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Auf dieser
Seite: Norddeutsche
Kooperation
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Top 49
Chancen
einer verstärkten norddeutschen Kooperation
Bericht der Enquetekommission - Drucksache 17/2230
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Nord-Kooperation:
Verhältnis
zu Hamburg bleibt Zankapfel
Bericht der Enquete-Kommission im Landtag beraten
Kiel (SHL/22.02.) In
zweijähriger Arbeit hat eine Enquete-Kommission des Landtages die
Chancen der norddeutschen Zusammenarbeit ausgeleuchtet und in einem
400 Seiten starken Abschlussbericht eine engere Verzahnung von
Politik und Verwaltung angemahnt. "Schleswig-Holstein kann
Motor einer norddeutschen Kooperation werden", betonte der
Kommissionsvorsitzende Markus Matthießen (CDU) mit Blick auf
gemeinsame Interessen in der Verkehrs-, Energie- und
Bildungspolitik. Wie die Zusammenarbeit konkret vorangebracht werden
kann, blieb im Landtag allerdings umstritten. Knackpunkt war vor
allem das zuletzt angespannte Verhältnis Schleswig-Holsteins zum
Nachbarn Hamburg.
Zuletzt hatte der Hamburger Plan, eine
Konkurrenzveranstaltung zur traditionellen Husumer Windmesse
auszurichten, für Verstimmung in Kiel gesorgt. CDU-Fraktionschef
Johannes Callsen warnte in diesem Zusammenhang vor Hamburger
Alleingängen zulasten der Nachbarn und mahnte eine "Allianz
auf Augenhöhe und in Partnerschaft" an. Und auch
Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) prangerte die
"ausgestreckte Faust" Hamburgs in dieser Frage an. Die
Zusammenarbeit müsse "ein Geben und Nehmen" sein, von dem
beide Seiten profitierten
Gitta Trauernicht (SPD), stellvertretende
Enquete-Vorsitzende, hielt der Koalition hingegen vor, die
Beziehungen zur Hansestadt durch "beleidigtes, kleinliches
Verweigern" auf einen "Tiefstand" gebracht zu haben.
Trauernicht warb für den aktuellen Vorstoß der Hamburger
Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD), eine gemeinsame
Gesprächsrunde der Parlamente von Schleswig-Holstein und Hamburg
einzurichten. CDU-Mann Callsen hatte dies zuvor als "reines
SPD-Wahlkampfmanöver" zurückgewiesen.
SSW sieht in Länderfusion kein Einsparpotenzial,
Liberale warnen vor "Kosten-Nutzen-Rechnung"
Strittig blieb auch, wie weit die Nord-Kooperation
gehen soll. Ines Strehlau (Grüne) brachte erneut den gemeinsamen
Nordstaat ins Spiel. Es dürfe "keine Denkverbote" geben;
"notwendige strukturelle Veränderungen" müssten
angegangen werden. Strehlau kritisierte "Bedenkenträger, die
alles so lassen wollen wie es ist". Demgegenüber wandte sich
Anke Spoorendonk (SSW) gegen das "technokratische Hirngespinst
namens Nordstaat". Die Enquete habe in ihren Beratungen und
Anhörungen "keinen Beleg" dafür gefunden, dass eine
Länderfusion zu Einsparungen führt.
Ingrid Brand-Hückstädt (FDP) mahnte, in jedem
einzelnen Bereich eine "Kosten-Nutzen-Rechnung" einer
Kooperation aufzustellen. Im Tourismus etwa werde Schleswig-Holstein
besser vorankommen, wenn es sich im Wettbewerb mit anderen Regionen
behaupten müsse. "Wir haben gewachsene und funktionierende
Strukturen", stellte Heinz-Werner Jezewski (Linke) heraus. Bei
einer zu engen Anlehnung an Hamburg könne der nördliche Landesteil
"vor die Hunde gehen", befürchtete er.
Alle Ausschüsse des Landtages werden das
Abschlusspapier nun weiter beraten.
Hintergrund:
Die Enquetekommission "Chancen einer verstärkten
norddeutschen Kooperation" hat nach knapp
zweijähriger Beratungszeit Mitte Februar ihren
Abschlussbericht vorgelegt. Die Kommission regt an, die
Zusammenarbeit zwischen den Parlamenten und Regierungen in
Norddeutschland deutlich zu erweitern. Wie weit dies gehen
soll, war innerhalb des Gremiums jedoch umstritten. Die
Vorschläge reichen von der Einrichtung einer
"Parlamentarierkonferenz Nord" über einen
gemeinsamen Ausschuss bis hin zu einer Länderfusion. Nun
befasst sich der Landtag mit dem rund 400 Seiten starken
Abschlussbericht.
CDU und FDP
schlagen eine Parlamentarierkonferenz vor, an der
Vertreter aller norddeutschen Landtage teilnehmen sollen.
Außerdem sollen neue Gesetzesvorhaben grundsätzlich
darauf überprüft werden, ob dabei eine Kooperation mit
den Nachbarn möglich ist. SPD und Grünen gehen diese
Vorschläge nicht weit genug. Sie fordern etwa
länderübergreifende Ausschüsse. Linkspartei und SSW
zeigten sich skeptisch und erteilten vor allem der Vision
einer Länderfusion von Hamburg und Schleswig-Holstein
eine Absage.
Kommission
tagte in 29 Sitzungen /
78 Sachverständige wurden angehört
Bereiche,
in denen Norddeutschland enger zusammenarbeiten kann, sind
nach Auffassung der Enquetekommission die Landesplanung
und der Ausbau von Straßen, Wasserstraßen und Häfen.
Die Kommission regt an, die norddeutschen Interessen im
Verkehrsbereich geschlossen beim Bund vorzubringen, um
Fördergelder effektiver abzuschöpfen. Bei der
Energiewende gebe es ein gemeinsames Interesse an einem
raschen Ausbau der Stromnetze, damit der Windstrom aus dem
Norden in die dicht besiedelten Gebiete im Süden und
Westen Deutschlands fließen kann. Und: Bei einer
möglichen weiteren Föderalismusreform sollen die
bisherigen Hemmnisse für Länderfusionen beseitigt werden
- etwa Nachteile im Länderfinanzausgleich.
Die
Enquetekommission "Chancen einer verstärkten
norddeutschen Kooperation" ist die siebte
Enquetekommission des Schleswig-Holsteinischen Landtages
seit 1947. Sie wurde auf Initiative von Grünen und SPD
eingerichtet. Den Vorsitz führte der CDU-Abgeordnete
Markus Matthießen, seine Stellvertreterin war Gitta
Trauernicht (SPD). Zwischen März 2010 und Februar 2012
ist die Kommission zu insgesamt 29 Sitzungen
zusammengekommen. 78 Sachverständige wurden mündlich
angehört und in großem Umfang schriftliche
Stellungnahmen eingeholt.
Aktuell:
Wenige Tage nach Vorstellung des Abschlussberichts hat die
Hamburger Bürgerschaftspräsidentin, die SPD-Politikerin
Carola Veit, gemeinsame Gesprächsrunden der beiden
Nord-Parlamente vorgeschlagen. Ein erstes Treffen sei
bereits Ende Februar denkbar. Dieser Vorschlag ist im
Schleswig-Holsteinischen Landtag auf ein unterschiedliches
Echo gestoßen. Während die Nord-SPD die Idee begrüßte,
reagierten CDU, FDP, Grüne und SSW zurückhaltend. Im
Ältestenrat bestand kein Einvernehmen, zum jetzigen
Zeitpunkt - knapp zehn Wochen der Wahl - ein Gespräch mit
der Hamburger Bürgerschaft über die Frage gemeinsam
tagender Ausschüsse zu führen.
Vorherige
Debatten zum Thema:
plenum-online Januar
2010 (Einsetzung der Enquetekommission),
November
2011 (Zusammenarbeit mit Hamburg)
Stichwort:
Enquetekommission
"Zur Vorbereitung von Entscheidungen über umfangreiche und bedeutsame Sachkomplexe" kann der Landtag laut Geschäftsordnung Enquete-Kommissionen (vom französischen Wort enquête, "Untersuchung") einsetzen. Dies sind überfraktionelle Arbeitsgruppen, die langfristige Fragestellungen lösen sollen, in denen unterschiedliche juristische, ökonomische, soziale oder ethische Aspekte abgewogen werden müssen. Um eine solche Kommission einzurichten, ist die Zustimmung eines Viertels des Landtages erforderlich.
Enquete-Kommissionen bestehen in der Regel aus Abgeordneten aller Fraktionen sowie aus externen Sachverständigen. Beide Gruppen arbeiten als gleichberechtigte Mitglieder zusammen. Die Kommission erstellt einen Bericht, der nach Fertigstellung im Parlament diskutiert wird. Ziel ist es, eine gemeinsame Position über die Fraktionsgrenzen hinweg zu erarbeiten. Neben ihren regulären Sitzungen nimmt die Kommission auch öffentliche und nicht-öffentliche Anhörungen mit auswärtigen Sachverständigen und Vertretern der Ministerien und Behörden vor.
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