Laut den Zahlen des Sozialministeriums gibt es im
Lande 89.000 alleinerziehende Elternteile – ein seit mehreren
Jahren konstanter Wert. Damit fällt etwa jede fünfte Familie im
Lande in diese Kategorie. Der Großteil (86 Prozent) sind Mütter.
Laut Statistischem Bundesamt waren im Jahr 2008 rund 36 Prozent der
Personen, die in Haushalten von Alleinerziehenden lebten, von Armut
bedroht. Zum Vergleich: Die Armutsgefährdung von Personen in
Haushalten mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern lag bei nur acht
Prozent.
Minister Klug wies auf die verschiedenen staatlichen
Hilfsprogramme hin – vom kürzlich auf den Weg gebrachten
Hartz-IV-Bildungspaket über die Förderprogramme durch die
Bundesagentur für Arbeit bis hin zu Projekten des Landes wie dem
"Zukunftsprogramm Arbeit" und den Beratungsstellen
"Frau und Beruf". Zudem würden bis 2013 insgesamt 490
Millionen Euro in die frühkindliche Betreuung im Lande gesteckt,
und es gebe in Schleswig-Holstein inzwischen über 460
Ganztagsschulen. „Alleinerziehende bekommen vielfach
Unterstützung", so Klug.
SPD bemängelt Entzug der „finanzielle
Grundlage" /
CDU fordert „passgenaue Kinderbetreuung"
Siegrid Tenor-Alschausky (SPD) mochte diesem
positiven Fazit nicht zustimmen. „Es reicht nicht aus, sich auf
gute Ansätze und Projekte früherer Regierungen zu berufen, ihnen
dann vielfach die finanzielle Grundlage zu entziehen und auf die
Herausforderungen der Zukunft keine Visionen zu entwickeln",
hielt sie der Landesregierung vor. So gebe es im Lande 23.000
Mütter ohne abgeschlossene Berufsausbildung, aber viele der
Berufsberatungsstellen „werden ihre Arbeit nach den jüngsten
Haushaltsbeschlüssen einstellen müssen."
Auch Katja Rathje-Hoffmann (CDU) stufte die
Rückkehr in den Beruf als großes Hindernis für viele Betroffene
ein. Alleinerziehende müssten die Möglichkeit haben, Vollzeit zu
arbeiten. Hierfür bräuchten sie eine „passgenaue
Kinderbetreuung", anstatt auf „Notfalllösungen und gute
Netzwerke" angewiesen zu sein. „Alleinerziehende dürfen
nicht die Verlierer im sozialen Miteinander und auf dem Arbeitsmarkt
sein", unterstrich Rathje-Hoffmann.
FDP: Wirtschaft muss von
„alten, starren Mustern" abrücken
Die Arbeitszeitmodelle in den Betrieben seien
häufig zu unflexibel, mahnte Anita Klahn (FDP). Hier müsse sich
die Wirtschaft bewegen und von „alten, starren Mustern"
abrücken. „Wir steuern auf einen Fachkräftemangel zu und lassen
gleichzeitig das Potential von Alleinerziehenden brach liegen",
klagte Klahn.
Marret Bohn (Grüne) wies darauf hin, dass
Alleinerziehende wegen ihrer „schwierigen Rahmenbedingungen"
im Schnitt einen schlechteren Gesundheitszustand und ein höheres
Krankheitsrisiko aufwiesen. Laut Regierungspapier geben 56 Prozent
der alleinerziehenden Mütter ihren Gesundheitszustand mit gut oder
sehr gut an, im Vergleich zu 62 Prozent bei den verheirateten
Müttern.
„Es kann nicht sein, dass die Entscheidung oder
die Notwendigkeit, ein Kind allein zu erziehen, für beide,
Elternteil und Kind, mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Lebensweg
durch die Flure der Armutsverwaltung vorzeichnet", betonte
Antje Jansen (Linke). Auch berufstätige Alleinerziehende Mütter
und Väter müssten oft über Hartz IV „aufstocken". Im
Jahresdurchschnitt 2008 bezogen laut Bundesagentur für Arbeit 41,6
Prozent aller Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern
Hartz-IV-Leistungen, im Vergleich zu 8,7 Prozent bei Paaren mit
Kindern.
SSW: „Gesellschaftlich konstruierte
Barrieren" abbauen
Flemming Meyer (SSW) machte „gesellschaftlich
konstruierte Barrieren" aus, die „gezielt beseitigt"
werden müssten. Hierzu zählte er das Steuerrecht, insbesondere das
Ehegattensplitting – „es höhlt die Erwerbsneigung von Frauen
aus". Und auch Meyer warf vielen Unternehmen vor, „familienfeindliche
Arbeitsplätze" anzubieten.
Das Regierungspapier wird im Sozialausschuss, im
Bildungsausschuss und im Wirtschaftsausschuss weiter beraten.