Kiel (SHL/25.02.)
Angesichts des sich abzeichnenden Mangels an niedergelassenen
Ärzten in Schleswig-Holstein sehen Fraktionen aller Couleur raschen
Handlungsbedarf. Insbesondere im ländlichen Raum sei die Situation
mittlerweile so kritisch, dass zügige Maßnahmen für eine Sicherung der medizinischen Versorgung auf hohem Niveau
unumgänglich seien, hieß es aus dem Plenum. Ein von CDU und FDP
vorgelegter Appell an die Landesregierung, einem Versorgungsengpass
entgegenzuwirken, wurde zunächst an den Sozialausschuss
überwiesen. Außerdem soll die Regierung bis zur Mai-Tagung einen
Bericht vorlegen, wie sie tätig werden will.
Hintergrund sind aktuelle Zahlen der
Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH). Demnach
geht bis 2015 fast die Hälfte aller Hausärzte des Landes in den
Ruhestand. Bereits jetzt seien 22 Prozent der niedergelassenen
Mediziner über 60 Jahre alt, jedoch nur fünf Prozent jünger als
40. Demgegenüber werden die Patienten aufgrund des demographischen
Wandels immer älter und benötigen eine intensivere Betreuung.
Minister warnt vor staatlichem „Zentralismus"
in der Gesundheitspolitik
Sozialminister Heiner Garg (FDP) nahm in der Debatte
den ihm von den Fraktionen zugespielten Ball dankbar auf und warb
für eine Abkehr vom staatlichen „Zentralismus" und „Dirigismus"
in der Gesundheitspolitik. Künftig sei jede Form der Kooperation
wie etwa bei den medizinischen Versorgungszentren zu unterstützen.
Ferner, so Garg weiter, müsse die Zusammenarbeit des ambulanten und
stationären Bereichs vorangetrieben werden.
Die CDU setze auf eine starke Kassenärztliche
Vereineinigung, auf Kooperationsmodelle und auf die Erfahrungen
effizienter Ärztenetzwerke in Schleswig-Holstein, zielte Ursula
Sassen (CDU) in dieselbe Richtung wie Garg. Anita Klahn (FDP) nahm
die derzeitige Bedarfsplanung seitens des Bundes ins Visier: Es
werde nicht überprüft, „ob eine Region dem niedergelassenen Arzt
noch ausreichend Patienten bietet", kritisierte die Liberale.
Es bleibe unberücksichtigt, wie sich die Region verändert hat –
beispielsweise durch Neubaugebiete mit jungen Familien oder durch
Seniorenwohnanlagen.
SPD sieht auch Abwanderung
von Ärzten als Problem
Der SPD-Abgeordnete Bernd Heinemann diagnostizierte
an seinem Geburtstag (...gehe
zu) nicht den Ärztemangel als ursächliches Problem,
sondern dass der Großteil des Nachwuchses ins Ausland gehe oder ein
Angestelltenverhältnis suche. Heinemann schlug deshalb vor, junge
Mediziner schon während des Studiums „gezielt auf eine
verbindliche Niederlassung" einzuschwören.
Mehr Flexibilität mahnte Marret Bohn (Grüne) an:
Es sei darüber nachzudenken, ob die in einem medizinischen
Versorgungszentrum übernommenen Kassensitze in Sitze mit
selbstständiger Tätigkeit umgewandelt werden können. Dies gäbe
jungen Ärztinnen die Chance, während der Kindererziehung als
Angestellte zu arbeiten. Für Björn Thoroe (Linke) sei eine
bedarfsgerechte Versorgung auf Dauer unmöglich, da sich im
gegenwärtigen Gesundheitssystem „alles am Profit"
orientiere. Um die Patienten nicht „zum Spielball der
Interessen" werden zu lassen, warb er auch für eine bessere
Förderung des Nachwuchses und eine bessere Bezahlung.
Flemming Meyer (SSW) rief Regierung und Parlament
auf, die Sicherung des Versorgungsniveaus zu steuern. Überlasse man
Planung und Durchführung ausschließlich den Marktkräften, werde
es „abseits der Ballungsräume zu massiven Engpässen
kommen".