Den Schuldenstopp hat der Landtag im vergangenen
Jahr mit großer Mehrheit in die Landesverfassung geschrieben -
lediglich die Linken waren dagegen und untermauerten ihre
Grundsatzkritik auch in dieser Debatte. Nach den Vorgaben muss die
Neuverschuldung Jahr für Jahr sinken. Ab 2020 soll das klamme
Schleswig-Holstein dann ganz ohne neue Kredite auskommen. Die nun
vorgelegten Gesetze sollen regeln, in welcher Höhe die
Neuverschuldung heruntergefahren werden muss, um die Vorschrift
einzuhalten. Der wesentliche Unterschied: Die Koalition setzt engere
Grenzen für die Kreditaufnahme als die drei Oppositionsfraktionen.
Nach Lesart von CDU und FDP dürfte
Schleswig-Holstein zum Beispiel im laufenden Jahr 895 Millionen Euro
neue Schulden machen. SPD, Grüne und SSW streben dagegen einen
Korridor von 1,05 Milliarden an. Insgesamt könnte das Land nach den
Oppositionsplänen bis 2020 rund 900 Millionen Euro mehr Schulden
aufnehmen als Schwarz-Gelb es zulassen will. Dies sei "ein
Spiel mit dem Feuer", mahnte Wiegard. Er warf Sozialdemokraten,
Grünen und SSW vor, die "charakterlose Schuldenpolitik
früherer Jahre fortsetzen" zu wollen.
SPD: Koalition "mutet den Menschen
Belastungen zu,
die sich aus der Schuldenbremse nicht ableiten lassen"
Die Angegriffenen wiesen das empört zurück. Die
vorgelegten Zahlen ergäben sich aus dem Abkommen zwischen Land und
Bund zur Konsolidierungshilfe, merkte Birgit Herdejürgen (SPD) an.
Diese Berechnungsmethode werde auch von anderen Bundesländern
angewendet. Nur Schwarz-Gelb im Norden "mutet den Menschen
Belastungen zu, die sich aus der Schuldenbremse nicht ableiten
lassen", so Herdejürgen.
Die schwarz-gelbe Haushaltspolitik sei
"willkürlich und nicht nachvollziehbar", klagte auch
Monika Heinold (Grüne). Es wäre verantwortungslos, "das
Sparkorsett so eng zu schnüren, dass dem Land die letzte Luft zum
Atmen genommen wird". Und Lars Harms (SSW) argwöhnte: Die
"Selbstbeschränkung der Landesregierung" sei der
"Versuch, einer zukünftigen Regierung moralische Handschellen
aufzulegen, auf Kosten der Bürger".
Grünen-Fraktionschef Robert Habeck warf
Finanzminister Wiegard vor, sein Gesetz im Alleingang formuliert und
nicht im Vorwege den Konsens mit den anderen Fraktionen gesucht zu
haben. Damit seien "Gräben und Rituale wieder aufgemacht"
worden. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki merkte
daraufhin an: "Der letzte Rest an schwarz-grünen Träumereien
ist erledigt."
CDU: Sozialdemokraten "stellen sich
selbst einen Blankoscheck aus"
Johannes Callsen (CDU) warf der SPD vor, im
Wahlkampf "ungedeckte Schecks" von 250 Millionen Euro
auszustellen. "Sie haben nicht den Mut, den Menschen zu sagen,
wo sie einsparen wollen. Sie stellen sich selbst einen Blankoscheck
aus", so der Fraktionschef der Union an die Adresse der Sozialdemokraten. Auch
Katharina Loedige (FDP) attackierte die Opposition: "Sie
weichen unbequemen Themen aus und hoffen, dass es keiner
merkt." Dies sei "Wählertäuscherei". Die
Versprechungen der Opposition seien "nicht umsetzbar und nicht
finanzierbar".
Als einziger lehnte Uli Schippels (Linke) die
Verfassungsvorgaben als "Schuldenbremsen-Fundamentalismus"
grundsätzlich ab und sprach von einer "Bildungsbremse".
Durch zu knappe Haushaltsansätze fehlten Hauhaltsmittel für die
Schulen wie auch beim Blindengeld oder bei den Frauenhäusern.
"Wir wollen den Niedergang des öffentlichen Vermögens
stoppen", so Schippels.
Die Gesetzentwürfe werden nun im Finanzausschuss
weiter beraten.