In der Debatte um G8 griff die Opposition vor allem
die Bedenken von Eltern und Schülern auf. Sie befürchten, dass das
um ein Jahr verkürzte Abitur wesentlich mehr Lernstress und weniger
freie Zeit für Hobbys mit sich bringt. Für die Vorsitzende des SSW
im Landtag, Anke Spoorendonk, verstärke das Turbo-Abi damit sogar
„ganz eindeutig die soziale Differenzierung". Schwache
Schüler würden aus den Gymnasien verdrängt, weil sie den
Unterrichtsstoff nicht mehr bewältigten. Es sei zu befürchten, so
Spoorendonk, dass das System „noch mehr Schüler abschreckt oder
behindert, den Abschluss überhaupt zu erreichen".
SPD: Gemeinschaftsschule ist eine Alternative
Die Regierungsfraktionen beschwichtigten. „Vor dem
achtjährigen Abitur braucht niemand Angst zu haben", sagte
Susanne Herold (CDU). Ein schnelleres Erreichen der allgemeinen
Hochschulreife sei für die persönliche und berufliche Zukunft der
Schüler schon deshalb wichtig, weil sich ihre Chancen auf dem
Arbeitsmarkt damit deutlich verbesserten. Überrascht reagierte
Henning Höppner (SPD). In der Vergangenheit habe es „laufend"
Kritik an der im internationalen Vergleich langen Schulzeit in
Deutschland gegeben. Nun sei die Verkürzung auch nicht richtig. „Wenn
Eltern jetzt die Befürchtung haben, dass ihr Kind den Belastungen
von G8 nicht gewachsen ist, haben sie künftig mit der
Gemeinschaftsschule eine Alternative", sagte Höppner.
Ministerin Erdsiek-Rave wies auf einen „Denkfehler"
hin: Auch bei acht Jahren bis zum Abitur stünde die gleiche Zahl an
Stunden zur Verfügung wie bei neun Jahren. Die Unterrichtszeiten
würden nur ausgedehnt. Genau aus diesem Grund forderte der
bildungspolitische Sprecher der FDP, Ekkehard Klug, mehr Lehrer,
mehr Räume für den Ganztagsbetrieb und Essensangebote an den
Gymnasien. „Mit der personellen und sächlichen Ausstattung einer
klassischen Halbtagsschule ist das nicht zu machen", meinte
Klug. Während Grund-, Regional- und Gemeinschaftsschulen hierfür
Mittel erhielten, blieben die Gymnasien als einzige Schulart des
neuen Schulsystems von dieser Unterstützung ausgenommen.
Grüne: Lehrerverteilung ist ungewichtig
Die Grünen wiesen außerdem auf eine ihrer Ansicht
nach „ungleiche Lehrerverteilung" hin. Angelika Birk
erklärte, für Gymnasiasten stünden deutlich mehr Lehrer zur
Verfügung als für ihre Altersgenossen an anderen Schulen. Auch
deshalb müssten die Lehrpläne gestrafft und zusätzliche Zeit für
mehr individuelle Förderung genutzt werden.
Schleswig-Holstein ist das vorletzte Bundesland, das
zum kommenden Schuljahr auf das achtjährige Gymnasium umsteigt. Im
April wird die Landesregierung über die Erfahrungen aus dem an
derzeit 47 Schulen laufenden Modellversuch zur Erprobung des
Turbo-Abiturs berichten. Dies hatten CDU und SPD beantragt.
Die Anträge von FDP und Grünen wurden in den
Bildungsausschuss überwiesen.