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Auf dieser Seite: Kulturelle Entwicklung

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Top 09
Stand und Perspektiven der kulturellen 
Entwicklung Schleswig-Holsteins
Große Anfrage der Fraktion der SPD – Drucksache 16/2046
Antwort der Landesregierung / Federführend ist der Ministerpräsident

Carstensen: Kultur ist 
„dritte Säule der Volkswirtschaft"

Vier Jahre nach dem Kultur-Umzug in die Staatskanzlei: Opposition zieht nüchterne Bilanz


Das NDR-Symphonie-Orchester spielt beim 
Schleswig-Holstein Musik Festival auf

Kiel (SHL/26.02) Kultur weckt nicht nur die Kreativität der Menschen. Sie untermauert auch die regionale Identität der Schleswig-Holsteiner und ist ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor. Das betonte Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) in seiner Antwort auf eine Große Anfrage der SPD zur Kulturpolitik des Landes. Mit Blick auf eine kürzlich vorgelegt Studie bezeichnete Carstensen die Kultur als „dritte Säule der Volkswirtschaft" nach dem Maschinen- und dem Autobau. Die Kulturbranche erbringe bundesweit eine Bruttowertschöpfung von bis zu 132 Milliarden Euro pro Jahr. „Eine Volkswirtschaft ohne Kultur wäre nur halb so viel wert", betonte der Regierungschef. Gleichwohl musste er sich von der Opposition harte Kritik anhören: Trotz der Umsiedlung des Kulturressorts in die Staatskanzlei vor vier Jahren behandle die Landesregierung diesen Bereich keineswegs als „Chefsache" – sondern eher stiefmütterlich.

Die Kultureinrichtungen im Lande forderte Carstensen zum „Bewusstseinswandel" auf. Sie sollten sich stärker als Service- und Bildungsangebote für eine breite Öffentlichkeit verstehen und nicht nur als „abgeschlossenen Tempel einer kleinen Klientel". Dem schloss sich Wilfried Wengler (CDU) an: Die Einrichtungen müssten ihre Attraktivität steigern. „Das soll nicht heißen, jeder populären Zeitströmung bedingungslos nachzugeben", so Wengler. Aber: „Es kann zum Beispiel für ein Theater bedeuten, ein profitables ‚seichtes’ Stück zu spielen, um damit einen Klassiker zu finanzieren."

Müller: Museumsbesuch ist für viele unerschwinglich

Hans Müller von der SPD setzte sich für die Teilhabe aller gesellschaftlicher Gruppen am kulturellen Leben ein: „Wir wollen, dass ein Museumsbesuch auch für Menschen mit geringem Einkommen nicht ein einmaliges Erlebnis bleiben muss." Jeder Museumsgast gebe pro Besuch im Schnitt 15 Euro aus. Dieser Betrag sei insbesondere für Familien zu hoch. Deshalb lobte er die so genannte "MuseumsCard", mit der im vergangenen Jahr 80.000 Jugendliche gratis ein Museum besuchen konnten.

Die Opposition nahm die Bemühungen der Regierung aufs Korn und machte insbesondere dem Ministerpräsidenten Vorwürfe, der den Bereich Kultur im Rahmen der schwarz-roten Koalitionsbildung im Jahr 2005 vom Bildungsministerium in die Staatskanzlei geholt hatte. Ekkehard Klug (FDP) prangerte die „katastrophale" Situation des Musikunterrichts im Lande an. In den oberen Jahrgängen der Sekundarstufe I finde er außer an den Gymnasien kaum statt. 

Grüne: Kulturpolitik „in ihrer Dimension 
radikal unterschätzt"

Angelika Birk (Grüne) warf der Regierung vor, klammen Kommunen die Kürzung der Kulturförderung zu empfehlen. Ihr Fazit: Schwarz-Rot habe die Kulturpolitik „in ihrer Dimension radikal unterschätzt". Die Einrichtung eines eigenen Kulturministeriums regte Anke Spoorendonk (SSW) an. „Die Wirtschafts- und Beschäftigungspotenziale des Kultursektors werden in diesem Land immer noch nicht erkannt", so Spoorendonk.

Das Regierungspapier wird nun in den Ausschüssen für Bildung, Inneres, Wirtschaft, Soziales, Finanzen sowie Umwelt und Agrar abschließend behandelt.

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Hintergrund:
Die Landesregierung legt dem Landtag ihre 325 Seiten starke Antwort auf eine Große Anfrage der SPD zum Thema "Kulturelle Entwicklung Schleswig-Holsteins" vor. Die Sozialdemokraten hatten insgesamt 94 Einzelfragen an die für diesen Bereich zuständige Staatskanzlei gerichtet.

Die Landesregierung zieht in dem Report drei Jahre nach dem kontrovers diskutierten Umzug der Kulturabteilung vom Bildungsministerium in die Staatskanzlei eine positive Bilanz: „Kunst und Kultur in Schleswig-Holstein sind seit ihrer direkten thematischen Anbindung beim Ministerpräsidenten stärker in die öffentliche Debatte gerückt." Seit dem Umzug habe die Landesregierung zum Beispiel eine Initiative zur Kinder- und Jugendkultur „erfolgreich begründet", den Kulturtourismus „nachhaltig gestärkt", Investitionen in das kulturelle Erbe des Landes vorgenommen und ein neues Denkmalschutzgesetz auf den Weg gebracht, das derzeit im Landtag beraten wird (plenum-online Oktober 2008).

   Service und Marketing stärken

In den kommenden eineinhalb Jahren bis zum Ende der Wahlperiode „wird die Landesregierung die kulturelle Infrastruktur und die kulturelle Vielfalt des Landes in ihrer Entwicklung verlässlich begleiten und sichern", heißt es weiter in dem Papier. Die Einrichtungen wie Museen, Theater, Bibliotheken oder Volkshochschulen müssten sich künftig „stärker als Serviceeinrichtungen und Kompetenzzentren profilieren" und Kooperationen eingehen. Zudem wird ein „zielorientiertes, verbessertes Marketing der Kulturanbieter" angemahnt.

Neben den Mitarbeitern öffentlicher Einrichtungen wie Theatern, Museen und Musikschulen leben im Lande rund 4.000 freiberufliche Künstler, die bei der Künstlersozialkasse versichert sind. Sie verteilen sich auf insgesamt 92 Berufe. Die wirtschaftliche Situation der Freischaffenden ist in Schleswig-Holstein, wie in ganz Deutschland, häufig angespannt: „Die Beschäftigungsverhältnisse von Erwerbstätigen in künstlerischen Berufen sind geprägt von Kleinstunternehmen mit Jahreseinkommen unterhalb der Umsatzsteuerpflichtgrenze" wie auch von Teilzeit- und Mehrfachbeschäftigungen. So verdient ein Profimusiker im Schnitt etwa 10.000 Euro im Jahr.

   Weitere Aspekte:

Musik:
Die Szene im Lande hat sich laut dem Papier in den vergangenen zehn Jahren positiv entwickelt. So ist die Zahl der Schüler an den öffentlichen Musikschulen um 30 Prozent auf über 30.000 gestiegen, und die Besucherzahlen des Schleswig-Holstein-Musikfestivals sind seit 1997 um 23 Prozent auf 135.000 angewachsen. Im Lande gibt es knapp 1.200 Berufsmusiker sowie 106 Musikfirmen mit 416 Mitarbeitern.

Bildenden Kunst
In diesem Bereich zählt das Statistikamt Nord 346 Maler und Bildhauer sowie 468 Kunsthandwerker im Lande. Das sind elf beziehungsweise sechs Prozent mehr als 1997. Das Land hat 2007 insgesamt 17 Stipendien für bildende Künstler in Eckernförde, Lübeck und Lauenburg vergeben. Zudem wird alle zwei Jahre der mit 20.000 Euro dotierte Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein vergeben. Die Projektförderung des Landes hat sich seit 1997 um 70 Prozent auf 103.000 Euro im Jahr erhöht.

Literatur: 
Die verschiedenen Schriftstellervereine im Lande zählen ungefähr 350 Mitglieder. 108 Verlage sind im Lande ansässig. Sie haben 2005 einen Jahresumsatz von insgesamt 133 Millionen Euro verzeichnet. Davon entfiel mehr als die Hälfte auf den Rohwolt-Verlag in Reinbek (Kreis Stormarn). Die 172 schleswig-holsteinischen Büchereien haben 2007 zusammen 15,17 Millionen Medien ausgeliehen – ein Rekordergebnis.

Theater:
Im Lande gibt es drei öffentlich geförderte Mehrsparten-Theater: Kiel, Lübeck sowie das Landestheater mit seinen zwölf Spielstätten. Die Bühnen erhalten insgesamt rund 37 Millionen Euro jährlich vom Land. Ab 2009 sind keine Erhöhungen der Zuwendungen vorgesehen, so dass Finanzprobleme der Theater erwartet werden. In der Spielzeit 2006/2007 sind insgesamt eine halbe Million Besucher in die Spielstätten gekommen. Dabei verzeichnete Kiel gegenüber 1997 Zuwächse, in Lübeck und am Landestheater gab es dagegen Rückgänge. Nachdem der Hauptgesellschafter, die Stadt Flensburg, wegen der schwierigen Haushaltslage die Zuschusse gekürzt hat, suchen die anderen Teilhaber am Landestheater derzeit nach einem neuen Finanzierungsmodell.

Film: 
Die im Vorjahr neu gegründete Film-Förderung Hamburg Schleswig-Holstein unterstützt heimische Produktionen jährlich mit 8,3 Millionen Euro. Hierzu gehörten zuletzt etwa der "Tatort" aus Kiel, der Film "Buddies" von Lars Jessen oder die "Buddenbrooks"-Interpretation von Heinrich Breloer. Eine rückläufige Tendenz verzeichneten die Kinos im Lande: Die Zahl der Lichtspielhäuser sank zwischen 1997 und 2007 von 87 auf 64 und die Zahl der Besucher von 4,9 auf 3,6 Millionen.

Museen:
Die Besucherzahlen in Schleswig-Holstein sind seit der Jahrtausendwende von drei Millionen auf 2,5 Millionen zurückgegangen. Die Landesregierung erklärt dies durch „das Fehlen spektakulärer Museumseröffnungen und -erweiterungen" und hofft auf steigenden Zuspruch durch die jüngst eingeweihten Angebote in Schleswig (Globus-Haus, Barockgarten, Wikingerhäuser) oder in Neumünster (Museum Tuch und Technik).

Vorherige Debatten zum Thema:
plenum-online,
September 2005, plenum-online, Juni 2004

Stichwort: Große Anfrage
Eine Fraktion oder mindestens 18 Abgeordnete können eine Große Anfrage an die Landesregierung stellen. An die Beantwortung soll sich eine Aussprache im Landtag anschließen. Kann eine Anfrage nicht innerhalb eines Monats beantworten werden, so muss der Präsident die Große Anfrage auf Verlangen der Fragestellenden auf die Tagesordnung der nächsten Plenarsitzung setzen.

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Themen-Übersicht

A k t u e l l e s

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Dringlichkeit: - - -

Außerdem notiert: 

I n n e n  / R e c h t

2. Lesungen:

Wohnraumförderung
Innere Sicherheit
(ohne Aussprache)
1. Lesung:
Rundfunk-Staatsvertrag
Wahl:
Bundesversammlung
(ohne Aussprache)
Richterwahlausschuss
(ohne Aussprache)
Anträge:
Landes-Entwicklungsplan
Senioren in Beruf und Ehrenamt
Berichte:
Landes-Entwicklungsplan

Polizei: Strategie / Reviere

Petitionsausschuss
(ohne Aussprache)

F i n a n z e nt

1. Lesung:
E-Government
Anträge:
HSH-Nordbank
Föderalismus / Entschuldungsfonds
Glücksspielwesen
(ohne Aussprache)

W i r t s c h a f t  /
V e r k e h r  /  T e c h n i k

Anträge:
Fehmarnbelt / Schiffahrt
Frauen / Karriere
Berichte:

Investitionspaket

Energiepolitik

AKW-Gespräch (Vattenfall)

Innovationsstiftung
(ohne Aussprache)

S o z i a l e s  / A r b e i t  / G e s u n d h e i t

2. Lesung:

Kriegsopferfürsorge
(ohne Aussprache)
Anträge:
Facheinrichtungen für Frauen
SGB / ALG II (Bedarfs-
gemeinschaften
)
Berichte:

Krebstherapie-Zentrum Kiel

AKW-Stillegung
(ohne Aussprache)

Betreuung Demenzkranker 
(ohne Aussprache)

Pflegestützpunkte
(ohne Aussprache)

 A g r a r  /  U m w e l t  / 
E n e r g i e  / F o r s t e n

2. Lesung:

Tierschutz / Verbands-
klagerecht
Große Anfrage:
Küstenschutz
Anträge:
Solares Dachflächenkataster
Ölförderung im Wattenmeer

 B i l d u n g  /  K u l t u r  / W i s s e n s c h a f t

Große Anfrage:
Kulturelle Entwicklung

 E u r o p a  / O s t s e e –
k o o p e r a t i o n

Bericht:

EU-Dienstleistungsrichtlinie
(ohne Aussprache)