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Arbeitsmarktpolitik in Schleswig-Holstein
Große Anfrage der Fraktion der FDP - Drs. 15/2795
Antwort der Landesregierung
Drucksache: 15/3141
-Plenarprotokoll-

Landtag streitet um
Arbeitsmarktpolitik
Opposition kritisiert ASH-Programm

Kiel (SHL/lno). CDU und FDP wollen die Arbeitsmarktpolitik in Schleswig-Holstein stärker auf schwer vermittelbare Erwerbslose ausrichten. Die Landesprogramme müssten sich angesichts knapper Finanzmittel auf weniger Gruppen wie Langzeitarbeitslose und behinderte Menschen konzentrieren, sagte der FDP-Arbeitsexperte Heiner Garg am Mittwoch, 21. Januar 2004,  im Kieler Landtag. Wirtschaftsminister Bernd Rohwer (SPD/Foto) sagte zu, diese Menschen nicht zu vernachlässigen. Arbeitsmarktpolitik könne immer nur flankierend wirken. "Ziel ist die Bekämpfung der strukturellen Arbeitslosigkeit durch Wachstum", betonte Rohwer. Daneben sollen den Arbeitslosen verstärkt Perspektiven im ersten Arbeitsmarkt eröffnet werden, "statt Warteschleifen im zweiten Arbeitsmarkt zu finanzieren"."

Mit der Ausrichtung der ASH-Programme (Arbeit für Schleswig-Holstein) auf alle Arbeitslosen, habe sich die Landesregierung verzettelt, kritisierte Garg : "Nur jeder zehnte wurde überhaupt von dem Programm erreicht; nur anderthalb Prozent aller Arbeitslosen wurden über ASH vermittelt." Daneben forderte er die staatliche Förderung eines Niedriglohnsektors. "Bevor wir Arbeitslosigkeit finanzieren, ist es mir allemal lieber, dass wir über einen Kombilohn Arbeitsplätze bezuschussen." Von einer "mageren Bilanz" sprach auch Torsten Geerdts (CDU): "Eine Entlastung des Arbeitsmarktes ist kaum zu erkennen." Zum Teil sei die Arbeitspolitik sogar schädlich. So würden durch Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt vernichtet. Künftig müssten sich die Maßnahmen neben den genannten Gruppen deutlich auf die Qualifizierung von Schulabgängern verschieben. Zudem müssten die Kommunen Haushaltsmittel von den Arbeitsämtern erhalten, um ihre Aufgaben nach der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe wahrnehmen zu können, so Geerdts.

Rot-Grün verteidigt ASH-Programm

Eine gute Bilanz bescheinigte hingegen Wolfgang Baasch (SPD) dem ASH-Programm. In den Programmen, die auf den ersten Arbeitsmarkt zielten, seien 23 Prozent aller Teilnehmer vermittelt worden: "Das ist ein Erfolg unserer Arbeitsmarktpolitik." Neue Arbeitsplätze könne ASH nicht schaffen, stellte Angelika Birk (Grüne) fest, aber das Programm sorge für "mehr Verteilungsgerechtigkeit, angesichts der immer weniger werdenden Arbeitsplätze". Die Schaffung eines Niedriglohnsektors lehnte sie auch mit Blick auf die Hartz-Reformen der Bundesregierung ab: "Wir brauchen qualifizierte Arbeitsplätze. Das gelingt nicht, wenn wir immer mehr Menschen zwingen, jede – aber auch wirklich jede Tätigkeit – anzunehmen."

Die SSW-Abgeordnete Silke Hinrichsen verlangte eine aktive Arbeitsmarktpolitik nach skandinavischem Vorbild. Die lasse "keinen Arbeitslosen durch das soziale Netz fallen und sichert Berufsperspektiven auf dem Ersten oder Zweiten Arbeitsmarkt für alle".

Beschlussfassung:  Der Bericht wurde zur weiteren Beratung federführend an den Sozialausschuss und mitberatend an die Ausschüsse für Wirtschaft und Bildung überwiesen

Hintergrund:
  Die Lage auf dem schleswig-holsteinischen Arbeitsmarkt hat sich im abgelaufenen Jahr weiter verschlechtert. Im Dezember 2003 waren 139.601 Menschen im Land arbeitslos gemeldet. Das entspricht einer Quote von 10 Prozent - 0,4 Prozent mehr als im November 2003 und 0,6 Prozent mehr als im Dezember des Vorjahres. In absoluten Zahlen bedeutet das einen Anstieg der Arbeitslosenzahl um rund 7.900 im Laufe des Jahres 2003. Besonders betroffen von diesem Anstieg waren die Kreise Steinburg und Ostholstein sowie die Städte Kiel und Lübeck.
  Die Landesregierung verspricht sich Erholung durch die Hartz-Reformen, insbesondere die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe, sowie die ASH-Programme ("Arbeit für Schleswig-Holstein"). Laut Regierungsangaben haben seit 1996 gut 188.000 Menschen an Qualifizierungsmaßnahmen im Rahmen von ASH III und ASH 2000 teilgenommen. Hierfür wurden in diesem Zeitraum gut 83 Millionen Euro aus Mitteln des Landes und der Europäischen Strukturfonds aufgewendet. Die Vermittlungsquote aus den ASH-Programmen in den ersten Arbeitsmarkt betrug jeweils circa 20 Prozent.
  Die FDP fordert eine verstärkte Konzentration der Arbeitsmarktpolitik auf besonders benachteiligte Bevölkerungsgruppen wie behinderte Menschen oder Erwerbslose ohne Schulabschluss. Für sie sollen besondere Ausbildungs-Abschlüsse und Berufsbilder geschaffen werden.

Stichwort:  Große Anfrage
Eine Fraktion oder mindestens 18 Abgeordnete können eine Große Anfrage an die Landesregierung stellen. An die Beantwortung soll sich eine Aussprache im Landtag anschließen. Kann eine Anfrage nicht innerhalb eines Monats beantworten werden, so muss der Präsident die Große Anfrage auf Verlangen der Fragestellenden auf die Tagesordnung der nächsten Plenarsitzung setzen.

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