Klug hatte unter dem Titel "Bildung als
Lebenschance" eine Reihe von bildungspolitischen Zielen sowie
das dafür benötigte Personal aufgelistet - in der Summe 628
zusätzliche Planstellen, etwa für gebundene Ganztagsschulen,
Schulpsychologen und Differenzierungsstunden an Regional- und
Gemeinschaftsschulen. Damit konnte sich die FDP aber nicht gegen den
Koalitionspartner CDU durchsetzen, der auf den vereinbarten Sparkurs
pochte. Im Landtag stellte sich Klug erneut hinter sein Papier. Er
hoffe, dass dessen Inhalte "zu einem späteren Zeitpunkt
realisiert werden", wenn die finanziellen Rahmenbedingungen
mehr "Spielräume" erlaubten.
Stegner: "Mit guten Schulen wird es
auch weniger Schulden geben"
Das Papier sei "ein Dokument des Scheiterns
schwarz-gelber Bildungspolitik", konstatierte SPD-Fraktionschef
Ralf Stegner. Es belege, dass es offenbar "eklatante
Defizite" gebe. Aufgrund des schwarz-gelben
"Streichkonzertes" fehlten überall Lehrerstellen. Die
Sozialdemokraten forderten für die Haushaltsjahre 2013 und 2014
jeweils 15 neue Stellen für die Sprachförderung und je 45
zusätzliche Stellen für Lese- und Mathe-Projekte. "Mit guten
Schulen wird es bald auch weniger Schulden geben", betonte
Stegner mit Blick auf Einwände, die Sozialdemokraten würden mit
ihren Versprechungen die Schuldenbremse in der Landesverfassung
außer acht lassen.
Franzen: Opposition macht "reine
Luftbuchungen, die mit nichts hinterlegt sind"
"Auch und gerade weil wir uns im Wahlkampf
befinden, sollte sich jeder in diesem Hause gründlich überlegen,
was er den Wählerinnen und Wählern verspricht", gab Heike
Franzen (CDU) zurück. Allein in der laufenden Landtagssitzung
summierten sich die von der Opposition geforderten Extra-Ausgaben
auf "78 Millionen Euro plus x". Dies seien "reine
Luftbuchungen, die mit nichts hinterlegt sind". Franzen
verteidigte den schwarz-gelben Sparkurs, wonach bis 2020 insgesamt
3.650 Lehrerstellen wegfallen sollen. Aufgrund sinkender
Schülerzahlen habe sich die Lehrerversorgung dennoch "deutlich
verbessert". Heute gebe es "1.000 Lehrer mehr und 16.000
Schüler weniger" als unter Rot-Grün.
Kubicki: SPD-Regierungsprogramm
ist eine "intellektuelle Beleidigung"
FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki bezeichnete das
SPD-Regierungsprogramm als "intellektuelle Beleidigung".
Die Sozialdemokraten stellten "mehr als 300 Millionen Euro
strukturelle Mehrausgaben" in Aussicht. Finanziert werden solle
dies "mit sogenannten Bildungsmangel-Folgekosten in Höhe von
120 Millionen Euro. Die Deckungslücke von 180 Millionen?
Geschenkt!" Kubicki warf SPD und Grünen zudem vor, das Land in
die "bildungspolitische Rückständigkeit" geführt und
einen Großteil der aktuellen Probleme an den Schulen verursacht zu
haben.
Habeck beklagt rote "ungedeckte
Versprechen"
und "schwarzen Verbalradikalismus"
Die Grünen verlangten erneut, auf den geplanten
Abbau von 300 Lehrerstellen zum kommenden Schuljahr zu verzichten.
Der Fraktionsvorsitzende Robert Habeck wies den Koalitionsvorstoß
zum Vertretungsfonds zurück: "Sie streichen feste Stellen und
geben sie als Vertretung zurück" - das sei "nicht
nachhaltig". Mit Blick auf den klammen Landeshaushalt und die
bildungspolitischen Wünsche für die kommenden Jahre wandte sich
Habeck sowohl gegen rote "ungedeckte Versprechen"
als auch gegen "schwarzen Verbalradikalismus". Die CDU
hatte am Mittwoch vehement auf eine strikte Auslegung der
Schuldenbremse gedrungen.
Thoroe will an den Schulen
"Lehrer-Ersatzbank" einrichten
Gegen "unsoziale Kürzungsorgien" an den
Schulen protestierten die Linken. Der Abgeordnete Björn Thoroe
forderte, die Klassengrößen um "mindestens vier
Schüler" zu senken und zugleich bei den Lehrern eine
"Personalreserve" von fünf Prozent über dem Bedarf als
"Ersatzbank" an den Schulen einzurichten. Es sei
"absurd anzunehmen, dass nie jemand krank wird".
Spoorendonk: "Alles, was über
Qualitätsentwicklung
gesagt wird, entpuppt sich als heiße Luft"
SSW-Fraktionschefin Anke Spoorendonk attackierte die
von Schwarz-Gelb beschlossenen Stellenstreichungen. Damit
"entpuppt sich alles, was über Qualitätsentwicklung gesagt
wird, als heiße Luft". Der nun vorgesehene
"Unterrichtsnotarzt" sei nur eine
"Beruhigungspille", zumal es gar nicht genügend
Pädagogen für diese Tätigkeit gebe.
Der Bildungsausschuss berät die vorgelegten
Anträge weiter, unter anderem auch einen SSW-Antrag für bessere
Rahmenbedingungen für den Friesisch-Unterricht. Ein rot-grüner
Antrag zum geplanten Betreuungsgeld wurde an den Soziallausschuss
überwiesen.