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Auf dieser Seite: Berufliche Bildung 

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Neue Perspektiven der beruflichen Bildung

Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Drucksache: 16/1869
-Plenarprotokoll-


2008 ist das Jahr der Berufsausbildung. Vor diesem 
Hintergrund informiert derzeit eine Ausstellung des Bildungsministeriums im Landeshaus über Arbeit und 
Perspektiven der beruflichen Schulen im Lande.

Grünen-Konzept zur Berufsausbildung gescheitert

Schwarz-Rot sieht das derzeitige System gut aufgestellt

Kiel (SHL/28.02.) Die Grünen sind mit ihrem Maßnahmenbündel zur Umgestaltung der beruflichen Bildung auf Granit gestoßen. Die Oppositionsfraktion will die Berufsausbildung in so genannten Produktionsschulen gleichberechtigt neben die klassische Lehre im dualen System stellen, um so auch unversorgten Lehrstellenbewerbern Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen. Zudem soll die Hauptschule auf zehn Jahre verlängert werden. Dadurch sollen Hauptschüler im Wettbewerb mit Realschülern und Abiturienten gestärkt werden. Ziel müsse es ein, so Grünen-Fraktionschef Karl-Martin Hentschel, dass kein Jugendlicher in Schleswig-Holstein ohne Abi oder abgeschlossene Lehre ins Berufsleben startet. Das Grünen-Konzept traf jedoch nur beim SSW teilweise auf Zustimmung. CDU, SPD und FDP betonten den Vorrang des dualen Systems aus betrieblicher Lehre und Berufsschule. Zudem gebe es bereits zahlreiche Programme für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf. 

Weitere Punkte des Grünen-Katalogs: Eine Schülerdatei soll sicherstellen, dass alle Jugendlichen eine Berufsausbildung durchlaufen. Dies sei nötig, weil die Berufsschulpflicht bis zum 18. Lebensjahr „de facto nicht eingehalten wird", so Hentschel. Außerdem streben die Grünen eine „Modularisierung" der Ausbildung „mit „zertifizierten Teilqualifikationen" an, die auch bei abgebrochener Lehre später angerechnet werden könnten. Und: Eine „polyvalente" gymnasiale Oberstufe soll Abi mit Berufsausbildung verbinden. Hentschel wies darauf hin, dass 15 Prozent der Jugendlichen in Deutschland ohne Ausbildung blieben, und dass derzeit 500.000 junge Leute in so genannten „Warteschleifen" geparkt seien. Allein im Lande gebe es 11.000 Altbewerber, die seit mehr als einem Jahr auf eine Lehrstelle warteten

Schwarz-Rot lehnt weitere Beratung im Ausschuss ab

Die Probleme auf dem Lehrstellenmarkt erkannten auch die Vertreter der Koalition. Dennoch, so Sylvia Eisenberg (CDU), sei das Konzept der Grünen „unausgegoren". Sie plädierte dafür, das „in sich geschlossene, transparente und durchlässige" duale System zu erhalten. Auch Jutta Schümann (SPD) lehnte es ab, die „Basteleien" der Grünen mitzutragen. Die Landesregierung habe bereits „eine Fülle von Maßnahmen" in die Wege geleitet. So seien etwa 58 Millionen Euro für das Konzept "Schule und Arbeitswelt" sowie Mittel für die Qualifikation benachteiligter Jugendlicher oder 3,6 Millionen Euro im aktuellen Doppelhaushalt für die Jugendaufbauwerke bereitgestellt worden. „Licht am Horizont" erkannte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD). Denn: Im letzten Jahr hätten die Betriebe im Lande deutlich mehr Lehrstellen zur Verfügung gestellt als im Vorjahr, und es seien so viele Altbewerber vermittelt worden wie nie zuvor.

Der Grünen-Plan sei „in Teilen sogar ausgesprochen schädlich", bemängelte Ekkehard Klug (FDP). So führe die von den Grünen angestrebte Modularisierung zu einer „Häppchen-Bildung". Die „Zerlegung der beruflichen Bildung in Teilqualifikationen", führe am Ende zum „Jobber" – zum gering qualifizierten Arbeitnehmer. Und: Die schulischen Berufsabschlüsse fänden „keine ausreichende Anerkennung bei den Betrieben". Anke Spoorendonk (SSW) stimmte hingegen dem Ansatz der Grünen zu: Schleswig-Holstein stehe im bundesweiten Vergleich mit seinen Schulabbrecherzahlen nicht gut da. Viele Handwerksbetriebe, so Spoorendonk, würden Hauptschüler gar nicht mehr zum Vorstellungsgespräch einladen. Vor diesem Hintergrund sei die Idee einer Produktionsschule zu begrüßen, und der dort erzielte Abschluss müsse als „vollwertig" anerkannt werden.

Am Ende der kontroversen Debatte lehnten CDU und SPD es ab, das Grünen-Papier im Bildungsausschuss weiter zu diskutieren.

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Hintergrund:
   Die Grünen legen dem Landtag ein umfangreiches Konzept zur Neugestaltung der beruflichen Bildung vor. Ziel der Oppositionsfraktion ist es, dass jeder Jugendliche die Schule mit einem Berufsabschluss oder dem Abitur verlässt. Nach Angaben der Grünen bleiben derzeit 15 Prozent der jungen Menschen ohne Ausbildungsplatz.
   Da inzwischen nur noch 55 Prozent der Schulabgänger in eine Lehre im traditionellen dualen System wechseln, sollen gleichwertige Angebote mit hohem Praxisanteil an „Berufs- oder Produktionsschulen" geschaffen werden. Als „Sofortmaßnahme" wird die Landesregierung aufgefordert, die bereits jetzt mögliche Berufsausbildung mit Kammerprüfung an den Beruflichen Schulen auszuweiten.
   Um die Wettbewerbsfähigkeit der Hauptschüler auf dem Lehrstellenmarkt gegenüber den Realschülern zu erhöhen, fordert die Grünen-Fraktion zudem die Verlängerung der Hauptschule um ein Jahr auf zehn Jahre – wie es bereits in Berlin und in Nordrhein-Westfalen geschehen sei.
  Die Grünen sprechen sich zudem für eine „Modularisierung" der Lehrpläne aus, um einen flexibleren Wechsel zwischen Berufsschulen oder Betrieben zu ermöglichen. Damit könnten Auszubildende Teilqualifikationen erwerben, die dann bei einer Neuorientierung angerechnet werden.
   Gegenüber der Presse haben die Grünen zudem die Forderung nach Einführung einer Schülerdatei erhoben. Damit soll sichergestellt werden, dass Jugendliche entweder eine weiterführende Schule besuchen oder eine Ausbildung absolvieren.
   Einen Teil dieser Forderungen haben die Grünen bereits bei der Debatte über eine Große Anfrage zum Thema Berufliche Bildung im Juli 2007 sowie im November 2006 bei der Vorlage eines Antrags zum Berufsausbildungsgesetz erhoben.
   Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums haben die Betriebe im Jahr 2007 insgesamt 15.738 Ausbildungsplätze gemeldet – ein Plus von 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Stichtag 30. September waren 785 Lehrstellen unbesetzt, 981 Bewerber blieben unversorgt. Hinzu kommen rund 11.000 so genannte Altbewerber, die seit mehr als einem Jahr auf den Berufseinstieg warten. Rund 55 Prozent dieser Gruppe hat laut den Zahlen des Ministeriums einen Hauptschulabschluss oder gar keinen Schulabschluss, etwa 33 Prozent haben einen Realschulabschluss.

vorherige Debatten zum Thema:
Große Anfrage:  plenum-online, Juli 2007
Berufsbildungsgesetz: plenum-online, November 2006

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