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Landtag setzt
sich für kontrollierte Vergabe von Heroin ein
Trauernicht: "Ultima Ration nach
gescheiterten Therapiebesuchen"
Kiel (SHL/22.02.)
Unisono haben sich Regierungsfraktionen und Opposition für die
kontrollierte Vergabe von Heroin an Schwerstabhängige
ausgesprochen: Dies sei ein Akt der Menschlichkeit und sichere den
Betroffenen das Überleben, hieß es aus dem Plenum.
Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) bezeichnete die
kontrollierte Vergabe von Heroin als „Ultima Ratio nach
gescheiterten Therapiebesuchen". Anlass der Debatte war ein
Antrag des SSW, der dazu auffordert, per Bundesgesetz die
Behandlung von Süchtigen mit Diamorphin – einem synthetischen
Heroin – dauerhaft zu erlauben. Hintergrund des Vorstoßes
ist ein am 30. Juni auslaufendes Modellprojekt des Bundes, in dem
an rund 300 Schwerstabhängige kontrolliert der Heroinersatzstoff
ausgegeben wurde.
Der SSW forderte überdies von der Landesregierung eine
Bundesratsinitiative zum Thema. Der Antrag wurde zunächst an den
Sozialausschuss überwiesen.
"Deutschland ist bei weitem nicht das erste
europäische Land, in dem Diamorphin für die Behandlung von
Heroinabhängigen eingesetzt wird", begründete Lars
Harms (SSW) die Stoßrichtung. In Großbritannien, den
Niederlanden und der Schweiz seien bereits gute Erfahrungen damit
gemacht worden: Überall "konnte festgestellt
werden, dass der Gesundheitszustand, der psychische Zustand, die
Wohnsituation und die soziale Lage der Betroffenen sich
signifikant verbessert haben", so Harms.
"Diamorphin ist der
Methadonbehandlung überlegen", erkannte auch
Sozialministerin Trauernicht die Vorteile der Behandlung mit dem
synthetischen Heroin an. Die Kriminalität habe beim
Projektversuch abgenommen und die Zahl der
Beschäftigungsverhältnisse unter den Projektteilnehmern sei um
elf Prozent gestiegen. In der Debatte wurde allerdings darauf
hingewiesen, dass sich Bund und Länder inzwischen darauf geeinigt
haben, an die Teilnehmer des Modellprojekts auch nach dem 30. Juni
Diamorphin auszugeben. Vertreter von CDU und SPD sahen deshalb
keinen dringlichen Handlungsbedarf, zeigten sich aber
aufgeschlossen für eine Ausdehnung der Diamorphin-Therapie.
Im Rahmen des Suchtprojektes
erhalten Heroinsüchtige, bei denen zuvor alle Therapieversuche,
etwa mit Methadon, gescheitert sind, unter Aufsicht bis zu drei
Mal täglich kostenlos Diamorphin. Dafür besteht eine
Sondergenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und
Medizinprodukte. Hinzu kommen Gesundheitsuntersuchungen sowie eine
psychosoziale Betreuung.
Weitere Hauptredner:
Frauke Tengler (CDU), Peter Eichstädt
(SPD), Heiner Garg (FDP) , Angelika Birk (Grüne)
Hintergrund:
Schleswig-Holstein soll sich nach SSW-Forderung
im Bundesrat für eine dauerhafte gesetzliche Fortsetzung der kontrollierten
Heroinvergabe in mehreren deutschen Großstädten
einsetzen. Dieses Projekt sei " eine sinnvolle
Ergänzung der bestehenden Behandlungsangebote",
heißt es in dem Antrag. Eine stattliche Heroinvergabe
könne "die soziale und gesundheitliche Verelendung
der betroffenen Menschen vermeiden".
Hintergrund des Vorstoßes: Das Sonderprogramm des
Bundes zur Abgabe von synthetisch hergestelltem Heroin
(Diamorphin) an Süchtige läuft Ende Juni aus. Hierbei
erhalten Heroinsüchtige, bei denen zuvor alle
Therapieversuche, etwa mit Methadon, gescheitert sind,
unter Aufsicht bis zu drei Mal täglich kostenlos
Diamorphin. Dafür besteht eine Sondergenehmigung des
Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte.
Hinzu kommen Gesundheitsuntersuchungen sowie eine
psychosoziale Betreuung.
Momentan werden rund 300 Schwerstabhängige auf
diese Weise behandelt. Nach Angaben der Drogenbeauftragten
der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), sind bereits
24 Prozent der Patienten entweder zu einer
Abstinenztherapie oder zu anderen Substitutionsformen
übergegangen. Die beteiligten Großstädte Hamburg,
Hannover, Köln, Bonn, Frankfurt, Karlsruhe und München
haben sich für eine Fortsetzung der seit fünf Jahren
laufenden Modellprojekte eingesetzt.
Eine Fortsetzung war in letzter Zeit vor allem in
der CDU-Bundestagsfraktion in Frage gestellt worden. Es
soll aber Medienberichten zufolge in der vergangenen Woche
bei einem Spitzengespräch mit einigen
Unions-Ministerpräsidenten zu einer Lösung für einen
Erhalt des Heroin-Projekts bis 2009 gekommen sein. Eine
Ausweitung des Programms auf weitere Städte, wie unter
anderem vom Koalitionspartner SPD gefordert, soll es nach
Willen der Union aber nicht geben.
Auch gegen eine von den Sozialdemokraten
befürwortete Zulassung von Diamorphin als Medikament
sperrt sich die CDU-Fraktion. Hintergrund dieser
Forderung: Einer Studie des Hamburger Zentrums für
Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) zufolge soll sich
die Situation und der Gesundheitszustand der
Diamorphin-Patienten signifikant verbessert haben. So
seien bessere Ergebnisse erreicht worden als bei einer
Vergleichsgruppe, die zur selben Zeit mit Methadon
behandelt wurde.
Europaweit ist Diamorphin nach ZIS-Angaben nur in
den Niederlanden und in der Schweiz als Medikament zur
Behandlung Schwerstabhängiger zugelassen. In Spanien,
Belgien und Kanada laufen ähnliche Projekte wie in
Deutschland.
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