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Auf dieser Seite: Minderjährige Flüchtlinge

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Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge 
in Schleswig-Holstein
Große Anfrage der Fraktion DIE LINKE – Drucksache 17/815
Antwort der Landesregierung / Federführend ist das Ministerium für Justiz, Gleichstellung und Integration – Drs. 17/1247 

Flüchtlingsströme erreichen Schleswig-Holstein: Immer mehr Jugendliche müssen betreut werden

Kiel (SHL/23.02.) Die Flüchtlingsströme aus den Krisenregionen der Welt ins sichere Europa erreichen zunehmend auch Schleswig-Holstein. Immer mehr Jugendliche ohne Begleitung ihrer Eltern, vor allem aus dem Nahen und Mittleren Osten, kommen im Lande an und müssen von den Jugendbehörden betreut werden. Hierauf hat Justizminister Emil Schmalfuß (parteilos) in seiner Antwort auf eine Große Anfrage der Linken hingewiesen. „Wir tun, was wir können, um erste Hilfe zu leisten", betonte der Minister. Allerdings entziehe sich ein großer Teil der sogenannten unbegleiteten Flüchtlinge den Kreis-Jugendämtern, um nach Skandinavien weiterzureisen. Von den Abgeordneten kam auch Kritik an der Behördenpraxis im Lande.

Antje Jansen (Linke) warf einigen Kreisen vor, die Flüchtlinge nicht gut zu betreuen. So würden die Betroffenen häufig nicht über ihre Rechte aufgeklärt und hätten so keine Möglichkeit, in Deutschland einen Asylantrag zu stellen. Koalition, SPD, Grüne und SSW wehrten sich zwar gegen eine „Pauschalverurteilung" der Kommunen und gestanden ihnen zu, in diesem Bereich inzwischen „sensibler" zu agieren als noch vor einigen Jahren. Allerdings sei es „nicht akzeptabel", dass einige der Betroffenen ins Rendsburger Abschiebegefängnis gebracht worden seien. Minister Schmalfuß wies darauf hin, dass dennoch keiner der Betroffenen ins Heimatland abgeschoben worden sei.

Die meisten Jugendlichen 
kommen aus Afghanistan

Die Zahl der jugendlichen Flüchtlinge, die in Schleswig-Holstein ohne Begleitung ihrer Eltern von den Behörden aufgenommen werden, ist von 46 im Jahr 2007 auf 277 im Jahr 2009 angestiegen. In den ersten zehn Monaten des letzten Jahres – so weit reicht die Statistik des Ministeriums – waren es 201, davon allein 60 im Monat September. Ein Großteil der jungen Menschen kam aus Afghanistan (300 Fälle) und dem Irak (66). Die Jugendlichen werden von den Jugendämtern betreut und untergebracht, und sie erhalten einen Vormund, bis ihre Identität geklärt ist.

Der Innen- und Rechtsausschuss berät das Thema weiter.

Weitere Redner: Astrid Damerow (CDU), Serpil Midyatli (SPD), Gerrit Koch (FDP), Thorsten Fürter (Grüne), Silke Hinrichsen (SSW)

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Hintergrund:
Die Zahl der jugendlichen Flüchtlinge, die in Schleswig-Holstein ohne Begleitung ihrer Eltern von den Behörden aufgenommen werden, ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen: von 46 im Jahr 2007 auf 145 im Jahr 2008 und auf 277 im Jahr 2009. In den ersten zehn Monaten des letzten Jahres – so weit reicht die Statistik des Justizministeriums – waren es 201. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Große Anfrage der Linken hervor.

Allein im September 2010 wurden in Schleswig-Holstein 60 jugendliche Flüchtlinge gezählt – die höchste Zahl in einem einzelnen Monat seit Beginn der Statistik im Januar 2007. Ein Großteil der jungen Menschen kam aus dem Nahen und Mittleren Osten, insbesondere aus Afghanistan (300 Fälle) und aus dem Irak (66).

in Schleswig-Holstein leben derzeit 
142 minderjährige Flüchtlinge

Die Kinder und Jugendlichen werden von den Jugendämtern betreut und untergebracht, und sie erhalten einen Vormund, bis ihre Identität geklärt ist. Allerdings, so das Regierungspapier, entzieht sich ein großer Teil der Jugendlichen vor Abschluss des sogenannten Clearing-Verfahrens der Inobhutnahme. Grund sei oft „der Wille zur Weiterreise nach Skandinavien". Seit 2007 haben zudem 196 jugendliche Flüchtlinge einen Asylantrag gestellt, in 20 Fällen mit Erfolg. Von den abgelehnten Asylbewerbern wurde nach Angaben der Landesregierung niemand abgeschoben. 86 Jugendliche haben sich zu einem deutschen Sprachkurs angemeldet.

Derzeit leben nach Angaben des Ministeriums 142 minderjährige Flüchtlinge in Schleswig-Holstein, die sich allerdings sehr ungleichmäßig über das Land verteilen. Während die Jugendämter in Heide, Plön, Segeberg, Itzehoe und Norderstedt keinen einzigen Fall in ihrem Bereich verzeichnen, sind es im Kreis Ostholstein 41. Hier führen Autobahn und Fährverbindung nach Skandinavien.

Die Linken hatten das Thema bereits im Januar 2010 auf die Tagesordnung gesetzt. Sie sprachen sich, im Einklang mit Flüchtlingshilfsorganisationen, für den Aufbau einer Clearing-Stelle aus, die die zum Teil schwer traumatisierten jungen Leute psychologisch und ärztlich betreut. Dieses Angebot, das es bereits in anderen Bundesländern wie Hessen, Brandenburg und Niedersachsen gibt, soll die Arbeit der gerichtlichen Vormunde ergänzen. Die Koalition hatte allerdings skeptisch auf diesen Vorschlag reagiert.

Vorherige Debatten zum Thema:
plenum-online
Januar 2010 (Clearing-Verfahren), Oktober 2010 (Abschiebehaft), Februar 2008

Stichwort: Große Anfrage
Eine Fraktion oder mindestens 18 Abgeordnete können eine Große Anfrage an die Landesregierung stellen. An die Beantwortung soll sich eine Aussprache im Landtag anschließen. Kann eine Anfrage nicht innerhalb eines Monats beantworten werden, so muss der Präsident die Große Anfrage auf Verlangen der Fragestellenden auf die Tagesordnung der nächsten Plenarsitzung setzen.

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Große Anfrage:
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