: Schleswig-Holstein ist auf dem Weg zu einer
Gesellschaft eines langen Lebens. Wenn die Städte den damit
zusammenhängenden demografischen Wandel nutzen wollen, brauchen
sie altengerechte Wohnangebote.