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Eliteförderung im Bildungswesen
Antrag der Fraktion der FDP
Drucksache: 15/3160
-Plenarprotokoll-

Elite-Unis kein alleiniges Patentrezept
Landtag einig: Begabte bereits im Schulsystem fördern

Kiel (lno/SHL) .Schleswig-Holsteins Landtag hat sich am Freitag, 23. Januar 2004,  über die Parteigrenzen hinweg generell für eine stärke Förderung von Spitzenleistungen an den Hochschulen ausgesprochen. Angesichts der aktuellen Debatte über Elite-Universitäten hatte die FDP einen Antrag eingebracht, der auf bessere Rahmenbedingungen zielt. Danach sollen Hochbegabte nicht nur an den Hochschulen besser gefördert werden, sondern bereits  spätestens ab der Grundschule. Es müsse ein breites Fördernetzwerk geben, sagte der FDP-Bildungspolitiker Ekkehard Klug. Zudem wiederholte Klug seine Forderung nach Studiengebühren und forderte, dass sich die Unis ihre Studenten selbst aussuchen dürfen. Während Einigkeit darüber herrschte, Spitzenleistungen zukünftig stärker zu fördern, traten im Laufe der Aussprache auch einige unterschiedliche Auffassungen zu tage, die nun im Bildungsausschuss intensiv beraten werden sollen.

"Junge Menschen mit besonderen Begabungen zu fördern, ist kein Luxus", sagte Klug. Schüler sollen nach Ansicht der FDP individuell nach Programmen gefördert werden, die in Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen entwickelt werden. Zur Finanzierung einer verstärkten Elite-Förderung wollen die Liberalen Stiftungen mit staatlichem und privatem Kapital heranziehen. Das Land solle dafür Erlöse aus dem Verkauf von Anteilen an der HSH Nordbank einsetzen. Zentren der Spitzenforschung könnten aus Sicht Klugs ein Zentrum für Biowissenschaften an der Kieler Universität oder eine Fakultät für Medizintechnik an der Universität Lübeck werden.

Ministerin: Sozialen Aspekt berücksichtigen

Kultusministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) betonte, dass bei einer stärkeren Begabtenförderung der soziale Aspekt nicht zu kurz kommen dürfe. Ziel müsse sein, möglichst viele an die Spitze zu bringen und zu erreichen, dass alle ihr Bestes geben. Zugleich verwies sie darauf, dass in Deutschland die Masse der Studierenden gut ausgebildet sei. Als Beispiel führte sie an, dass die Spitzenforscher in den USA zu 60 Prozent aus dem Ausland kämen - auch aus Deutschland.

Starke und schwache Schüler müssten stärker individuell gefördert werden, sagte der SPD- Bildungspolitiker Jürgen Weber. Er forderte Länder übergreifendes Denken und Handeln. Nur dann könnten die Hochschulen Weltniveau halten oder erreichen. "In einem 16-Länder-Föderalismus wird es nicht gelingen, regionale Wünsche und Spitzenleistung auf die bisherige Art und Weise zusammenzubringen."

Birk: "Elite Ja - elitär Nein!"

Weiter grundsätzliche Unterschiede zwischen den großen Parteien machte CDU-Hochschulexperte Jost de Jager aus. Eliten-Förderung bedeute, Unterschiede zuzulassen und anzustreben. "Der Begriff Elite besagt nun einmal, dass es einige gibt, die auf Grund ihrer Begabung und Leistung besser sind als andere." Dies heiße auch, Universitätsinstitute besser auszustatten. Das gegliederte Schulwesen sei am besten geeignet, Kinder und Jugendliche begabungsgerecht zu unterrichten.

Sozial gerecht sei das deutsche Bildungssystem nicht, befand SSW- Fraktionschefin Anke Spoorendonk und plädierte für eine Flexibilisierung des Systems nach dänischem Vorbild. Der Grundsatz müsse lauten: Begabte fördern, aber die Schwachen nicht  im Stich zu lassen. Unter die Überschrift "Elite Ja - elitär Nein!", stellte die grüne Bildungspolitikerin Angelika Birk ihren Beitrag. "Was wir brauchen, sind keine Elitehochschulen, sondern gute Hochschulen, die sehr viele und sehr gute wissenschaftlich ausgebildete Menschen hervorbringen."

Hintergrund:
  Der SPD-Bundesvorstand hat mit seinem Vorstoß zur Einrichtung von Elite-Universitäten eine breite bildungspolitische Debatte in Gang gesetzt. Die Sozialdemokraten fordern eine "Allianz für Innovationen", die zu zwei Dritteln von der Wirtschaft und zu einem Drittel von Bund und Ländern finanziert werden soll. Auf diese Weise sollen die Bildungsausgaben bis 2010 auf drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes gesteigert werden. Ziel ist es, etwa zehn Unis durch besondere Förderung zu Elite-Hochschulen umzugestalten. Die finanziellen Lasten sollten vorwiegend beim Bund liegen und zum Beispiel durch eine Zweckbindung der Erbschaftssteuer gedeckt werden.
  Die FDP im Lande setzt sich für eine gezielte Förderung hochbegabter Kinder schon im Vorschulalter ein. Ältere Schüler sollen von individuellen Förderungsprogrammen profitieren, die in Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen entwickelt werden. Auf Uni-Ebene soll die Zentrale Vergabestelle für Studienplätze (ZVS) zugunsten einer Selbstauswahl durch die Hochschulen abgeschafft werden. Unis sollen auch Studiengebühren fordern dürfen. Für Elite-Einrichtungen sehen die Liberalen das Modell von Stiftungen mit staatlichem und privatem Kapital vor.
  Die Nord-CDU spricht sich für eine verstärkte Zusammenarbeit Schleswig-Holsteins mit Hamburg aus.

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