Das ALG II sei im Januar termingerecht an die
102.800 Empfänger im Lande ausbezahlt worden, so Minister
Rohwer weiter. Nun müsse aber der "zweite Schritt" in
die Tat umgesetzt werden, nämlich die verbesserte Vermittlung
der Arbeitslosen. Der neue Betreuungsschlüssel von einem
Fallmanager für 75 erwerbslose Jugendliche sei bereits
erreicht, bei älteren Job-Suchenden werde dies bis Mai oder
Juni geschehen. Rohwer betonte, dass die Mehrkosten, die den
Kommunen durch Hartz IV entstanden seien, in voller Höhe
ausgeglichen würden.
Hartz IV soll nach dem Motto "Fördern und
Fordern" die Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen
in den Arbeitsmarkt erleichtern. Statt der bisherigen
Arbeitslosen- und Sozialhilfe wird nun das einheitliche ALG II
gezahlt. Die Vermittlung der Erwerbslosen soll deutlich
verbessert werden – im Gegenzug wird generell jede Arbeit
zumutbar. Langzeitarbeitslose, die keine reguläre Arbeit
finden, bekommen gemeinnützige Tätigkeiten zugewiesen und
werden dafür pro Stunde mit ein bis zwei Euro zusätzlich zum
ALG II entgolten ("1-Euro-Jobs").
Stimmen aus der Debatte:
Wolfgang Baasch (SPD): Hartz IV ist die
größte Sozialreform in der Geschichte der Bundesrepublik.
Deutschland wird ein aktivierender, moderner Sozialstaat.
Insbesondere junge Arbeitslose werden profitieren, denn alle
unter 25-jährigen werden durch ein Jobangebot, eine
Ausbildungsstelle oder eine Bildungsmaßnahme aktiviert.
Torsten Geerdts (CDU): Dies ist ein
erster, wichtiger Schritt, aber wir müssen weiter arbeiten.
Seit der Präsentation der Reform im August 2002 ist die
Arbeitslosigkeit nicht, wie angekündigt, um zwei Millionen
gesunken, sondern um 400.000 gestiegen - weil Hartz nicht
richtig umgesetzt wurde. Ein Beispiel hierfür sind die
Personal-Service-Agenturen: Statt, wie geplant, 500.000 Jobs zu
schaffen waren Ende 2004 nur 28.000 besetzte Plätze in dieser
Maßnahme zu verzeichnen.
Heiner Garg (FDP): Hartz IV ist im
Grundsatz richtig, aber es hätte später in Kraft treten
und nicht übers Knie gebrochen werden sollen. So stehen 8.000
ehemalige Sozialhilfe- und Arbeitslosenhilfe-Empfänger seit
Jahresanfang ohne Krankenversicherungsschutz da. Auch die
Finanzierung der KITA-Plätze für die Kinder von ALG
II-Empfängern ist nicht geklärt.
Angelika Birk (Grüne): Das befürchtete
Chaos ist ausgeblieben, dennoch besteht Nachbesserungsbedarf.
Viele Bescheide weisen rechtliche Mängel auf, zudem gibt es
Datenschutzprobleme. Die 1-Euro-Jobs sollten auf den
gemeinnützigen Bereich beschränkt bleiben und nicht auf die
Wirtschaft ausgedehnt werden.
Silke Hinrichsen (SSW): Es gibt 12.700 zu
betreuende Jugendliche in Schleswig-Holstein. Es ist positiv,
dass hier die Vermittlungsquote von 1 zu 75 erreicht wurde.
Aber: bei den 117.000 beschäftigungslosen Erwachsenen und einem
Verhältnis von 1 zu 700 sind viel mehr Vermittler nötig als es
zurzeit gibt. Deswegen kann der einzelne Arbeitslose nicht
adäquat betreut werden.