Auf dieser Seite: Giftmüll

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Dringlichkeit:
Kein australischer Giftmüll nach Brunsbüttel 
Antrag der Fraktion Bündnis 90 / DIE GRÜNEN
Drucksache: 16/1238
-Plenarprotokoll-

Giftmüll-Import beschäftigt
den Landtag

HCB aus Australien soll in
Dithmarschen entsorgt werden

Kiel (SHL/21.02.) Die Entsorgung hochgiftiger Stoffe wie Hexachlorbenzol (HCB) in deutschen Müllverbrennungsanlagen ist rechtmäßig. Darauf haben Vertreter aller Landtagsparteien hingewiesen.  Sie bezogen sich damit auf einen Dringlichkeitsantrag der Grünen, indem sich die Oppositionspartei für einen Importstopp von Chemikalien der australischen Firma Orica aussprach. Der Hersteller von Chemie- und Sprengstoffmitteln möchte in Deutschland rund 22.000 Tonnen des HCB-Giftes entsorgen, ein Drittel davon in einer Müllverbrennungsanlage in Brunsbüttel (Dithmarschen). Gleichwohl drängten die Abgeordneten in der Debatte parteiübergreifend auf eine Entsorgung vor Ort, also in Australien. 

Das Umweltministerium hat das Genehmigungsverfahren für die Anlandung des Giftmülltransportes in Brunsbüttel unterdessen gestoppt: Die australische Firma muss nachweisen, dass es auf dem fünften Kontinent keine Möglichkeit zur sachgerechten Entsorgung gibt. In diesem Zusammenhang verwies Umweltminister Christian von Boetticher (CDU) auf das "Baseler Übereinkommen über die Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung" aus dem Jahr 1989. Darin wird unter anderem gefordert, Giftmüll im eigenen Land zu verbrennen.

Verständnis für Proteste in Dithmarschen

"Deutsche Entsorgungsunternehmen bemühen sich bei internationalen Ausschreibungen um solche Aufträge", unterstrich von Boetticher jedoch nachdrücklich die Rechtsmäßigkeit des Vorganges seitens des Entsorgungs-Unternehmens in Brunsbüttel. Da es das Know-how besitze, sei dagegen auch nichts einzuwenden. Besser als der Transport von Giftmüll über 16.000 Kilometer sei allerdings ein "Technologietransfer". 

Gleichwohl warnte Detlef Matthiessen von den Grünen vor hohen Risiken für die heimische Umwelt: "Durch die Verbrennung von Hexachlorbenzol (HCB) kann Dioxin entstehen". Vor diesem Hintergrund äußerte er Verständnis für die sich in Dithmarschen regenden Proteste gegen diese Form des "globalen Mülltourismus".

Der Müll-Import nach Deutschland hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Wegen großer Überkapazitäten versuchen deutsche Verbrennungsanlagen in der ganzen Welt giftige Abfälle wie Industrieschlämme, Pestizide oder Lösemittel zu akquirieren, um sie in Deutschland zu verbrennen. Seit dem Jahr 2000 hat sich Medienberichten zufolge die jährliche Einfuhr gefährlicher Stoffe nach Deutschland auf mehr als zwei Millionen Tonnen verdreifacht.

Der Dringlichkeitsantrag wurde an den Umwelt- und Agrarausschuss überwiesen.

Weitere Stimmen aus dem Plenum:

Axel Bernstein (CDU): Der Antrag geht ins Leere. Denn es handelt sich um ein laufendes Verwaltungsverfahren und nicht um eine politische Entscheidung. 

Olaf Schulze (SPD): Dass der Müll von Australien nach Brunsbüttel gebracht werden muss, hat einen schlechten Beigeschmack – weil Australien kein Entwicklungsland ist.

Günther Hildebrand (FDP): Es ist wünschenswert, dass die Industrieländer eigene Anlagen bauen. China plant genau aus diesem Grund Anlagen vor Ort – mit deutschem Know-how. Das ist der Idealfall.

Lars Harms (SSW): Es gibt keine rechtliche Handhabe gegen diese Art von Mülltourismus.

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Hintergrund:
   Die Grünen fordern den Landtag in einem Dringlichkeitsantrag auf, den geplanten Import von großen Mengen Giftmüll aus Australien nach Deutschland abzulehnen. Schleswig-Holsteins Umweltministerium hat unterdessen angekündigt, den Transport vorläufig zu untersagen: „Wir haben das Genehmigungsverfahren für die Anlandung des Giftmülltransportes in Brunsbüttel gestoppt. Das heißt, die Schiffe mit dem Giftmüll dürfen noch nicht einmal in Australien starten", sagte der Sprecher des Ministeriums, Christian Seyfert, laut einem Zeitungsbericht.
  Der australische Chemie- und Sprengstoffhersteller Orica will 22.000 Tonnen Abfälle vom fünften Kontinent, die mit dem hochgiftigen Stoff Hexachlorbenzol (HCB) belastet sind, in den kommenden Monaten nach Deutschland verbringen. Der Abfall soll zum Teil in Brunsbüttel verbrannt beziehungsweise auf Sonderdeponien gelagert werden. Das krebserregende HCB ist seit 1981 als Pflanzenschutzmittel in Deutschland nicht mehr zugelassen und seit 2004 weltweit verboten. Die Grünen sehen eine Gefahr für die Bevölkerung und fordern die Einhaltung des "Baseler Übereinkommens über die Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung" aus dem Jahr 1989. Darin wird unter anderem gefordert, Giftmüll im eigenen Land zu verbrennen.
  Der Müll-Import nach Deutschland hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Wegen großer Überkapazitäten versuchen deutsche Verbrennungsanlagen, in der ganzen Welt giftige Abfälle wie Industrieschlämme, Pestizide oder Lösemittel zu akquirieren, um sie in Deutschland zu verbrennen. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat sich in einem Interview positiv zu diesem Trend geäußert: Deutschland übernehme mit seinen sehr guten Anlagen zur Sondermüllverbrennung ein Stück umweltpolitische Verantwortung. Es sei besser, das Gift hier zu verbrennen als es irgendwo auf der Welt unsachgemäß zu lagern, so der Minister. Seit dem Jahr 2000 hat sich Medienberichten zufolge die jährliche Einfuhr gefährlicher Stoffe nach Deutschland auf mehr als zwei Millionen Tonnen verdreifacht.

Stichwort: Dringlichkeit
 
Die Tagesordnung einer Landtagssitzung wird zwölf Tage vor Tagungsbeginn im Ältestenrat festgelegt. Ein Beratungsgegenstand, der nicht auf der Tagesordnung steht, kann nur dann kurzfristig eingeschoben werden, wenn der Landtag die Dringlichkeit feststellt. Dazu sind zwei Drittel der abgegebenen Stimmen nötig. Gleichzeitig mit der Abstimmung über die Dringlichkeit wird die Einordnung des Gegenstandes in die Tagesordnung vorgenommen.

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