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Elite-Unis kein
alleiniges Patentrezept
Landtag einig: Begabte bereits im
Schulsystem fördern
Kiel (lno/SHL) .Schleswig-Holsteins Landtag hat sich am Freitag,
23. Januar 2004, über die Parteigrenzen hinweg generell für eine stärke Förderung von
Spitzenleistungen an den Hochschulen ausgesprochen. Angesichts der aktuellen Debatte über Elite-Universitäten hatte die FDP einen Antrag
eingebracht, der auf bessere Rahmenbedingungen zielt. Danach sollen Hochbegabte nicht nur an den Hochschulen besser gefördert werden,
sondern bereits spätestens ab der Grundschule. Es müsse ein breites
Fördernetzwerk geben, sagte der FDP-Bildungspolitiker Ekkehard Klug.
Zudem wiederholte Klug seine Forderung nach Studiengebühren und forderte, dass sich die Unis ihre Studenten
selbst aussuchen dürfen. Während Einigkeit darüber herrschte,
Spitzenleistungen zukünftig stärker zu fördern, traten im Laufe
der Aussprache auch einige unterschiedliche Auffassungen zu tage,
die nun im Bildungsausschuss intensiv beraten werden sollen.
"Junge Menschen mit besonderen Begabungen zu fördern, ist kein
Luxus", sagte Klug. Schüler sollen nach Ansicht der FDP individuell
nach Programmen gefördert werden, die in Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen entwickelt werden. Zur
Finanzierung einer verstärkten Elite-Förderung wollen die Liberalen
Stiftungen mit staatlichem und privatem Kapital heranziehen. Das Land
solle dafür Erlöse aus dem Verkauf von Anteilen an der HSH Nordbank
einsetzen. Zentren der Spitzenforschung könnten aus Sicht Klugs ein
Zentrum für Biowissenschaften an der Kieler Universität oder eine
Fakultät für Medizintechnik an der Universität Lübeck werden.
Ministerin: Sozialen Aspekt berücksichtigen
Kultusministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) betonte, dass bei einer
stärkeren Begabtenförderung der soziale Aspekt nicht zu kurz kommen
dürfe. Ziel müsse sein, möglichst viele an die Spitze zu bringen und
zu erreichen, dass alle ihr Bestes geben. Zugleich verwies sie
darauf, dass in Deutschland die Masse der Studierenden gut
ausgebildet sei. Als Beispiel führte sie an, dass die
Spitzenforscher in den USA zu 60 Prozent aus dem Ausland kämen -
auch aus Deutschland.
Starke und schwache Schüler
müssten stärker individuell gefördert werden, sagte der SPD- Bildungspolitiker Jürgen Weber. Er forderte Länder übergreifendes
Denken und Handeln. Nur dann könnten die Hochschulen Weltniveau halten oder erreichen.
"In einem 16-Länder-Föderalismus wird es nicht gelingen, regionale Wünsche und Spitzenleistung auf die bisherige Art
und Weise zusammenzubringen."
Birk: "Elite Ja -
elitär Nein!"
Weiter grundsätzliche Unterschiede zwischen den großen Parteien
machte CDU-Hochschulexperte Jost de Jager aus. Eliten-Förderung bedeute, Unterschiede zuzulassen und anzustreben.
"Der Begriff Elite besagt nun einmal, dass es einige gibt, die auf Grund ihrer Begabung
und Leistung besser sind als andere." Dies heiße auch, Universitätsinstitute besser auszustatten. Das gegliederte Schulwesen
sei am besten geeignet, Kinder und Jugendliche begabungsgerecht zu unterrichten.
Sozial gerecht sei das deutsche Bildungssystem nicht, befand SSW-
Fraktionschefin Anke Spoorendonk und plädierte für eine
Flexibilisierung des Systems nach dänischem Vorbild. Der
Grundsatz müsse lauten: Begabte fördern, aber die Schwachen
nicht im Stich zu lassen. Unter die Überschrift "Elite Ja -
elitär Nein!", stellte die grüne Bildungspolitikerin Angelika Birk
ihren Beitrag. "Was wir brauchen, sind keine Elitehochschulen,
sondern gute Hochschulen, die sehr viele und sehr gute wissenschaftlich ausgebildete Menschen
hervorbringen."
Hintergrund:
Der SPD-Bundesvorstand hat mit seinem Vorstoß zur
Einrichtung von Elite-Universitäten eine breite
bildungspolitische Debatte in Gang gesetzt. Die
Sozialdemokraten fordern eine "Allianz für
Innovationen", die zu zwei Dritteln von der
Wirtschaft und zu einem Drittel von Bund und Ländern
finanziert werden soll. Auf diese Weise sollen die
Bildungsausgaben bis 2010 auf drei Prozent des
Bruttoinlandsproduktes gesteigert werden. Ziel ist es,
etwa zehn Unis durch besondere Förderung zu
Elite-Hochschulen umzugestalten. Die finanziellen Lasten
sollten vorwiegend beim Bund liegen und zum Beispiel durch
eine Zweckbindung der Erbschaftssteuer gedeckt werden.
Die FDP im Lande setzt sich für eine gezielte
Förderung hochbegabter Kinder schon im Vorschulalter ein.
Ältere Schüler sollen von individuellen
Förderungsprogrammen profitieren, die in Zusammenarbeit
mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen entwickelt
werden. Auf Uni-Ebene soll die Zentrale Vergabestelle für
Studienplätze (ZVS) zugunsten einer Selbstauswahl durch
die Hochschulen abgeschafft werden. Unis sollen auch
Studiengebühren fordern dürfen. Für Elite-Einrichtungen
sehen die Liberalen das Modell von Stiftungen mit
staatlichem und privatem Kapital vor.
Die Nord-CDU spricht sich für eine verstärkte
Zusammenarbeit Schleswig-Holsteins mit Hamburg aus.
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