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Absage an
Quoten-Frauen
in Führungspositionen
Kiel (SHL/26.2.) Es gibt in
Deutschland zu wenige Frauen in Führungspositionen. In diesem
Grundsatz war sich das Plenum überfraktionell einig. Ein
Forderungskatalog der Grünen, mehr Frauen in Führungspositionen zu
bringen, stieß jedoch auf breite Skepsis. Für Diskussionsstoff –
und einhellige Ablehnung – sorgte insbesondere eine geforderte
Frauenquote von 40 Prozent für Führungsposten in
Aktiengesellschaften.
„Besonders dort, wo in Unternehmen Entscheidungen
mit Breitenwirkung getroffen und hohe Einkommen erzielt werden, sind
Frauen kaum zu finden", begründete die Grünen-Politikerin
Angelika Birk den Antrag. Als positives Gegenbeispiel nannte sie
Norwegen, wo Aktiengesellschaften gesetzlich vorgeschrieben einen
Frauen-Anteil von 40 Prozent im Aufsichtsrat vorweisen müssten.
Die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von
Familie und Beruf sowie eine Angleichung der Gehälter hätten sich
hierzulande in den letzten Jahren deutlich verbessert, hielt
Frauenministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) dagegen. Im Landesdienst
gebe es seit 2003 mehr Frauen als Männer, hob sie hervor. Im
höheren Dienst habe der Frauenanteil fast die 50 Prozent-Marke
erreicht, und inzwischen seien 35 Prozent aller Abteilungsleiter
weiblichen Geschlechts. Die Ministerin kündigte einen ebenfalls von
den Grünen angemahnten Gleichstellungsbericht noch für diese
Wahlperiode an.
Der Antrag wurde an den Sozialausschuss überwiesen.
Weitere Stimmen aus dem Plenum:
Jutta Scheicht (CDU): Karrieren kann man nicht
per Erlass vorschreiben, Frauen in Chefetagen auch nicht. Im
Gegensatz zu den Forderungen im Antrag der Grünen setzt die CDU bei
den Maßnahmen auf Freiwilligkeit.
Sandra Redmann (SPD):
Einkommen von Frauen liegen in Deutschland nach wie vor weit
unter denen von Männern. Das schleswig-holsteinische
Gleichstellungsgesetz muss deshalb vollständig umgesetzt werden,
und dazu ist auch die Landesregierung verpflichtet.
Günther Hildebrand (FDP):
Wer so viele Unterstellungen und Behauptungen in seinen Antrag
hineinschreibt, ist in der Realität noch nicht angekommen. Wir
lehnen alle Versuche, die Wirtschaft mit mehr Frauen zu beglücken,
ab. Wir brauchen keine Quoten, sondern flexible Arbeitszeitmodelle.
Anke Spoorendonk (SSW): Notwendige
Rahmenbedingungen sind gleicher Lohn für gleiche Arbeit und die
Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Erst wenn dieses realisiert
ist, kann die Gleichstellungspolitik in Zukunft vorangetrieben
werden.
Hintergrund:
Die Grünen fordern von der Landesregierung, die
Gleichstellung von Frauen und Männern in der
Führungsebene von Behörden und Unternehmen
voranzutreiben. Die Regierung soll bei der Besetzung von
Vorstands- und Aufsichtsratsgremien durch das Land Frauen
einen Vorrang einräumen, solange in diesen Gremien mehr
Männer als Frauen vertreten sind. Auf Bundesebene soll
sich die Landesregierung für eine Frauenquote von 40
Prozent für Führungsposten in deutschen
Aktiengesellschaften einsetzen. Eine entsprechende
Regelung im Aktienrecht gebe es bereits in Norwegen.
In
Deutschland ist bisher nur jeder sechste Posten in der
Chefetage durch eine Frau besetzt, bei Großunternehmen
ist die Zahl noch geringer. Das zeigen jüngste Studien.
Große Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt es
auch beim Einkommen. So verdienten im Jahr 2007 laut
Statistischem Bundesamt Frauen im Durchschnitt 23 Prozent
weniger als ihre männliche Kollegen.
In Schleswig-Holstein
liegt der Frauenanteil in der Führungsebene der
Landesverwaltung laut dem letzten Gleichstellungsbericht
der Landesregierung teilweise unter zehn Prozent. Dieses
Papier hat der Landtag im Januar 2004 debattiert (plenum-online,
Januar
2004). Die Oppositionsfraktion kritisiert, dass die
Landesregierung seitdem keinen Bericht zur Gleichstellung
mehr vorgelegt hat, obwohl sie gesetzlich verpflichtet
ist, einmal in jeder Wahlperiode ein solches Papier zu
erstellen..
Große Anfrage zu
Frauenpolitik: plenum-online, Februar 2008
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