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Landesregierung beharrt auf
Fusion von Finanzämtern
Zusammenlegungen für 1. Januar 2005 angekündigt / Ausnahmen in den
Kreisen Plön und Ostholstein
Kiel (lno/SHL). Ungeachtet heftiger Proteste der
Betroffenen hält die Landesregierung an ihren Plänen zur Zusammenlegung und
Schließung von Finanzämtern in Schleswig-Holstein fest. Durch Zusammenlegung wird die Zahl der Finanzämter von 21 auf 17 reduziert.
"Das Land erhofft sich dadurch jährliche Einsparungen von über zwei
Millionen Euro", teilte Finanzminister Ralf Stegner (SPD) am Donnerstag,
22. Januar 2004, in einer engagiert geführten Debatte im
Kieler Landtag mit. Die Zusammenlegung soll zum 1. Januar 2005
erfolgen; in den Kreisen Plön und
Ostholstein sollen laut Stegner Teile des Projekts erst ein Jahr später
umgesetzt werden.
Der CDU-Finanzexperte Rainer Wiegard
(Foto)
forderte die Landesregierung
auf, ihre Pläne aufzugeben. Man könne nicht die Kompliziertheit des
deutschen Steuerrechts beklagen und auf der anderen Seite Mitarbeiter
in den Finanzbehörden einsparen. Es
herrsche "allgemeines Einverständnis darüber, dass das
große Ziel die Steuervereinfachung ist." Vor diesem
Hintergrund neue Gebäude für die fusionierten Ämter zu bauen
"und sich daran über 30 Jahre neu zu binden", sei
unverantwortlich, so Wiegard.
Gegen die Regierungspläne hatten die
rund 4.100 Mitarbeiter der Finanzämter mit Unterschriftenlisten protestiert. Besonders umstritten ist die geplante Schließung des
Finanzamtes in Heide und die Zusammenlegung mit dem Amt in Meldorf sowie der Umzug des Finanzamtes von Eutin nach Oldenburg.
Minister:
Lokalpatriotismus hat Grenzen
In den Kreisen Plön und Ostholstein soll die Umsetzung der Reform
mit Rücksicht auf die Interessen der Mitarbeiter in Teilbereichen
der Finanzverwaltung um ein Jahr verschoben werden, kündigte Stegner an.
Betroffen sind die drei Finanzämter Plön, Eutin und Oldenburg. Eine
Nebenstelle soll in Eutin noch bis 2009 erhalten bleiben.
An der Grundsatzplanung werde sich aber auch hier nichts ändern, bekräftigte
der Finanzminister. "Lokalpatriotismus
und Lobbyismus finden dort ihre Grenzen wo eine größere
Verantwortung für das Land und die Menschen beginnen muss."
Als parteitaktische Blockade,
wies Ursula Kähler von der SPD die Vorwürfe von CDU und FDP
zurück. Bei der Verschlankung der Landesverwaltung dürfe es keine
Tabus geben. Die Opposition fordere immer wieder Einsparungen, mache
aber einen Rückzieher sobald es konkret werde: "Man darf nicht
einerseits die freie Liebe predigen, dann aber sagen: Für meine
Familie gilt das nicht", warf Kähler der Opposition
Doppelzüngigkeit vor. In die gleiche Kerbe schlug auch Monika
Heinold (Grüne): "Sie handeln hier heute nach dem Motto: CDU
und FDP, die Opposition tut niemand weh." Der Verweis auf eine
große Steuerreform sei "dreist": Diese werde dieses Jahr
nicht mehr kommen, für nächstes Jahr sei eine Änderung zumindest
zweifelhaft.
FDP: Motivation der
Mitarbeiter ist "im Keller"
Der finanzpolitische Sprecher der FDP, Heiner Garg, bezweifelte
die von der Landesregierung erwarteten Einsparungen. Auch sei nicht nachvollziehbar, woher der Zuwachs an Arbeitsleistung der Mitarbeiter
kommen soll. "Die Motivation ist im Keller - wie soll da die Effizienz
steigen?", fragte Garg. Nach seinen Angaben beruhen die Planungen
des Ministeriums auf Modellrechnungen des Landesrechnungshofes aus dem Jahr 1975 zur optimalen Personalstärke von Finanzämtern.
Auch nach einer großen Steuerreform werde das Land weiterhin
Finanzämter brauchen, sagte Anke Spoorendonk vom SSW. Die
übergeordneten sachlichen Gründe der Neustrukturierung seien
kaum zu bestreiten. Gleichwohl sei zu überlegen, ob nicht auch in
Heide, ähnlich wie in Husum und Schleswig, eine Nebenstelle
erhalten werden sollte. Darüber solle der Finanzausschuss noch
einmal beraten.
Beschlussfassung:
- Drs. 15/3172:
(Bericht der Landesregierung): einstimmige
Überweisung an den Finanzausschuss
- Drs. 15/3177
(Antrag der CDU): Ziffer 1: Ablehnung gegen die Stimmen von CDU
und FDP; Ziffer 2: Annahme bei Enthaltung der Abgeordneten Kolb
und Kubicki (beide FDP); Ziffer 3: einstimmige
Ausschussüberweisung
Der Antrag wurde in der veränderten Form anschließend
einstimmig angenommen
- Drs. 15/3173
(Antrag von SPD, B’90/Grüne): Absatz 1: Annahme mit den Stimmen
von Rot-Grün und SSW; Absatz 2: Annahme mit den Stimmen von
Rot-Grün, SSW und CDU.
Der Antrag wurde anschließend in seiner Gesamtheit mit den
Stimmen von SPD, Grünen und SSW angenommen.
Hintergrund:
Die Landesregierung plant, im Zuge der
Verwaltungsstrukturreform die Zahl der Finanzämter im
Land zum 1. Januar 2005 von 21 auf 17 zu reduzieren.
Kleinere Behörden, die in den Augen des
Finanzministeriums unflexibel und weniger wirtschaftlich
arbeiten, sollen geschlossen werden. Insgesamt sind 4.100
Mitarbeiter in den schleswig-holsteinischen Finanzämtern
beschäftigt.
Gegen die Regierungspläne regen sich Widerstände:
In Heide bezweifeln Kommunalpolitiker den finanziellen
Nutzen einer Schließung des örtlichen Amtes zugunsten
von Meldorf. Mitarbeiter des Eutiner Finanzamtes haben
über 5.000 Unterschriften gegen den Umzug ihrer Behörde
nach Oldenburg gesammelt.
mehr Informationen: "plenum-online",
November 2003
(www.sh-landtag.de/plenumonline/november03/
texte/27_34_buerokratie_verwaltung.htm)
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