Nach
Willen des 1948 als Partei der dänischen Minderheit im Landesteil Schleswig und der nationalen
Friesen in Nordfriesland gegründeten Südschleswigschen
Wählerverbands soll das Friesische im Kreis Nordfriesland und auf
der zum Kreis Pinneberg gehörigen Insel Helgoland gleichberechtigt
im Umgang mit Behörden verwendet werden dürfen. Friesisch-Kenntnisse sollen in diesen Gegenden ein
Kriterium für die Aufnahme in den Öffentlichen Dienst
werden. Die friesischen Farben (Gold-Rot-Blau) und das Wappen
(Adler, Grütztopf und Krone/Foto) sollen zum Beispiel auf
Briefköpfen und an Rathäusern neben den Insignien des Landes
Schleswig-Holstein verwendet werden können. Das Gesetz soll für
das Land bindend sein, Kommunen sollen sich freiwillig anschließen
können.
Friesisch ist eine eigene Sprache, die, wie Hoch- und
Niederdeutsch, Niederländisch und Englisch, zur westgermanischen
Sprachgruppe gehört. Zurzeit sprechen rund 10.000 Menschen im
Nordwesten des Landes einen der sechs verschiedenen friesischen
Dialekte. Etwa 1.400 Schüler nehmen im Kreis Nordfriesland
freiwillig am Sprachunterricht teil. Der Landtag unterstrich den
besonderen Schutz der Friesen im Land, da sie, anders als zum
Beispiel die dänische Minderheit, kein "Mutterland"
außerhalb der Landesgrenzen hätten.
Der Gesetzentwurf wurde an die Ausschüsse Europa, Finanzen,
Bildung sowie Innen und Recht überwiesen.
Stimmen aus der zum Teil auf Friesisch
gehaltenen Debatte:
Lars Harms (SSW) verwies auf die Expertenkommission
der Europäischen Sprachencharta, die besondere Regelungen für die
Friesen angeregt habe. Als Vorbilder nannte er die Bestimmungen für
die sorbische Minderheit in Sachsen und Brandenburg. Auch die
Statuten für die dänische Minderheit aus den 50er Jahren seien ein
Vorbild.
Für Rolf Fischer (SPD) ist die Minderheitenpolitik
eine Erfolgsgeschichte und eine Kernkompetenz des Landes, die weiter
entwickelt werden müsse. Der Wunsch einer Minderheit nach
schützenden Regelungen sei verständlich. Er schränkte jedoch ein,
es dürfe keine Bevorzugung einer Minderheit gegenüber den anderen
Im Lande geben.
Heinz Maurus (CDU) forderte, das Gebot der
Landesverfassung hinsichtlich der Minderheitenrechte müsse ständig
beachtet werden. Er wies darauf hin, dass nur wenige Öffentliche
Bedienstete in Nordfriesland Friesisch sprächen. Es bleibe also
noch viel zu tun, beispielsweise in Kindergärten, Schulen und in
der Erwachsenenbildung.
Ekkehard Klug (FDP) warf die Frage auf, ob eine
gesetzliche Lösung wirklich notwendig sei. Es müsse zum Beispiel
geprüft werden, in welchem Umfang das Gesetz über bisherige
Bestimmungen hinausgeht. Zudem könne die Ungleichgewichtung von
Dänen und Friesen Probleme bereiten.
Irene Fröhlich (Grüne) machte auf die Geschichte der
Friesen und ihren besonderen Stolz aufmerksam. Die Menschen in
anderen Teilen des Landes müssten auf den Reichtum des friesischen
Erbes aufmerksam gemacht werden. Das komme allen Menschen in
Schleswig-Holstein zugute.
Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) goss
"Wasser in den Wein": Es müssten Vorgaben der Bundesebene
beachtet werden, zum Beispiel die Europäische Sprachencharta, die
für das Land binden sei. In dieser Sprachencharta sah sie das
zentrale Instrument der Minderheitenpolitik und fragte: "Warum
etwas ändern, was jetzt schon gut funktioniert?" Es seien nur
wenige Anpassungen nötig, so im Wahlgesetz und im Schulgesetz.