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2008 ist das Jahr der
Berufsausbildung. Vor diesem
Hintergrund informiert derzeit eine Ausstellung des
Bildungsministeriums im Landeshaus über Arbeit und
Perspektiven der beruflichen Schulen im Lande.
Grünen-Konzept zur
Berufsausbildung gescheitert
Schwarz-Rot sieht das derzeitige System gut aufgestellt
Kiel (SHL/28.02.)
Die Grünen sind mit ihrem Maßnahmenbündel zur Umgestaltung der
beruflichen Bildung auf Granit gestoßen. Die Oppositionsfraktion
will die Berufsausbildung in so genannten Produktionsschulen
gleichberechtigt neben die klassische Lehre im dualen System
stellen, um so auch unversorgten Lehrstellenbewerbern Chancen auf
dem Arbeitsmarkt zu eröffnen. Zudem soll die Hauptschule auf zehn
Jahre verlängert werden. Dadurch sollen Hauptschüler im Wettbewerb
mit Realschülern und Abiturienten gestärkt werden. Ziel müsse es
ein, so Grünen-Fraktionschef Karl-Martin Hentschel, dass kein
Jugendlicher in Schleswig-Holstein ohne Abi oder abgeschlossene
Lehre ins Berufsleben startet. Das Grünen-Konzept traf jedoch nur
beim SSW teilweise auf Zustimmung. CDU, SPD und FDP betonten den
Vorrang des dualen Systems aus betrieblicher Lehre und Berufsschule.
Zudem gebe es bereits zahlreiche Programme für Jugendliche mit
besonderem Förderbedarf.
Weitere Punkte des
Grünen-Katalogs: Eine Schülerdatei soll sicherstellen, dass alle
Jugendlichen eine Berufsausbildung durchlaufen. Dies sei nötig, weil
die Berufsschulpflicht bis zum 18. Lebensjahr „de facto nicht
eingehalten wird", so Hentschel. Außerdem streben die Grünen
eine „Modularisierung" der Ausbildung „mit „zertifizierten
Teilqualifikationen" an, die auch bei abgebrochener Lehre
später angerechnet werden könnten. Und: Eine „polyvalente"
gymnasiale Oberstufe soll Abi mit Berufsausbildung verbinden.
Hentschel wies darauf hin, dass 15 Prozent der Jugendlichen in
Deutschland ohne Ausbildung blieben, und dass derzeit 500.000 junge
Leute in so genannten „Warteschleifen" geparkt seien. Allein
im Lande gebe es 11.000 Altbewerber, die seit mehr als einem Jahr
auf eine Lehrstelle warteten
Schwarz-Rot lehnt weitere Beratung im Ausschuss ab
Die Probleme auf dem Lehrstellenmarkt erkannten auch die
Vertreter der Koalition. Dennoch, so Sylvia Eisenberg (CDU), sei das Konzept
der Grünen „unausgegoren". Sie plädierte dafür, das „in sich
geschlossene, transparente und durchlässige" duale System zu erhalten.
Auch Jutta Schümann (SPD) lehnte es ab, die „Basteleien" der Grünen
mitzutragen. Die Landesregierung habe bereits „eine Fülle von
Maßnahmen" in die Wege geleitet. So seien etwa 58 Millionen Euro für
das Konzept "Schule und Arbeitswelt" sowie Mittel für die
Qualifikation benachteiligter Jugendlicher oder 3,6 Millionen Euro im
aktuellen Doppelhaushalt für die Jugendaufbauwerke bereitgestellt worden. „Licht
am Horizont" erkannte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD). Denn: Im
letzten Jahr hätten die Betriebe im Lande deutlich mehr Lehrstellen zur
Verfügung gestellt als im Vorjahr, und es seien so viele Altbewerber
vermittelt worden wie nie zuvor.
Der Grünen-Plan sei „in Teilen sogar ausgesprochen
schädlich", bemängelte Ekkehard Klug (FDP). So führe die von den
Grünen angestrebte Modularisierung zu einer „Häppchen-Bildung". Die
„Zerlegung der beruflichen Bildung in Teilqualifikationen", führe am
Ende zum „Jobber" – zum gering qualifizierten Arbeitnehmer. Und: Die
schulischen Berufsabschlüsse fänden „keine ausreichende Anerkennung bei
den Betrieben". Anke Spoorendonk (SSW) stimmte hingegen dem Ansatz der
Grünen zu: Schleswig-Holstein stehe im bundesweiten Vergleich mit seinen
Schulabbrecherzahlen nicht gut da. Viele Handwerksbetriebe, so Spoorendonk,
würden Hauptschüler gar nicht mehr zum Vorstellungsgespräch einladen. Vor
diesem Hintergrund sei die Idee einer Produktionsschule zu begrüßen, und der
dort erzielte Abschluss müsse als „vollwertig" anerkannt werden.
Am Ende der kontroversen Debatte lehnten CDU und SPD es ab,
das Grünen-Papier im Bildungsausschuss weiter zu diskutieren.
Hintergrund:
Die Grünen legen dem Landtag ein
umfangreiches Konzept zur Neugestaltung der beruflichen
Bildung vor. Ziel der Oppositionsfraktion ist es, dass
jeder Jugendliche die Schule mit einem Berufsabschluss
oder dem Abitur verlässt. Nach Angaben der Grünen
bleiben derzeit 15 Prozent der jungen Menschen ohne
Ausbildungsplatz.
Da inzwischen nur noch 55 Prozent der
Schulabgänger in eine Lehre im traditionellen dualen
System wechseln, sollen gleichwertige Angebote mit hohem
Praxisanteil an „Berufs- oder Produktionsschulen"
geschaffen werden. Als „Sofortmaßnahme" wird die
Landesregierung aufgefordert, die bereits jetzt mögliche
Berufsausbildung mit Kammerprüfung an den Beruflichen
Schulen auszuweiten.
Um die Wettbewerbsfähigkeit der
Hauptschüler auf dem Lehrstellenmarkt gegenüber den
Realschülern zu erhöhen, fordert die Grünen-Fraktion
zudem die Verlängerung der Hauptschule um ein Jahr auf
zehn Jahre – wie es bereits in Berlin und in
Nordrhein-Westfalen geschehen sei.
Die Grünen sprechen sich zudem für eine „Modularisierung"
der Lehrpläne aus, um einen flexibleren Wechsel zwischen
Berufsschulen oder Betrieben zu ermöglichen. Damit
könnten Auszubildende Teilqualifikationen erwerben, die
dann bei einer Neuorientierung angerechnet werden.
Gegenüber der Presse haben die Grünen zudem
die Forderung nach Einführung einer Schülerdatei
erhoben. Damit soll sichergestellt werden, dass
Jugendliche entweder eine weiterführende Schule besuchen
oder eine Ausbildung absolvieren.
Einen Teil dieser Forderungen haben die
Grünen bereits bei der Debatte über eine Große Anfrage
zum Thema Berufliche Bildung im Juli 2007 sowie im
November 2006 bei der Vorlage eines Antrags zum
Berufsausbildungsgesetz erhoben.
Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums
haben die Betriebe im Jahr 2007 insgesamt 15.738
Ausbildungsplätze gemeldet – ein Plus von 7,3 Prozent
gegenüber dem Vorjahr. Zum Stichtag 30. September waren
785 Lehrstellen unbesetzt, 981 Bewerber blieben
unversorgt. Hinzu kommen rund 11.000 so genannte
Altbewerber, die seit mehr als einem Jahr auf den
Berufseinstieg warten. Rund 55 Prozent dieser Gruppe hat
laut den Zahlen des Ministeriums einen Hauptschulabschluss
oder gar keinen Schulabschluss, etwa 33 Prozent haben
einen Realschulabschluss.
vorherige Debatten zum Thema:
Große Anfrage: plenum-online,
Juli
2007
Berufsbildungsgesetz: plenum-online, November
2006
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