Landestheater
soll
Einsparpotenziale prüfen
Kiel (SHL/26.02.) Das
finanzgebeutelte Schleswig-Holsteinische Landestheater hat nicht den
erhofften Rückenwind von der Landespolitik bekommen. Die Koalition
lehnte einen Vorstoß von SPD, Grünen und SSW, den nach eigenem
Bekunden von der
Insolvenz bedrohten zwölf Bühnen mit weiteren öffentlichen
Mitteln kurzfristig unter die Arme zu greifen, ab. Stattdessen
forderten CDU und FDP von dem Landestheater unter anderem mit der
Aufstellung eines "Business-Plans", Einsparpotenziale
zu prüfen. Die Erhebung soll Aufschluss über Kostenplanungen,
personelle Entscheidungen und weitere wesentliche
Strukturentscheidungen geben und Grundlage für weitere
Verhandlungen zwischen den Gesellschaftern, kommunalen
Spitzenverbänden und der Landesregierung sein.
Angesichts der angespannten Finanzlage seien die
Vorschläge der Opposition nicht zu verantworten, hieß es aus den
Reihen von Schwarz-Gelb. Schon jetzt werde jede Eintrittskarte mit
rund 130 Euro bezuschusst. Bildungsminister Ekkehard Klug (FDP)
stellte in der Debatte unmissverständlich klar, dass das
Landestheater nicht mit zusätzlichen Mitteln rechnen könne.
Vielmehr machte er deutlich, dass die „Neuausrichtung der
Theaterstrukturen mit schmerzhaften Entscheidungen verbunden
sein" werde.
Die Landeszuweisungen für Theater und Orchester
sind seit 2009 bei 36,7 Millionen Euro pro Jahr eingefroren. Damit
ist die zuvor übliche "Dynamisierung" entfallen. SPD,
Grüne und SSW hatten sie zumindest für die nächsten drei Jahre
wieder einführen wollen. Bis 2008 waren die Zuschüsse des Landes
jährlich um drei Prozent gestiegen, um Kostensteigerungen und
Tariferhöhungen aufzufangen. Das Landestheater geht davon aus, dass
im nächsten Jahr wegen gestiegener Personalkosten die Insolvenz
droht. Auch eine Entlassung von 80 bis 90 der insgesamt 380
Mitarbeiter steht im Raum.
Das Theater selbst verlangt eine dauerhafte Dynamisierung. Der
Betriebsrat überreichte am Morgen Landtagspräsident Torsten Geerdts
(mehr als 29 000 Unterschriften für den Erhalt des Landestheaters. Das Ensemble spielt an
zwölf Bühnen im Norden und an der Westküste Schleswig-Holsteins.
Stimmen aus dem Plenum:
Hans Müller (SPD): Spartenschließungen würden die
Attraktivität des Landestheaters schmälern. Und sie würden
bedeuten, dass diejenigen, die in den letzten drei Jahren auf
Einkommen verzichtet haben, für diesen Verzicht nun mit der
Entlassung belohnt würden.
Wilfried Wengler (CDU): In den letzen vier Jahren
hat das Landestheater keine Konzepte entwickelt. Jetzt vom Land mehr
Geld zu fordern, ist zu einfach und zu billig.
Kirstin Funke (FDP): Es geht hier nicht um
Streichungen, sondern um den Erhalt des Status Quo. Dafür müssen
alle Theater im Land neue Wege gehen und ihre Ressourcen gemeinsam
nutzen.
Rasmus Andresen (Grüne): Der neue Intendant des
Landestheaters, Peter Griesbach, hat vielversprechende Konzepte zur
Erweiterung der Zielgruppe und des Angebots vorgelegt. Ihm das
Wasser abzugraben, bevor er seine Arbeit begonnen hat, macht keinen
Sinn.