Hintergrund:
Nachdem das Verteidigungsministerium Ende Oktober
angekündigt hat, in Schleswig-Holstein drastisch
Bundeswehr-Personal abzubauen und diverse Standorte zu
schließen, sendet der Landtag geschlossen einen
Forderungskatalog nach Berlin, damit der Bund keine
verbrannte Erde im Norden hinterlässt. Bereits im
November hatte der Kieler Landtag appelliert, Berlin soll schleswig-holsteinischen Kommunen, die von der drastischen Reduzierung von
Standorten und Dienstposten betroffen sind, unter die Arme
greifen. Eine erste positive Nachricht kam Anfang Februar:
Das Luftwaffen-Ausbildungszentrum für das "Patriot"-Flugabwehrsystem
wird vom texanischen El Paso nach Husum verlagert.
Im Innen-
und Rechtsausschuss haben alle Fraktionen an die
Bundesregierung appelliert, den betroffenen Städten und
Gemeinden "substanzielle Konversionshilfen" zur
Verfügung zu stellen. Zudem soll Berlin die ehemaligen
Militärflächen rasch sowie "verbilligt und
altlastenfrei" an mögliche Investoren abtreten. Der
Bund soll auch das Baurecht für die Investoren
entschlacken und in Technologie, Forschung und Tourismus
im Norden investieren.
Zudem
machen sich die Abgeordneten für die von den
Standortschließungen betroffenen Zivilangestellten und
Auszubildenden stark und fordern "verlässliche
Beschäftigungs- und Qualifizierungsperspektiven".
Der SSW regt darüber hinaus in einem eigenen Antrag an,
dass das Land und die Kommunen Arbeitsplätze für
entlassene Zivilangestellte schaffen.
Als
Reaktion auf den Bundeswehr-Kahlschlag hat die
Landesregierung einen "Aktionsplan Konversion"
aufgelegt und den Gemeinden Beratung und Service
angeboten. Das Konversionsbüro im Wirtschaftsministerium
fördert Gutachten und Machbarkeitsstudien.
Letzte
Debatte zum Thema: plenum-online November 2011
Überblick:
Auswirkungen der Bundeswehrreform
auf Schleswig-Holstein
Standortschließungen:
- Alt Duvenstedt: Die 940 Dienstposten dort
fallen komplett weg. Unter anderem werden das 5.
Aufklärungsbataillon und das
Luftwaffentransportgeschwader 63 (LTG) aufgelöst. Die 3.
Marineschutzkräfte gehen nach Eckernförde.
- Hohn: Der
Standort, an dem ebenfalls Teile des LTG 63 stationiert
sind, wird geschlossen: 850 Dienstposten.
-
Glücksburg: Das Flottenkommando wird aufgelöst. 920
Dienstposten sind von der Standortschließung betroffen.
Die bislang gesplittete Marineführung wird in Rostock
zentralisiert.
-
Lütjenburg: Das Ministerium streicht 830 Dienstposten.
Damit werden unter anderem das Flugabwehrregiment 6 und
die Sanitätsstaffel aufgelöst.
- Seeth mit
720 Dienstposten macht dicht. Aufgelöst wird unter
anderem das Lazarettregiment 11.
- Ladelund:
50 Dienstposten
- Bargum:
40 Dienstposten
- Hürup:
20 Dienstposten
Deutliche
Reduzierung:
- Boostedt bei Neumünster wird faktisch aufgelöst: Von
den 1.980 Dienstposten bleiben nur noch 40 übrig.
Betroffen sind das Instandsetzungsbataillon 166 und das
Logistikbataillon 162.
- Kiel
verliert 1.700 seiner 5.290 Posten. Der
Marinearsenalbetrieb wird aufgelöst. Das gilt auch für
das 5. Minensuchgeschwader, das Wehrbereichskommando und
das Kreiswehrersatzamt. Das Marinefliegergeschwader 5 wird
nach Nordholz bei Cuxhaven verlegt. Das Segelschulschiff
"Gorch Fock" bleibt Kiel erhalten.
- Stadum:
Künftig bleiben von 1.590 Dienstposten nur noch 1.070.
Die Flugabwehrraketengruppe dort fällt weg.
-
Oldenburg: Mit künftig 250 von 730 Posten wird der
Standort deutlich verkleinert. Unter anderem wird das
Flugabwehrlehrregiment gestrichen.
- Plön
behält zwar die Marineunteroffiziersschule, verliert aber
trotzdem fast die Hälfte der Stellen (minus 450) und hat
künftig nur noch 490.
- Flensburg
büßt von den 840 Stellen 350 ein. Unter anderem wird das
Bundeswehr-Dienstleistungszentrum aufgelöst.
- Husum
verliert seine Flugabwehrgruppe. 280 Dienstposten der
2.630 werden gestrichen.
- Appen:
150 der 500 Posten fallen weg.
Die
kleineren Standorte Schleswig und Bramstedtlund (beide
bislang 80) und Itzehoe (bislang 70) sind künftig kaum
noch Standorte: Sie haben nur noch zwischen 6 und 10
Dienstposten.
Aufstockung:
- Jagel: Der Fliegerhorst wird um 90 auf 1.530 Posten
aufgestockt. Die Luftwaffe soll dort dauerhaft mit
Aufklärungs-Tornados und Drohnen vertreten sein.
- Husum:
Mit den 170 "Patriot"-Posten wächst die Anzahl
auf 2.320.
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