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Auf dieser Seite: Förderpläne für Gymnasien 

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Top 17:
Stoffpläne entrümpeln, individuelle Förderung stärken

Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Antrag der Fraktionen von CDU und SPD – Drs. 16/1911
Drucksache: 16/1852
-Plenarprotokoll-
       Aufruf gemeinsam mit
Top 21:
Förderung von Ganztagsangeboten an Gymnasien

Antrag der Fraktion der FDP
Drucksache: 16/1874

Schwarz-Rot beschwichtigt: Angst vor dem achtjährigen Abitur ist unbegründet

Opposition befürchtet mehr Lernstress und 
weniger Zeit für Hobbys

Kiel (SHL/28.2.) In der Debatte um das so genannte Turbo-Abi hat sich Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) gegen eine Straffung der Lehrpläne an den 99 Gymnasien im Lande ausgesprochen. Auch bei einem auf acht Jahre verkürzten Abitur (G8) müssten die Kernbereiche aller Fächer umfassend abgedeckt werden, da sonst die Qualitätsstandards nicht gehalten werden könnten, erklärte die Ministerin im Plenum. Sie widersprach damit einem Antrag der Grünen, die eine „Entrümpelung der Stoffpläne" gefordert hatten. Weitgehenden Zuspruch erhielten dagegen die Liberalen für ihre Forderung, den Ausbau von Ganztagsangeboten an Gymnasien voranzutreiben. Angaben des Bildungsministeriums zufolge sind derzeit 47 der 99 Gymnasien im Lande offene Ganztagsschulen mit Mittagstisch und Hausaufgabenhilfe.

In der Debatte um G8 griff die Opposition vor allem die Bedenken von Eltern und Schülern auf. Sie befürchten, dass das um ein Jahr verkürzte Abitur wesentlich mehr Lernstress und weniger freie Zeit für Hobbys mit sich bringt. Für die Vorsitzende des SSW im Landtag, Anke Spoorendonk, verstärke das Turbo-Abi damit sogar „ganz eindeutig die soziale Differenzierung". Schwache Schüler würden aus den Gymnasien verdrängt, weil sie den Unterrichtsstoff nicht mehr bewältigten. Es sei zu befürchten, so Spoorendonk, dass das System „noch mehr Schüler abschreckt oder behindert, den Abschluss überhaupt zu erreichen".

SPD: Gemeinschaftsschule ist eine Alternative

Die Regierungsfraktionen beschwichtigten. „Vor dem achtjährigen Abitur braucht niemand Angst zu haben", sagte Susanne Herold (CDU). Ein schnelleres Erreichen der allgemeinen Hochschulreife sei für die persönliche und berufliche Zukunft der Schüler schon deshalb wichtig, weil sich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt damit deutlich verbesserten. Überrascht reagierte Henning Höppner (SPD). In der Vergangenheit habe es „laufend" Kritik an der im internationalen Vergleich langen Schulzeit in Deutschland gegeben. Nun sei die Verkürzung auch nicht richtig. „Wenn Eltern jetzt die Befürchtung haben, dass ihr Kind den Belastungen von G8 nicht gewachsen ist, haben sie künftig mit der Gemeinschaftsschule eine Alternative", sagte Höppner.

Ministerin Erdsiek-Rave wies auf einen „Denkfehler" hin: Auch bei acht Jahren bis zum Abitur stünde die gleiche Zahl an Stunden zur Verfügung wie bei neun Jahren. Die Unterrichtszeiten würden nur ausgedehnt. Genau aus diesem Grund forderte der bildungspolitische Sprecher der FDP, Ekkehard Klug, mehr Lehrer, mehr Räume für den Ganztagsbetrieb und Essensangebote an den Gymnasien. „Mit der personellen und sächlichen Ausstattung einer klassischen Halbtagsschule ist das nicht zu machen", meinte Klug. Während Grund-, Regional- und Gemeinschaftsschulen hierfür Mittel erhielten, blieben die Gymnasien als einzige Schulart des neuen Schulsystems von dieser Unterstützung ausgenommen.

Grüne: Lehrerverteilung ist ungewichtig

Die Grünen wiesen außerdem auf eine ihrer Ansicht nach „ungleiche Lehrerverteilung" hin. Angelika Birk erklärte, für Gymnasiasten stünden deutlich mehr Lehrer zur Verfügung als für ihre Altersgenossen an anderen Schulen. Auch deshalb müssten die Lehrpläne gestrafft und zusätzliche Zeit für mehr individuelle Förderung genutzt werden.

Schleswig-Holstein ist das vorletzte Bundesland, das zum kommenden Schuljahr auf das achtjährige Gymnasium umsteigt. Im April wird die Landesregierung über die Erfahrungen aus dem an derzeit 47 Schulen laufenden Modellversuch zur Erprobung des Turbo-Abiturs berichten. Dies hatten CDU und SPD beantragt.

Die Anträge von FDP und Grünen wurden in den Bildungsausschuss überwiesen.

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Hintergrund:
   Grüne und FDP fordern bessere Rahmenbedingungen für die Gymnasien mit Blick auf die bevorstehende Einführung des "Turbo-Abis" in Schleswig-Holstein. Zum kommenden Schuljahr sollen die ersten Sextaner im Lande in die auf acht Jahre verkürzte Gymnasialzeit starten. Vor diesem Hintergrund sprechen sich die Grünen dafür aus, „die Lehrpläne am Gymnasium deutlich zu straffen" sowie Extra-Lehrerstunden für die individuelle Förderung der Schüler bereitzustellen. Nach Auffassung der Liberalen sollen Gymnasien vermehrt zu Ganztagsschulen weiterentwickelt werden. Hierfür soll die Landesregierung Geld zur Verfügung stellen.
   Angaben des Bildungsministeriums zufolge sind bereits 47 der 99 Gymnasien im Lande offene Ganztagsschulen mit Mittagstisch und Hausaufgabenhilfe. Dies sei zum Teil durch Bundesmittel in Höhe von 16 Millionen Euro aus dem "Investitionsprogramm Zukunft, Bildung und Betreuung" finanziert worden. Das Land hat sich dem Ministerium zufolge mit einer Million beteiligt. Bis 2009 sollen weitere elf Millionen für Investitionen sowie von 2009 bis 2011 noch einmal 19,8 Millionen für Betriebskosten aus Landesmitteln fließen.
   Bundesweit wird seit Wochen eine kontroverse Diskussion über eine mögliche Überlastung der Schüler durch das achtjährige Gymnasium geführt. So haben Niedersachsen und Baden–Württemberg angekündigt, die Lehrpläne überarbeiten zu wollen. In Hamburg wird über die Wiedereinführung des Sonnabends als Schultag nachgedacht. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat 1995 eine Gesamtzahl von 265 Wochenstunden bis zum Abi festgelegt. Das bedeutet 30 bis 32 Stunden Unterricht für einen Unterstufenschüler sowie 34 Stunden in der Mittelstufe. Die KMK will das Thema auf ihrem Treffen im März erneut beraten.
   Schleswig-Holstein ist das vorletzte Bundesland, das auf das achtjährige Gymnasium umsteigt. Rheinland-Pfalz will als letztes im Jahr 2009 nachziehen. Die verkürzte Schulzeit war im Lande zuvor an neun Modellschulen getestet worden. Ausschlaggebende Punkte für die Verkürzung der Schullaufbahn Umstieg der deutschen Länder waren, dass die meisten europäischen Nachbarn bereits eine insgesamt zwölfjährige Schulzeit haben und dass deutsche Hochschulabsolventen im internationalen Vergleich älter sind.
   Am Dienstag vor der Tagung hat die Koalition einen Antrag vorgelegt, mit dem sie von der Landesregierung einen Bericht zum verkürzten G8-Bildungsgang zum April fordert. Der Bericht soll unter anderem auf die Erfahrung eines Modellversuchs zur Erprobung des Bildungsganges an schleswig-holsteinischen Gymnasien eingehen und darlegen, in welcher Weise der ordnungsgemäße Unterricht durch fachlich gut ausgebildete Lehrkräfte in entsprechender Zahl sichergestellt wird. Außerdem wird gefragt wie es um die Ganztagsbetreuung an den Gymnasien mit Ganztagsangeboten im Lande bestellt ist, und ob die curricularen Vorgaben vor dem Hintergrund kompetenzorientierter Standards- und Abschlussprüfungen ausreichende Gestaltungsspielräume für die Schulen gewähren.

Schulreform: 1. Lesung, plenum-online, Oktober 2006
2. Lesung, plenum-online, Januar 2007

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