plenum-online wird während der Tagung ständig aktualisiert. Betätigen Sie bitte bei Aufruf einer Seite die Funktion "Neu laden" , "Aktualisieren" oder "reload", um ggf. die neueste Fassung zu erhalten.  

Auf dieser Seite: Generaldebatte zur Schulpolitik

xxx

Top 25
Bildung ist Lebenschance

Antrag der Fraktion der SPD - Drucksache 17/2231
  Aufruf gemeinsam mit
Top 28
Unterrichtsausfall in Schleswig-Holstein 
erfassen und gegensteuern

Antrag der Fraktion DIE LINKE - Drucksache 17/2253(neu) 
  Aufruf gemeinsam mit
Top 31
Friesischunterricht an den Schulen ausweiten

Antrag der Fraktion des SSW - Drucksache 17/2258 
  Aufruf gemeinsam mit
Top 33
Kein Kind zurücklassen - Ausbau der 
Lese- und mathematischen Förderung

Antrag der Fraktion der SPD - Drucksache 17/2260
  Aufruf gemeinsam mit
Top 34
Stärkung der Sprachförderung

Antrag der Fraktion der SPD - Drucksache 17/2261 
  Aufruf gemeinsam mit
Top 36
Betreuungsgeld stoppen

Antrag der Fraktionen von SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN,
DIE LINKE und SSW - Drs. 17/2273(neu) 
  Aufruf gemeinsam mit
Top 37
Keine Streichung von Lehrerstellen 
zum kommenden Schuljahr

Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Drucksache 17/2274 

Klug verteidigt sein Vorschlagspapier 
"Bildung als Lebenschance"

Generaldebatte zu Schulen und Schulden: 
Opposition fordert mehr Lehrerstellen - Schwarz-Gelb will Vertretungsfonds aufstocken und Haushalt konsolidieren

Kiel (SHL/24.02.) Geld für die Bildung - das bleibt ein zentrales Streitthema zwischen den Parteien im heraufziehenden Landtagswahlkampf. Die Oppositionsfraktionen bekräftigten in einer über zweistündigen, emotionalen Debatte ihre Forderung nach Hunderten zusätzlicher Lehrerstellen. Wünschenswert, aber aufgrund der Haushaltslage nicht finanzierbar, konterte Schwarz-Gelb. Die Koalition will stattdessen den Unterrichtsausfall über einen auf 24 Millionen Euro pro Jahr aufgestockten Vertretungsfonds bekämpfen. Dies sei "in Zeiten, in denen uns die Bewältigung der Schuldenlast zur Haushaltskonsolidierung zwingt, eine bemerkenswerte Anstrengung", stellte Bildungsminister Ekkehard Klug (FDP) heraus, dessen im Januar vorgelegtes Vorschlagspapier aus dem Januar erneut hohe Wellen schlug. Für die Generaldebatte in Sachen Bildung lagen sieben Anträge vor.

Klug hatte unter dem Titel "Bildung als Lebenschance" eine Reihe von bildungspolitischen Zielen sowie das dafür benötigte Personal aufgelistet - in der Summe 628 zusätzliche Planstellen, etwa für gebundene Ganztagsschulen, Schulpsychologen und Differenzierungsstunden an Regional- und Gemeinschaftsschulen. Damit konnte sich die FDP aber nicht gegen den Koalitionspartner CDU durchsetzen, der auf den vereinbarten Sparkurs pochte. Im Landtag stellte sich Klug erneut hinter sein Papier. Er hoffe, dass dessen Inhalte "zu einem späteren Zeitpunkt realisiert werden", wenn die finanziellen Rahmenbedingungen mehr "Spielräume" erlaubten.

Stegner: "Mit guten Schulen wird es
auch weniger Schulden geben"

Das Papier sei "ein Dokument des Scheiterns schwarz-gelber Bildungspolitik", konstatierte SPD-Fraktionschef Ralf Stegner. Es belege, dass es offenbar "eklatante Defizite" gebe. Aufgrund des schwarz-gelben "Streichkonzertes" fehlten überall Lehrerstellen. Die Sozialdemokraten forderten für die Haushaltsjahre 2013 und 2014 jeweils 15 neue Stellen für die Sprachförderung und je 45 zusätzliche Stellen für Lese- und Mathe-Projekte. "Mit guten Schulen wird es bald auch weniger Schulden geben", betonte Stegner mit Blick auf Einwände, die Sozialdemokraten würden mit ihren Versprechungen die Schuldenbremse in der Landesverfassung außer acht lassen.

Franzen: Opposition macht "reine
Luftbuchungen, die mit nichts hinterlegt sind"

"Auch und gerade weil wir uns im Wahlkampf befinden, sollte sich jeder in diesem Hause gründlich überlegen, was er den Wählerinnen und Wählern verspricht", gab Heike Franzen (CDU) zurück. Allein in der laufenden Landtagssitzung summierten sich die von der Opposition geforderten Extra-Ausgaben auf "78 Millionen Euro plus x". Dies seien "reine Luftbuchungen, die mit nichts hinterlegt sind". Franzen verteidigte den schwarz-gelben Sparkurs, wonach bis 2020 insgesamt 3.650 Lehrerstellen wegfallen sollen. Aufgrund sinkender Schülerzahlen habe sich die Lehrerversorgung dennoch "deutlich verbessert". Heute gebe es "1.000 Lehrer mehr und 16.000 Schüler weniger" als unter Rot-Grün.

Kubicki: SPD-Regierungsprogramm
ist eine "intellektuelle Beleidigung"

FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki bezeichnete das SPD-Regierungsprogramm als "intellektuelle Beleidigung". Die Sozialdemokraten stellten "mehr als 300 Millionen Euro strukturelle Mehrausgaben" in Aussicht. Finanziert werden solle dies "mit sogenannten Bildungsmangel-Folgekosten in Höhe von 120 Millionen Euro. Die Deckungslücke von 180 Millionen? Geschenkt!" Kubicki warf SPD und Grünen zudem vor, das Land in die "bildungspolitische Rückständigkeit" geführt und einen Großteil der aktuellen Probleme an den Schulen verursacht zu haben.

Habeck beklagt rote "ungedeckte Versprechen"
und "schwarzen Verbalradikalismus"

Die Grünen verlangten erneut, auf den geplanten Abbau von 300 Lehrerstellen zum kommenden Schuljahr zu verzichten. Der Fraktionsvorsitzende Robert Habeck wies den Koalitionsvorstoß zum Vertretungsfonds zurück: "Sie streichen feste Stellen und geben sie als Vertretung zurück" - das sei "nicht nachhaltig". Mit Blick auf den klammen Landeshaushalt und die bildungspolitischen Wünsche für die kommenden Jahre wandte sich Habeck sowohl gegen rote "ungedeckte Versprechen" als auch gegen "schwarzen Verbalradikalismus". Die CDU hatte am Mittwoch vehement auf eine strikte Auslegung der Schuldenbremse gedrungen.

Thoroe will an den Schulen
"Lehrer-Ersatzbank" einrichten

Gegen "unsoziale Kürzungsorgien" an den Schulen protestierten die Linken. Der Abgeordnete Björn Thoroe forderte, die Klassengrößen um "mindestens vier Schüler" zu senken und zugleich bei den Lehrern eine "Personalreserve" von fünf Prozent über dem Bedarf als "Ersatzbank" an den Schulen einzurichten. Es sei "absurd anzunehmen, dass nie jemand krank wird".

Spoorendonk: "Alles, was über Qualitätsentwicklung
gesagt wird, entpuppt sich als heiße Luft"

SSW-Fraktionschefin Anke Spoorendonk attackierte die von Schwarz-Gelb beschlossenen Stellenstreichungen. Damit "entpuppt sich alles, was über Qualitätsentwicklung gesagt wird, als heiße Luft". Der nun vorgesehene "Unterrichtsnotarzt" sei nur eine "Beruhigungspille", zumal es gar nicht genügend Pädagogen für diese Tätigkeit gebe.

Der Bildungsausschuss berät die vorgelegten Anträge weiter, unter anderem auch einen SSW-Antrag für bessere Rahmenbedingungen für den Friesisch-Unterricht. Ein rot-grüner Antrag zum geplanten Betreuungsgeld wurde an den Soziallausschuss überwiesen.

- Druckversion -

zurück zum Textanfang

Hintergrund:
Gut drei Monate vor der Wahl prallen im Landtag die unterschiedlichen Positionen in der Bildungspolitik erneut aufeinander. Sieben Anträge liegen für diese Generalaussprache vor. Ein Kernpunkt ist erneut - wie bereits in den letzten beiden Landtagssitzungen - die aktuelle Debatte um den Abbau von Lehrerstellen und den Unterrichtsausfall. Daneben geht es auch - und ebenfalls erneut - um das auf Bundesebene geplante Betreuungsgeld sowie um den Friesisch-Unterricht.

Thema Lehrerstellen 
und Unterrichtsausfall:

Die Diskussion über den Abbau von mehreren hundert Lehrerstellen hat bereits die letzten Landtagssitzungen im Dezember 2011 und im Januar dominiert. Anlass war ein FDP-Parteitagsbeschluss aus dem letzten November, wonach 300 Lehrerstellen weniger gestrichen werden sollten als von der Koalition ursprünglich geplant. Die Finanzierung sollte über Steuer-Mehreinnahmen und eine geringere Haushaltsbelastung aufgrund niedriger Zinssätze sichergestellt werden. Der Koalitionspartner CDU ging diesen Kurs jedoch nicht mit und verwies auf den vereinbarten Sparkurs. Demnach sollen bis 2020 insgesamt 3.650 Lehrerstellen wegfallen. 300 wurden bereits zum laufenden Schuljahr gestrichen, 300 weitere sollen laut den Plänen im Sommer folgen.

Im Januar legte Bildungsminister Ekkehard Klug (FDP) dann unter dem Titel "Bildung als Lebenschance" ein Papier vor, in dem er eine Reihe von bildungspolitischen Zielen und die dafür benötigten Personalstellen auflistete - zum Beispiel 100 zusätzliche Lehrer an gebundenen Ganztagsschulen, 100 neue Pädagogen an beruflichen Gymnasien und 50 Extra-Stellen, um kleine Dorfschulen zu erhalten. In der Summe listet Klug 628 zusätzliche Planstellen auf. Die SPD hakt nun im Landtag nach, ob die Stoßrichtung des Papiers von der gesamten Landesregierung geteilt wird. Zudem fordern die Sozialdemokraten für die kommenden Haushaltsjahre 2013 und 2014 jeweils 15 neue Stellen für die Sprachförderung und je 45 zusätzliche Stellen für die Projekte "Lesen macht stark" und "Mathe macht stark".

Die Grünen verlangen erneut, auf den geplanten Abbau von 300 Lehrerstellen zum kommenden Schuljahr zu verzichten. Die dafür benötigten sechs Millionen Euro sollten durch "Einsparungen, Minderausgaben oder Mehreinnahmen an anderer Stelle" finanziert werden. Hierzu soll die Landesregierung bis März einen Nachtragshaushalt vorlegen. Die Linken machen sich zudem für "Sofortmaßnahmen" gegen den Unterrichtsausfall stark, der im Lande "dramatische Ausmaße" angenommen habe.

Unterdessen hat sich der schwarz-gelbe Koalitionsausschuss auf eine gemeinsame Linie in der Bildungsdebatte verständigt. Demnach sollen im Haushalt 2013/2014 pro Jahr 15 Millionen Euro mehr für Bildung bereitgestellt werden. Und: Der Vertretungsfonds für Lehrer soll auf 24 Millionen Euro im Jahr verdoppelt werden. Dies sei möglich, da in den nächsten beiden Jahren absehbar weniger Ausgaben als geplant anfallen, hieß es.

Außerdem soll mehr Geld in die Schul-Sozialarbeit fließen. Die Schulen sollen kurzfristig bessere Möglichkeiten erhalten, Ersatzlehrer anzufordern. Statt erst nach drei Wochen Krankheit eines Lehrers können Schulen sofort um Ersatz bitten. Und statt 50 Prozent der Kosten erhielten die Schulen 100 Prozent ersetzt. Dies lasse sich auch ohne Nachtragshaushalt finanzieren. Mehr Lehrerstellen wird es nach Willen der Koalition aber nicht geben.

Thema Betreuungsgeld:

Die Opposition macht erneut Front gegen das von Schwarz-Gelb in Berlin geplante Betreuungsgeld für Kleinkinder, die keine KiTa besuchen. SPD und Grüne fordern die Landesregierung auf, sich einer Bundesratsinitiative aus Baden-Württemberg gegen die als sogenannte Herdprämie kritisierte Regelung anzuschließen.

Von 2013 an soll nach den Berliner Plänen "als zusätzliche Anerkennungs- und Unterstützungsleistung" ein Betreuungsgeld in Höhe von zunächst 100 Euro für das zweite und ab dem Jahr 2014 in Höhe von 150 Euro für das zweite und dritte Lebensjahr des Kindes eingeführt werden. Die Koalition lobt den Schritt, weil er die Erziehungsleistung innerhalb der Familie anerkenne. Die Opposition moniert, das Betreuungsgeld schaffe falsche Anreize, indem es Mütter vom Arbeitsmarkt und Kinder von Bildungsangeboten fernhalte.

Thema Friesisch:

Der SSW fordert, die Rolle der friesischen Sprache an den Schulen zu stärken. So soll Friesisch "fest in den Stundenplan integriert" und nicht nur als Zusatzfach unterrichtet werden. Die Landesregierung soll ein Konzept vorlegen, damit mehr Schulen die Westküsten-Sprache in ihr Programm aufnehmen und mehr Lehrer zur Verfügung stehen. Laut dem aktuellen Minderheitenbericht der Landesregierung erhalten etwa 660 Kinder in 16 Kindergärten sowie 857 Schüler an 17 Schulen im Kreis Nordfriesland sowie auf Helgoland Friesisch-Unterricht.

Vorherige Debatten:
plenum-online
Januar 2012 (allgemeine Schuldebatte)
plenum-online Dezember 2011 (Lehrerstellen)
plenum-online Oktober 2011 (Unterrichtssituation)
plenum-online Februar 2008 (Freie Schulen)
plenum-online Dezember 2011 (Minderheitenpolitik / Friesisch)

zurück zum Textanfang

* * * * *