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Landtag
unterstützt einmütig Partnerschaft mit Flutregion
Appell an Landesregierung und Kommunen
Kiel (SHL). Trotz der heißen Wahlkampfphase
stehen die schleswig-holsteinischen Landtagsparteien angesichts
der Not von Millionen von Menschen zusammen. Nach einer
Schweigeminute für die Opfer der Flutkatastrophe in Südostasien
(Gedenkminute)
haben sich die Parlamentarier einmütig für eine von der
Landesregierung einzuleitende Partnerschaft des Landes mit einer
von der Flutkatastrophe in Asien betroffenen Region ausgesprochen.
Auch ein kleines Bundesland wie Schleswig-Holstein sei in der
Lage, vor Ort Hilfe beim Wiederaufbau zu leisten, so der Tenor im
Plenum. In nächster Zeit soll eine Partnerregion –
voraussichtlich in Nord-Sumatra in Indonesien –
ausgewählt und konkrete Hilfsprojekte vertraglich vereinbart
werden.
Damit beschreitet Schleswig-Holstein neue Wege in
der Entwicklungspolitik: Das Modell eines Partnerschaftsvertrages
soll künftig auch Vorbild für die Beziehungen zu anderen
Krisenregionen sein, die durch die Flutkatastrophe derzeit aus dem
Blickpunkt geraten sind. Dazu zählen etwa der Kongo oder Dafur im
Sudan. Nicht nur die Flutregion, auch der geschundene Kontinent
Afrika sei nach wie vor auf Hilfe und Solidarität angewiesen, um
die Spaltung der Welt in arme und reiche Länder zu überwinden,
unterstrichen Redner aller Fraktionen.
Ferner wird die Landesregierung in dem
interfraktionellen Antrag aufgefordert, den Kommunen in
Schleswig-Holstein bei der Vermittlung von Partnergemeinden in
Südostasien behilflich zu sein. Zahlreiche Städte und Gemeinden
im Land haben – trotz angespannter Finanzlage – bereits ihr
Interesse an solchen Partnerschaften bekundet.
Grundsätzlich würdigte der
Landtag das Engagement und die spontane Hilfsbereitschaft von
Bürgern und Privatorganisationen: In Zeiten der Globalisierung
werde immer deutlicher, dass bürgerschaftliches Engagement
weltweit gebraucht werde. Bei der Flut in Südostasien sind nach
jüngsten Schätzungen über 220.000 Menschen ums Leben gekommen,
darunter wahrscheinlich auch mehr als 600 deutsche Staatsbürger.
Stimmen aus dem Plenum:
Lothar Hay (SPD): In dieser globalisierten
Welt sind wir alle Nachbarn. Wir müssen gemeinsam darauf drängen, dass die Hilfe dauerhaft wird und
nicht bereits mit dem Abziehen der internationalen Fernsehteams zum Erliegen kommt.
Martin Kayenburg (CDU): Es ist ein gutes
Zeichen für unsere Demokratie, dass es uns gelungen ist, trotz
der Wahlkampfphase, die Not der Menschen über unsere Partei-Interessen
zu stellen.
Wolfgang Kubicki (FDP): Es ist
überwältigend wie schnell und spontan die Hilfsbereitschaft der
Bürgerinnen und Bürger dieses Landes erfolgt ist. Ich bin froh,
dass sich dieses Parlament sich nicht an der Debatte beteiligt
hat, wie die Fluthilfe der Bundesregierung bezahlt werden soll.
Karl-Martin Hentschel (B’90/Grüne): Wir
wissen, dass es ein langer Weg zu einer gemeinsamen Welt ist. Aber
es ist ein Weg zu einer solidarischen und friedlichen Welt –
deshalb lohnt sich dieser Weg.
Anke Spoorendonk (SSW): Der Landtag weist
auf die Verantwortung für alle Krisenregionen in der Welt hin.
Die Industrieländer müssen ihre Entwicklungshilfe endlich auf
die von der UNO geforderten 0,7 Prozent des Brutto-Sozialproduktes
aufstocken.
Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD):
Die Landesregierung hat einen Arbeitskreis geschaffen, der die
Hilfsangebote aus Schleswig-Holstein bündeln und koordinieren
soll. Mit dieser Struktur wollen wir garantieren, dass das
richtige Hilfsangebot mit dem richtigen Bedarf an der richtigen
Stelle zusammenkommt.
Hintergrund:
In einem
gemeinsamen Antrag nehmen die Landtagsparteien zur
Flutkatastrophe in Südostasien Stellung. Sie bekunden
ihre Anteilnahme am Schicksal der Opfer und
Hinterbliebenen und sprechen ihren Dank für die große
Spendenbereitschaft der Schleswig-Holsteiner aus. Die
Landesregfierung wird aufgefordert, mit einer von der
Katastrophe betroffenen Region einen Partnerschaftsvertrag
abzuschließen und ähnliche Partnerschaften auch auf
Kreis- und Gemeindeebene zu unterstützen.
Durch den Tsunami der am 26. Dezember durch ein
Seebeben westlich von Sumatra ausgelöst wurde, sind nach
neuesten Schätzungen 170.000 Menschen in den
Anrainerstaaten des Indischen Ozeans ums Leben gekommen.
Ein Todesopfer stammt aus Schleswig-Holstein, etwa weitere
30 Schleswig-Holsteiner gelten als vermisst.
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