Top 29:
Konsequenzen aus PISA II
Antrag der Fraktionen von SPD und BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN
Antrag der Fraktion der CDU - Drs. 15/3959
Antrag der Fraktion der FDP - Drs. 15/3962 |
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Top 51:
Schleswig-Holsteinische Schulen
als rauchfreie Zonen
Antrag der Fraktion der CDU –
Drucksache 15/3845
Bericht und Beschlussempfehlung des Bildungsausschusses
(Ausschussüberweisung 130. Sitzung am 15. Dezember 2004)
Antrag der Fraktionen
von SPD, CDU und Grüne - Drs. 15/3963 |
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Letzte
Landtags-Debatte vor der Wahl um das richtige
Schulsystem
Fraktionen bekräftigen
ihre bekannten Standpunkte zum gegliederten System
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Kiel (SHL). Kurz
vor der Landtagswahl haben Rot-Grün und Opposition am
Donnerstag, 27. Januar, in einer bildungspolitischen Aussprache
erneut ihre gegensätzlichen Positionen zum Schulsystem
bekräftigt. Übertitelt war die emotional geführte
Standpunkt-Debatte –
wie bereits im Dezember ähnlich lautend –
mit "Konsequenzen aus PISA II". So beharrten CDU und
FDP auf der Weiterentwicklung des bestehenden gegliederten
Schulsystems und warfen der Regierungskoalition vor, die PISA
II-Ergebnisse falsch zu interpretieren. SPD, Grüne und der SSW
erneuterten ihren Reform-Grundsatz, der die Abkehr vom
dreigliedrigen System vorsieht. Erwartungsgemäß setzte sich
die Mehrheit von Rot-Grün mit ihrem Antrag durch.
Angesichts aktueller Umfragen
sah Jürgen Weber (SPD) Rot-Grün auf dem richtigen Weg: Hier
zeige sich die Reformbereitschaft in Schleswig-Holstein; die
Öffentlichkeit habe bemerkt, dass mit dem alten System kein
Blumentopf zu gewinnen sei. Karl-Martin Hentschel (Grüne)
mahnte, die ideologischen Grabenkämpfe zu beerdigen. Es gehe
nicht um Schulsysteme, sondern um die individuelle Betreuung der
Kinder. "Wir brauchen eine Schule, in der das Kind im
Mittelpunkt steht, und nicht die Aufrechterhaltung eines
System" forderte Anke Spoorendonk (SSW). Sie habe das
Gefühl, es gehe in der Diskussion eher um die Zementierung von
Machtverhältnissen einzelner Verbände.
Jost de Jager (CDU) sah den Unterrichtsausfall
als Hauptursache für den bemängelten Leistungsstand deutscher
Schüler an. Und da seien vor allem die Haupt- und
Förderschüler betroffen; sie erhielten im Vergleich 17
beziehungsweise 20 Prozent weniger Unterricht. So schlecht seien
die PISA-Werte gar nicht, befand Ekkehard Klug (FDP): Das
Problem sei nicht, dass es keine guten Schüler gebe, sondern
die Spannbreite der Leistungen zwischen starken und schwachen
Schülern. Teilweise im Einklang mit der Regierungskoalition,
plädierten beide Redner insbesondere dafür, vor allem die Bildung,
beginnend in den Kindergärten, in den ersten Jahren stärken.
Sie wolle keineswegs eine "Einheitsschule"
errichten, stellte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) mit
Blick auf die Vorwürfe der Opposition fest. Ihr Ansatz: Die
Kinder sollten künftig länger gemeinsam lernen und
gleichzeitig soviel differenzierte Betreuung wie möglich
erhalten.
Hintergrund:
An PISA 2003 beteiligten sich 41
Staaten, darunter alle 30 OECD-Mitglieder. Insgesamt
wurden etwa 250.000 Schüler getestet. In Deutschland
nahmen 216 Schulen und 4.660 Jugendliche an der
Vergleichsstudie teil. Deutschland entschloss sich auch
bei der zweiten PISA-Studie, einen Vergleich zwischen den
Bundesländern zu erstellen. Dafür wurde die
internationale Stichprobe um etwa 1.300 zusätzliche
Schulen und rund 40.000 Teilnehmer erweitert. Dieser
Ländervergleich wird im September 2005 vorgestellt.
Gegenüber dem schlechten Abschneiden bei der
ersten Studie konnten sich Deutschlands Schüler bei PISA
2 leicht verbessern. Sie belegen nun in den drei
Testkategorien Ränge zwischen 15 und 19 unter den 29
gewerteten OECD-Mitgliedern. Die Prüfer bemängeln, dass
deutsche 15-jährige fast eineinhalb Jahre hinter ihren
Altersgenossen aus dem erneuten Siegerland Finnland
zurückbleiben. Gut jeder fünfte Schüler in Deutschland
gilt als „Risikoschüler", das heißt: er kann bei
Verlassen der Schule einfachste Texte nicht lesen und nur
auf Grundschulniveau rechnen. Die Tester weisen darauf
hin, dass in keinem vergleichbaren Land der Schulerfolg
der Kinder so stark von Einkommen und Bildungsstand der
Eltern abhängig ist wie in Deutschland.
Auf der Grundlage der PISA-Resultate fordert
Rot-Grün im Landtag Schulreformen, insbesondere die
Abkehr von der Aufteilung in die drei Schulformen nach der
4. Klassen. Dies weist die CDU-Fraktion in einem kurz vor
der Tagung vorgelegten Antrag zurück und spricht sich
gegen die Abschaffung des gegliederten deutschen
Schulsystems aus. In dieselbe Richtung zielt ein noch
während der Tagung eingereichter FDP-Antrag.
Stichwort:
PISA
Die Abkürzung PISA steht für
das „Programme for International Student Assessment"
der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD). Dabei wird getestet, wie gut
15-jährige Schüler auf die Herausforderungen der
heutigen Gesellschaft vorbereitet sind. Die erste
PISA-Erhebung fand im Jahre 2000 statt, die Ergebnisse
wurden Ende 2001 veröffentlicht. Untersucht werden die
Kompetenzen in den Bereichen Mathematik, Lesen und
Naturwissenschaften.
Die Tests zu der kürzlich veröffentlichten PISA
II-Studie wurden 2003 vorgenommen. Während bei der ersten
Studie der Schwerpunkt auf der Lesekompetenz lag, stand bei
PISA 2003die Mathematik im Zentrum. Bei der nächsten
Untersuchung 2006 rücken die Naturwissenschaften in den
Mittelpunkt. Ein zentraler Aspekt bei der Unzersuchung ist
zudem die Frage, inwieweit die soziale und kulturelle
Herkunft der Jugendlichen ihre Leistungen
beeinflusst.
mehr
Informationen: plenum-online, Dezember
2004
(www.sh-landtag.de/plenumonline/dezember04/
texte/37_40_gegliederteschule_pisa.htm)
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SPD
schwenkt um: Schulen sollen per Erlass rauchfrei werden
CDU-Forderung nach drei Jahren verwirklicht
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Kiel
(SHL). Schleswig-Holsteins Schulen werden vom blauen Dunst
befreit: Mit Beginn des Schuljahres 2005/06 soll das Rauchen an
den Schulen im Norden per Erlass prinzipiell verboten werden.
Dafür hat sich der Landtag am Donnerstag, 27. Januar 2005, mit
den Stimmen von SPD, CDU und Grünen ausgesprochen. Einen
entsprechenden Antrag hatten die drei Fraktionen kurz vor
Behandlung des Themas gemeinsam eingebracht. Schleswig-Holstein
folgt damit dem Beispiel anderer Bundesländer, die bereits
Gesetze oder Verordnungen gegen den blauen Dunst erlassen haben:
Ein Rauchverbot an Schulen besteht bereits in Berlin und Hessen.
In Niedersachsen ist vermutlich von April an das Rauchen an den
Schulen tabu, Hamburg will ebenfalls ab dem Sommer das Rauchen
per Gesetz verbieten.
Treibende Kraft hinter dem gemeinsamen Antrag
war die CDU, die sich bereits seit über drei Jahren für ein
Rauchverbot an den Schulen einsetzt. Rot-Grün hatte dagegen
bislang auf Prävention und Aufklärung gesetzt und noch im
Dezember ein generelles Rauchverbot abgelehnt. Grund für den
Sinneswandel auf Seiten der Koalition: Ein freiwilliges
Rauchverbot habe nicht das gewünschte Ergebnis gebracht. Trotz
Prävention und Aufklärung fangen die Schüler im Norden immer
jünger mit dem Rauchen an. Statistiken zufolge liegt das
Einstiegsalter der Jungen inzwischen bei 12,1 Jahren, das der
Mädchen bei 12,6 Jahren – und ist damit seit 2001 im Schnitt
um 0,4 Jahre gesunken.
Prinzipiell begrüßten auch FDP und SSW das
Leitbild der rauchfreien Schule. Beide Parteien kritisierten
jedoch, dass sich dieses Ideal mit Verboten allein nicht
verwirklichen lasse und sich kaum durchsetzen werde. Einigkeit
herrschte über alle Parteigrenzen hinweg darin, dass
Aufklärung und Prävention durch ein Verbot nicht überflüssig
würde. Kampagnen gegen das Rauchen müssten im Gegenteil sogar
noch verstärkt werden.
Stimmen aus dem Plenum:
Peter Eichstädt (SPD): Wir sind auch
heute noch der Meinung, dass die zahlreichen
Präventionsprogramme richtig und wichtig waren, aber
möglicherweise nicht ausreichend.
Frauke Tengler (CDU): Meine Fraktion ist
froh, dass die SPD endlich das begriffen hat, was ich bereits
2001 im Landtag vorgetragen habe. Dazwischen liegen leider drei
verlorene Jahre.
Ekkehard Klug (FDP): Es ist sehr beliebt,
den Schulen ein Verbot aufzutragen, sie aber bei der
Durchsetzung im Regen stehen zu lassen. Das schadet der
Autorität derjenigen, die das Verbot durchsetzen sollen.
Angelika Birk (Grüne): Funktionieren
wird das Verbot nur, wenn es gelingt, über begleitende
Präventions-Kampagnen alle Beteiligten von der Notwendigkeit
eines Rauchverbotes zu überzeugen.
Anke Spoorendonk (SSW): Wir fordern eine
Versachlichung der Debatte und wollen hier keine Symbolpolitik.
Erfahrungsgemäß finden Schüler immer wieder Wege, Verbote zu
umgehen.
Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD):
Der eigenen Einsicht muss man noch immer die größten
Erfolgschancen einräumen. Aber Prävention hat bei den jungen
Menschen nicht ausgereicht.
Hintergrund:
Die CDU-Fraktion fordert die
Landesregierung auf, per Erlass ein grundsätzliches
Rauchverbot an Schleswig-Holsteins Schulen durchzusetzen.
Die Union verweist darauf, dass Kinder immer
jünger zu rauchen beginnen. Laut einer Untersuchung des
Projektes „Gläserne Schule" liegt das
Einstiegsalter der Jungen bei 12,1 Jahren und der Mädchen
bei 12,6 Jahren – und ist damit seit 2001 im Schnitt um
0,4 Jahre gesunken. Vor allem Hauptschüler greifen laut
der Koordinationsstelle schulische Suchtvorbeugung (KOSS)
sehr früh zur Zigarette. Einer Umfrage zufolge
befürworten 79 Prozent der Bundesbürger ein generelles
Rauchverbot an Schulen. In Niedersachsen gibt es bereits
eine solche Regelung.
Ein ähnlicher Vorstoß der Union war vor zwei
Jahren mit der Mehrheit von Rot-Grün, FDP und SSW
dahingehend abgeändert worden, dass das
Bildungsministerium die einzelnen Schulen auffordern
sollte, in den jeweiligen Schulkonferenzen individuelle
Lösungen für das Rauch-Problem zu finden.
Der Bildungsausschuss empfiehlt dem Plenum mit
rot-grüner Mehrheit, den Unions-Antrag abzulehnen. Die
SPD-Fraktion hat jedoch ihre grundsätzliche Bereitschaft
betont, ein allgemeines Rauchverbot an allen staatlichen
Schulen im Lande durchzusetzen. Die Sozialdemokraten
wollen auf einen gemeinsamen Antrag aller Landtagsparteien
hinwirken. Aktuell: Dies ist im Verlauf des ersten
Sitzungstages anscheinend gelungen. In einem gemeinsamen
Antrag betonen SPD, CDU und Grüne das Leitbild einer
rauchfreien Schule - mit einem Erlass für ein striktes
Rauchverbot ab dem Schuljahr 2005/2006..
mehr
Informationen: plenum-online,
Dezember
2004
(www.sh-landtag.de/plenumonline/dezember04/
texte/36_23_rauchschule_kitas.htm)
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