Wenige Tage vor der Entscheidung der SPD-Mitglieder
über die Spitzenkandidatur für den bevorstehenden Urnengang
kritisierte Stegner (Foto) erneut die „unsozialen, willkürlichen
Kürzungen zulasten der Schwächsten" im schwarz-gelben
Doppelhaushalt 2011/12. Die Koalition weise auf allen Politikfeldern
eine schlechte Bilanz vor, und der Ministerpräsident sei nicht in
der Lage gegenzusteuern. Carstensen konzentriere seine
Richtlinienkompetenz „auf den Käsestand bei der Grünen
Woche", stichelte Stegner.
Koalitionsspitzen weisen
Stegners Angriffe zurück
Die Spitzen der Koalitionsfraktionen, Christian von
Boetticher (CDU) und Wolfgang Kubicki (FDP), drehten den Spieß um.
Der „neue Kapitän" Carstensen habe das Land
Schleswig-Holstein 2005 nach 17 Jahren SPD-Führung „in einem
katastrophalen Zustand" übernommen, merkte von Boetticher (Foto)
an.
„Mittlerweile sind wir in der Finanzpolitik wieder geachtet",
so der designierte Spitzenkandidat der Union, während die
Sozialdemokraten sich nicht weiterentwickelt hätten und Stegner nur
„Sprechblasen" verbreite. Stegner habe „keinen eigenen
politischen Kompass", und hänge nur „sein Fähnchen in den
Wind", setzte Kubicki hinzu. Er trete „vehement dafür ein,
dass Sie Spitzenkandidat werden", rief der Liberale dem
SPD-Chef zu – denn dies steigere die Chancen von Schwarz-Gelb auf
Wiederwahl.
Die SSW-Fraktionsvorsitzende Anke Spoorendonk
konzentrierte ihre Attacken auf Bildungsminister Klug und seinen
wieder einkassierten Attest-Erlass. Dieser sah einen ärztlichen
Check für Schüler vor, die aufs G9-Abi wechseln wollen. Sie
bezweifelte, „ob der Minister und sein Staatssekretär die
erforderlichen Kulturtechniken beherrschen" – und den
umstrittenen Erlass vor der Abzeichnung überhaupt gelesen hätten.
Bildungspolitisch sei Schleswig-Holstein, etwa auch durch die
Schließungspläne für die Uni-Medizin in Lübeck, zur „Lachnummer
in Deutschland" geworden, argwöhnte Heinz-Werner Jezewski
(Linke). Er warf CDU und FDP vor, durch die Konzentration auf „Sparen,
Sparen, Sparen", einen „schändlichen Raubbau an den sozialen
Strukturen" zu begehen. „Wer all dies zu verantworten hat,
ist für das Land nicht mehr tragbar", so Jezewski.
Grüne kritisieren Landesregierung wegen
Nichtbeteiligung an der Debatte
Trotz der scharfen Angriffe beteiligte sich kein
Mitglied der Landesregierung an der Debatte, was
Grünen-Fraktionschef Robert Habeck scharf kritisierte. „Heute
wäre die Chance gewesen, die Linien der Regierungspolitik zu
erklären", so Habeck: „Aber Sie verweigern die
Aussprache." Anstatt in einem „Duktus der
Überheblichkeit" die eigenen Pläne als „alternativlos"
darzustellen, müsse die Regierung in den Dialog mit der Opposition
wie auch mit den Bürgern treten. Damit würde das Kabinett dem
generellen „Vertrauensverlust" der Wähler in die politischen
Institutionen entgegentreten.