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Zukunftsfähige Energiepolitik für Schleswig-Holstein
Landtagsbeschluss vom 16. Dezember 2005 – Drs. 16/224 und 16/413
Federführend ist das Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr
Drucksache: 16/581
-Plenarprotokoll-

Windenergie soll
Flügel wachsen

Schwarz-Rot setzt auf Off-Shore-Windparks und Energiemix / Opposition vermisst konkrete energiepolitische Pläne

Kiel (SHL/24.02.). Mit harscher Kritik hat die Opposition auf die energiepolitischen Pläne der Landesregierung reagiert. Außer "wolkigen" Absichtserklärungen, so die Grünen, habe das schwarz-rote Kabinett nichts in Richtung einer konkreten Umsetzung zu bieten. Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) hatte zuvor auf Basis eines von CDU und SPD beantragten, schriftlichen Berichtes angekündigt, in Zukunft auf einen Mix aus regenerativer und herkömmlicher Energie setzen zu wollen. Als Schwerpunkte nannte der Minister unter anderem die Förderung von Off-Shore-Windparks und den Bau von Kohlekraftwerken.

Austermann warf der Opposition zugleich vor, eine dirigistische Energiepolitik zu verfolgen und sich den marktwirtschaftlichen Prinzipien zu widersetzen. Er sehe gute Perspektiven für die Windenergie und die Biomasse. Die Genehmigungen für die geplanten Off-Shore-Windparks seien erteilt und die für die Kabelverlegungen absehbar. Außerdem fördere Schleswig-Holstein die Forschung für die Umwandlung von Windstrom in Wasserstoff.

Mit Ausnahme der CDU-Fraktion begrüßte das Plenum insbesondere das im Koalitionsvertrag enthaltene Festhalten der Landesregierung an der Bundesgesetzgebung zum Atomausstieg. Die Christdemokraten plädieren im Zuge eines möglichen Energieengpasses für eine Änderung des Gesetzes. Der SSW vermisste in dem Bericht der Landesregierung ein Konzept zur Einsparung und effizienteren Nutzung von Energie.

Der Bericht der Landesregierung wurde federführend an den Wirtschaftsausschuss und mitberatend an den Agrar- und Umweltausschuss überwiesen.

Stimmen aus dem Plenum:

Manfred Ritzek (CDU): Entscheidend für die Zukunft ist die Entwicklung der regenerativen Energie. Sie soll und muss unsere Energiebilanz von Abhängigkeiten befreien. Dafür muss das Land allerdings noch einen langen und kostenintensiven Weg gehen.

Konrad Nabel (SPD): Der Atomausstieg ist unumkehrbar. Der Klimawandel fordert eine innovative Energiepolitik auf drei Säulen. Es geht darum Ressourcen einzusparen, eine größere Effizienz zu erreichen und die erneuerbare Energien zu fördern.

Heiner Garg (FDP): Der vorliegende Bericht bietet vor allem Statistiken, aber Statistik kann die Politik, die verfolgt wird, nicht ersetzen. Auf 23 Seiten befasst keine ganze Seite mit der energiepolitischen Zukunft des Landes.

Klaus Müller (Grüne): Die Branche für erneuerbare Energien weist ein gehöriges Wachstumspotential auf und sie schafft Arbeitsplätze. Zur Zeit sind rund 160.000 Menschen in diesem Bereich beschäftigt.

Lars Harms (SSW): Der Ausfall der Atomenergie ist nicht durch erneuerbare Energie zu kompensieren. Ein Energiemix ist deshalb notwendig. Dazu gehört auch das Einsparen von Energie und die Effizienzsteigerung. Darauf geht der Bericht leider nicht ein.

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Hintergrund:
  Auf Initiative von Schwarz-Rot berichtet die Landesregierung über ihren zukünftigen energiepolitischen Schwerpunkte. Einige Aspekte:
  Windenergie: In Schleswig-Holstein sind 11.906 Hektar und damit 9,75 Prozent der Landesfläche als Windparks ausgeschrieben. Hier sind 2.608 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 2.100 Megawatt installiert. Damit können, so der Bericht, rechnerisch 30 Prozent der im Lande benötigten Strommenge erzeugt werden. Gehen die sechs in der Nordsee genehmigten Offshore-Windparks in Betrieb, kann dieser Wert auf über 100 Prozent steigen. Die Landesregierung betrachtet die Windenergie zudem als Beitrag zum Klimaschutz und zur Stärkung der Wirtschaftsstruktur an der Westküste und kündigt an, "auch in Zukunft den Ausbau der Windenergienutzung mit Augenmaß zu unterstützen".
  Kernenergie: Laut Bericht wurden 2002 rund 73,7 Prozent der Brutto-Stromerzeugung im Lande in Atomkraftwerken produziert. Das Wirtschaftsministerium betont die Einigung im schwarz-roten Koalitionsvertrag, dass Schleswig-Holstein keine Initiativen zur Aufkündigung des im Atomkonsens von 2002 festgelegten Ausstiegs aus dieser Energie-Art unternehmen werde. Es sei aber "abzuwarten", heißt es im Bericht, wie sich die Abwicklung der Kernenergie "im Strompreis von Einzelkunden und Wirtschaft abbildet".
  Weitere regenerative Energien: Bioenergie, gewonnen aus Holzresten, Stroh, Mais, Raps oder Gülle, könnte im Jahr 2010 dem Bericht zufolge 13 Prozent des Energieverbrauchs im Lande abdecken. Zurzeit ist es ein Prozent. Die Solarenenergie wird vom Bund im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und des 100.000 Dächer-Programms gefördert. Im Lande gibt es rund 10.000 Solar-Thermieanlagen und 1.300 Fotovoltaik-Anlagen. Im Bereich Erdwärme spricht sich die Landesregierung vor allem für die Nutzung der oberflächennahen Geothermie bis zu 100 Meter Tiefe aus.
  Kraft-Wärme-Kopplung (KWK): Durch KWK, also die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme, ist dem Bericht zufolge eine Energieeinsparung von bis zu 40 Prozent möglich. Das Land will deshalb den Bau solcher Anlagen im Rahmen des Schleswig-Holstein-Fonds fördern.
  Kohle/Gas: "Die Landesregierung unterstützt die Ansiedlung neuer Kohle- und/oder Gaskraftwerke", heißt es in dem Bericht. Steinkohle hat 2002 einen Anteil von 15,1 Prozent an der schleswig-holsteinischen Stromerzeugung gehabt, bei Erdgas waren es 0,7 Prozent.

mehr Informationen: plenum-online, November 2005
(www.sh-landtag.de/plenumonline/november2005/
texte/10_18_energie_atomkraft.htm)

plenum-online,
August 2005
(www.sh-landtag.de/plenumonline/august2005/texte/16_energiepolitik.htm)

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