Bei Demonstrationen
stünden Demonstranten stets einer „anonymen Polizei"
gegenüber, begründete Thorsten Fürter den von seiner
Grünen-Fraktion und den Linken vorgelegten Gesetzentwurf.
Anzeigen im Falle von Übergriffen der Polizei liefen so ins
Leere, da die Beamten einen der ihren „niemals verraten"
würden.
Der Abgeordnete der Linken, Heinz-Werner Jezewski,
betonte, dass mit einer Gesetzesänderung das Gewaltmonopol der
Polizei nicht in Frage gestellt werde. Es gehe um Kontrolle – um
die kleine, aber durchaus relevante Zahl der Fälle, in denen sich
die Polizei gesetzeswidrig verhalte. „Ich erwarte aber", so
Jezewski, dass jedes „gesetzeswidriges Polizeiverhalten geahndet
werden muss".
Innenminister betont Fürsorgepflicht
Aufgrund der „Fürsorgepflicht gegenüber den
Beamten" sei eine Kennzeichnungspflicht bei Einsätzen im
Gruppenverband abzulehnen, sah Innenminister Klaus Schlie (CDU)
„Null-Handlungsbedarf". Vielmehr müsse der Schutz der
Einsatzkräfte samt deren Familien im Mittelpunkt stehen. Denn:
Das Problem sei „nicht die Gewalt von Polizisten, sondern die
Gewalt gegen Polizisten", hob der Innenminister hervor.
Laut der derzeitigen Rechtslage ist Polizisten das
Tragen eines Namensschildes freigestellt. Der Gesetzentwurf der
Grünen und der Linken sieht vor, die Kennzeichnung zur Pflicht zu
machen. Allerdings muss dies nicht namentlich geschehen. Die
Beamten sollen per Antrag von dieser Pflicht entbunden werden können und stattdessen
eine
andere "individuelle Kennzeichnung" verlangen.
Weitere Stimmen aus dem Plenum:
Werner Kalinka (CDU):
Die Grünen und die Linken offenbaren mit ihrem Vorstoß ihr
Misstrauen gegenüber unserer Polizei. Man kann nicht von den
Beamten verlangen, dass sie sich immer mehr Gefahren aussetzen und
dabei noch Angst um ihre Familie haben müssen, weil ihre Namen
bekannt sind. Datenschutz gilt auch für Polizeibeamte.
Kai Dolgner (SPD):
In Berlin ist die Einführung der Kennzeichnungspflicht
gescheitert. Dort wurde sie abgelehnt, da eine solche
Gesetzesänderung der Mitbestimmung durch die Polizei bedarf. Bei
uns haben Grüne und Linke noch nicht einmal mit der Gewerkschaft
der Polizei gesprochen.
Gerrit Koch (FDP):
Im Zusammenhang mit den gewalttätigen Auseinandersetzungen
anlässlich der alljährlichen Neonazi-Demonstrationen in Lübeck
werden häufig Behauptungen erhoben, Polizeibeamte hätten sich
rechtswidrig gegenüber Gegendemonstranten verhalten. Fragt man
nach, wurde merkwürdigerweise jedoch keine einzige Anzeige gegen
Polizisten erhoben.
Silke Hinrichsen (SSW):
An den Polizei-Uniformen gibt es den Klettverschluss, an denen die
Beamten ihr Namensschild anbringen können. Ich halte es für
richtig, dass sie selbst entscheiden können, ob sie dies tun
wollen oder nicht. Eine erzwungene Kennzeichnung würde
diskriminierend wirken.
Der Gesetzentwurf wurde an den Innen- und
Rechtsausschuss überwiesen.