Anlass der Debatte war ein Antrag der SPD unter der
Überschrift "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit und mehr
Mitbestimmung", der von der Koalition abgelehnt wurde. Die
Regierungsfraktionen brachten mit ihrer Stimmenmehrheit stattdessen
einen eigenen Antrag durchs Parlament, in dem sie sich unter anderem
dafür aussprechen, die Arbeitnehmerfreizügigkeit schnellstmöglich
auf alle EU-Staaten auszudehnen. Hintergrund: Ab dem 1. Mai können
auch die Bürger der zehn im Jahr 2004 in die EU eingetretenen ost-
und südosteuropäischen Länder ihren Arbeitsplatz frei wählen.
Bei diesen Ländern handelt es sich um Estland, Lettland, Litauen,
Ungarn, Malta, Slowakei, Slowenien, Zypern, Tschechien und Polen.
Baasch: Ausbeutungsvorhaben rechtzeitig
„konsequenten Riegel vorschieben"
Bildungsminister Ekkehard Klug (FDP) warf den
Sozialdemokraten in der Debatte vor, mit ihrem Antrag „Ängste zu
schüren". Dem widersprach Wolfgang Baasch (SPD). Seine Partei
wolle rechtzeitig Ausbeutungsvorhaben „einen konsequenten Riegel
vorschieben". Schon jetzt gebe es in Polen Veranstaltungen, auf
denen mit Blick auf die Zeitarbeitsbranche erklärt werde, wie in
den polnischen Tarifverträgen ein Mindestlohn von 2,80 Euro
vereinbart werden kann. Diese Problematik wurde von Johannes Callsen
(CDU) bestätigt: Auch ihm lägen Einladungen zu solchen Seminaren
vor. Gleichwohl sei der „Staat nicht der bessere
Lohnfestsetzer"; deshalb setze die Union nach wie vor auf
Branchenlösungen.
Weitere Stimmen aus dem Plenum:
Christopher Vogt (FDP):
Deutschland hat die Arbeitnehmerfreizügigkeit für die neuen
EU-Bürger aus Osteuropa wiederholt eingeschränkt, ab dem 1. Mai
2011 wird dies bei den neuen osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten
nicht mehr möglich sein. Die FDP-Fraktion begrüßt, dass diese
Einschränkung jetzt ein Ende hat.
Andreas Tietze (Grüne):
Kurz vor dem unwiderruflichen Start der Freizügigkeit gibt es keine
fairen Wettbewerbsregeln auf dem deutschen Arbeitsmarkt und auch
keine effektiven Maßnahmen gegen Lohndumping - das ist richtig
peinlich.
Björn Thoroe (Linke):
Es darf keinen Wettbewerb um die niedrigsten Löhne geben. Vielmehr
ist die Arbeitsmarktöffnung ein weiteres Argument für einen
Mindestlohn von zehn Euro.
Anke Spoorendonk (SSW):
Lohndumping gibt es überall da, wo es keine Standards gibt. In
Großbritannien lag das Einkommen der Mittelosteuropäer um ein
Drittel unter dem der Einheimischen.