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Auf dieser Seite: Ausländerpolitik 

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Top 23:
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Antrag der Abgeordneten des SSW u. der Fraktion B´90/Grüne
Drucksache: 16/1878
-Plenarprotokoll-
       Aufruf gemeinsam mit
Top 30:
Ärztliche Begutachtung von traumatisierten ausreisepflichtigen Personen

Antrag der Fraktion B´90/Grüne u. der Abgeordneten des SSW
Drucksache: 16/1892
       Aufruf gemeinsam mit
Top 40:
Durchführung der Abschiebungshaft
Antrag der Fraktion der FDP – Drucksache 16/1419neu
(Ausschussüberweisung am 12. Juli 2007)
Bericht und Beschlussempfehlung des Innen- und Rechtsausschusses
Drucksache: 16/1860
       Aufruf gemeinsam mit
Top 41:
Staatsangehörigkeitsrecht überarbeiten
Antrag der Fraktion B´90/DIE GRÜNEN – Drs. 16/1485neu
(Ausschussüberweisung am 10. Oktober 2007)
Bericht und Beschlussempfehlung des Innen- und Rechtsausschusses
Drucksache: 16/1861

Opposition kritisiert Flüchtlings- 
und Ausländerpolitik der Koalition

Staatsbürgerschaftsrecht: SPD beugt
 sich der Koalitionsraison

Kiel (SHL/27.2.). Die Flüchtlings- und Ausländerpolitik spaltet Koalition und Opposition in zwei Lager. CDU und SPD haben zwei Anträge aus den Reihen der Opposition abgelehnt. So scheiterten die Liberalen mit ihrer Forderung, abgewiesenen Asylbewerbern die Abschiebehaft ohne richterliche Anordnung grundsätzlich zu ersparen. Ebenfalls keine Mehrheit fand der Vorstoß der Opposition zur Änderung des Staatsbürgerschaftsrechtes. FDP, Grüne und SSW hatten die doppelte Staatsbürgerschaft auch über das 18. Lebensjahr hinaus ermöglichen wollen. Auch dieses Ansinnen lehnte die Koalition in namentlicher Abstimmung geschlossen ab. Den zehn Ja-Stimmen der kompletten Opposition standen 54 Nein-Stimmen gegenüber.

Zwei weitere Anträge der Opposition wurden trotz ablehnender Haltung von CDU und SPD an den Innen- und Rechtsausschuss überwiesen. Darin machen sich Liberale, Grüne und SSW für eine Verbesserung der Aufenthaltsbedingungen von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen stark. Diese sollen zuvorderst bei einer „geeigneten Person" untergebracht werden (so genannte In-Obhut-Nahme) und nicht in einem Heim oder Jugendgefängnis. Zudem will die Opposition traumatisierten Flüchtlingen ein Anrecht auf fachärztliche Behandlung zu billigen, bevor eine Ausweisung in die Wege geleitet werden kann.

Mit Blick auf die geforderte Änderung des Staatsbürgerschaftsrechts übte Oppositionsführer Wolfgang Kubicki (FDP) harsche Kritik an der Union: „Die Identität lässt sich nicht auf Schwarz und Weiß festlegen", sagte er und forderte die CDU auf, den gesetzlich verankerten Zwang, sich mit dem 18. Lebensjahr für eine Staatsangehörigkeit zu entscheiden, abzuschaffen. Die derzeit praktizierte Abschiebungshaft brandmarkte er als „gesetzgeberischen Murks". Kubicki kritisierte zudem das Verhalten der Behörden. So würde bei beispielsweise Abschiebungen in Pinneberg „bewusst auf psychologische Gutachten verzichtet".

Koalition: Spielraum in Vorschriften nutzen

Dem widersprachen die Vertreter der Großen Koalition: „Von den Behörden ist stets verantwortungsvoll gehandelt worden", so Wilfried Wengler (CDU) klar. Die bestehenden Vorschriften seien auslegefähig, deshalb habe seine Partei „kein Interesse an einer Neuregelung". Auch Klaus-Peter Puls (SPD) sah einen „Spielraum in den Vorschriften", der zugunsten der Flüchtlinge ausgenutzt werden müsste. Innenminister Lothar Hay (SPD) merkte an, dass „keine Lösung gefunden werden kann, die allen gerecht wird".

Uneins waren sich die Regierungsfraktionen allerdings in der Frage des Staatsbürgerschaftsrechts: Während der SPD-Politiker Puls eingestand, dass seine Partei aus Koalitionsraison gegen den Vorstoß der Opposition stimmte, nannte Wilfried Wengler (CDU) das derzeit gültige Optionsmodell „eine gründlich abgewogene Entscheidung", zu der seine Partei stehe.

Plädoyer für humane Ausländer- und Flüchtlingspolitik

„Der Mensch und seine Bedürfnisse müssen im Mittelpunkt stehen", mahnte Lars Harms (SSW) eine grundsätzlich humane Ausländer- und Flüchtlingspolitik an. Er monierte, dass die Kreise keine Zahlen lieferten, wie viele unbegleitete jugendliche Flüchtlinge es im Land gebe. Vor diesem Hintergrund forderte er die Einrichtung einer zentralen Clearing-Stelle, wie es sie beispielsweise schon in Bayern und Berlin gebe. „Im Umgang mit Fremden zeigt sich erst, wie human eine Gesellschaft ist", konstatierte Karl-Martin Hentschel (Grüne) und kritisierte die gängige Abschiebe-Praxis der Behörden: Flüchtlinge, die traumatisiert seien, würden zurzeit nur von normalen Ärzten untersucht werden. Die Forderung der Opposition: Bei Untersuchungen sollen die Kriegs- oder Bürgerkriegsflüchtlinge Fachärzten vorgestellt werden und eine Vertrauensperson mitnehmen können. Dies sei in den Kreisen des Landes trotz eines entsprechenden Erlasses des Landes-Innenministeriums nicht sichergestellt.

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Hintergrund:
   Der Landtag behandelt vier verschiedene Initiativen der Opposition zum Thema Ausländer- und Flüchtlingspolitik.
  • Der Innen- und Rechtsausschuss empfiehlt dem Plenum mit Koalitionsmehrheit und gegen FDP und Grüne, einen Vorstoß der Liberalen aus dem letzten Juli abzulehnen, der auf Änderungen bei der Abschiebehaft drängt. Die FDP hält das jüngst vom Bundestag beschlossene Gesetz für verfassungsrechtlich bedenklich. Es ermöglicht beispielsweise den Ausländerbehörden, abgewiesene Asylbewerber bei bestimmten Voraussetzungen ohne richterliche Anordnung in Haft zu nehmen, um sie dann in ihre Heimat abzuschieben. (Debatte zur Abschiebehaft bei Antragstellung: plenum-online, Juli 2007)
  • Auch ein Antrag der Grünen zum Staatsbürgerschaftsrecht aus dem vergangenen Oktober steht vor der Ablehnung. CDU und SPD votierten im Innen- und Rechtsausschuss dagegen, während die FDP das Vorhaben unterstützten. Die Grünen wollen das so genannte Optionsmodell im Staatsbürgerschaftsrecht abschaffen und die doppelte Staatsbürgerschaft auch für Über-18-Jährige ermöglichen. Der Fraktionschef der Grünen, Karl-Martin Hentschel, hat am Vortag der Tagung angekündigt, eine namentliche Abstimmung über diese Frage zu beantragen. Das Optionsmodell sieht vor, dass Kinder ausländischer Eltern, die in Deutschland geboren sind, nur bis zur Volljährigkeit zwei Pässe haben dürfen. Dann müssen sie sich für die deutsche oder für die Nationalität des Herkunftslandes entscheiden (Debatte zum Staatsangehörigkeitsrecht bei Antragstellung: plenum-online Oktober 2007).
  • SSW, Grüne und FDP bringen erneut das Thema minderjährige Flüchtlinge auf die Tagesordnung. Sie fordern, diese Jugendlichen in Obhut zu nehmen, jedoch nicht in einem Heim oder einem Jugendgefängnis unterzubringen. Den Bedarf zur Unterbringung (Obhut) bei einer „geeigneten Person", einer „Einrichtung" oder „einer sonstigen betreuten Wohnform", wie es den Kreisen per Bundesgesetz vorgeschrieben ist, soll die Landesregierung in einem "Clearingverfahren" ermitteln. Der Landtag hat bereits im letzten Oktober einen Regierungsbericht zu dem Thema beraten (plenum-online, Oktober 2007).
  • Grüne, SSW und FDP fordern in einem Antrag zudem, dass traumatisierte Flüchtlinge ein Anrecht auf eine fachärztliche Behandlung haben sollen, bevor die Ausweisung in die Wege geleitet wird. Hierzu sollen die Kriegs- oder Bürgerkriegsflüchtlinge eine Vertrauensperson mitnehmen können. Dies sei in den Kreisen des Landes trotz eines entsprechenden Erlasses des Landes-Innenministeriums nicht sichergestellt.

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