Kiel-Holtenau: Nach
Ausbau-Stopp neue Gedankenspiele
Grüne erneuern Forderung nach direkter
Bahnverbindung von Kiel zum Hamburger Airport

Kiel (SHL/lno/25.01.) Der Ausbau des
Flughafens Kiel-Holtenau ist seit Dienstag vom Tisch, die
Gedankenspiele um die Zukunft des Airports gehen weiter: Verkehrsminister
Dietrich Austermann (CDU), der vor dem Plenum noch einmal betonte,
"wir wollen einen weiteren Ausbau des Flughafens nicht
unterstützen", hofft jetzt auf die Wiederbelebung des
"kleinen" Linienflugverkehrs in der Landeshauptstadt . So
werde es im Frühjahr wieder Flugverbindungen von Kiel-Holtenau nach
Berlin-Tempelhof und Frankfurt geben; über eine Linie nach
Frankfurt werde derzeit verhandelt. Hinsichtlich der wiederholt von
den Grünen geforderten Anbindung an den Hamburger Flughafen
Fuhlsbüttel versprach er, "alles zu überprüfen, um die
Situation zu verbessern." Sinn mache solch eine Verbindung aber
nur, wenn der Zeitgewinn erheblich sei, so Austermann.
Der Grünen-Politiker Klaus Müller hatte die Landesregierung unter anderem
aufgefordert, zügig eine Machbarkeitsstudie für einen "Metroexpress"
in Auftrag zu geben, für eine schnelle Schienenverbindung zwischen Kiel, Neumünster,
Kaltenkirchen, Norderstedt, Hamburg Flughafen und Hauptbahnhof. Zudem müsse die Busverbindung Kiel-Fuhlsbüttel
gestärkt und das Einchecken in Kiel ermöglicht werden, regte der FDP-Abgeordnete
Heiner Garg an und forderte ein norddeutsches Verkehrskonzept ein.
CDU: Bahnverbindung nicht seriös finanzierbar
Obgleich die Abgeordneten parteiübergreifend die Entscheidung
des schwarz-roten Kabinetts, die Ausbaupläne ad acta zu legen, als mutigen
Schritt würdigten, warf die Debatte erneut politische Gräben auf: Hans-Jörn
Arp (CDU), der eine Bahnverbindung für "nicht seriös finanzierbar"
erachtete, warf den Grünen eine Fundamental-Opposition in Sachen
Infrastrukturpolitik vor. Ein Ausbau hätte neue Arbeitsplätze und Impulse in
und um Kiel herum gebracht. Allerdings räumte der Christdemokrat ein, dass
eine rentable Bewirtschaftung eines ausgebauten Holtenau Airports nur mit
Charterverkehr möglich gewesen wäre. Müller wies die Vorwürfe zurück:
Nicht die Grünen, sondern eine Studie hätte den Ausbau zu Fall gebracht. Die
Marktsituation habe sich in den letzten Jahren zu Ungunsten von Holtenau
geändert.
SPD: Stadt Kiel hat sich nicht genug eingesetzt
Für die Wahrung der Entwicklungschancen der K.E.R.N-Region
wäre der Ausbau des Flughafens notwendig gewesen, bedauerte Bernd Schröder
(SPD) das Ende der Ausbaupläne. Der Sozialdemokrat warf der Stadt Kiel vor,
sich nicht genug für den die Erweiterung des Flughafens eingesetzt zu haben.
"Wie andere kleine Regionalflughäfen hat auch Kiel-Holtenau weiterhin eine Chance, wenn man sich umstellt, Nischen aufspürt und
bedarfsgerechte und flexible Angebote macht", schaute Schröder in die
Zukunft.
"Ein oder zwei Linien machen den Flughafen Holtenau nicht
rentabel", bremste Lars Harms (SSW). Auch mit Subventionen sei das nicht
möglich. Eines müsse mit Blick auf die Ausbau-Debatte klar sein: "Luftschlösser,
die unwirtschaflich sind, und auch noch die Umwelt belasten, sollten der
Vergangenheit angehören. Man kann den Wirtschaftsraum Kiel viel
bedarfsgerechter wie etwa mit Bus und Bahn anbinden."
Der Bericht des Ministers und Antrag der Grünen für eine
Bahn-Anbindung Kiels an den Hamburger Airport Fuhlsbüttel wurden an den
Wirtschaftsausschuss überwiesen.
Hintergrund:
Die FDP fordert einen
mündlichen Regierungsbericht über die Perspektiven des
Flughafens Kiel-Holtenau. Hintergrund ist das Ende
Dezember vorgestellte Luftverkehrskonzept für Hamburg und
Schleswig-Holstein, in dem die Gutachter empfehlen,
"das laufende Ausbauverfahren vorläufig zu beenden
und einen möglichen Ausbau zu einem späteren Zeitpunkt
erneut zu prüfen".
Vor diesem Hintergrund treten die Grünen in einem
eigenen Antrag erneut für das Ende der Planungen für
eine Startbahnverlängerung in Holtenau ein. Stattdessen
fordern sie eine Bahn-Anbindung Kiels an den Hamburger
Airport Fuhlsbüttel im 30-Minuten-Takt.
Die Diskussion über den möglichen Ausbau des
Flugplatzes Holtenau spaltet seit Jahren die Landespolitik
wie die Kommunalpolitik. Laut einem Gutachten des
Wirtschaftsministeriums vom Oktober 2004 würde der Umbau
rund 48 Millionen Euro kosten. Die Flughafengesellschaft
benötige zunächst öffentliche Finanzspritzen, könne
aber, so die Prognose, ab 2015 kostendeckend arbeiten.
Voraussetzung sei ein Ausbau der Landebahn auf 1.950
Meter. Anwohner protestieren seit Jahren gegen die Pläne.
Ende Dezember hat indes die dänische Cimber Air
den Linienverkehr von Kiel nach Frankfurt eingestellt.
Damit ist auch die letzte fahrplanmäßige Anbindung der
Landeshauptstadt an das internationale Flugnetz
weggefallen.
Aktuell: Am Dienstag
vor der Tagung hat
Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) bestätigt, dass die schwarz-rote
Landesregierung die Ausbaupläne für den Flughafen
Kiel-Holtenau nicht weiter verfolgen wird.
mehr Informationen: plenum-online,
August 2005
(www.sh-landtag.de/plenumonline/august2005/
texte/14_32_flughafen_luebeck.htm)
plenum-online,
Mai 2005
(www.sh-landtag.de/plenumonline/mai2005/
texte/14_22_unikliniken_flughafenki.htm)
mehr Informationen: plenum-online,
September
2004
(www.sh-landtag.de/plenumonline/september2004/texte/13_luftverkehr.htm)
Infos zum Flughafen
Kiel-Holtenau
mehr Informationen: plenum-online,
Dezember
2004 (spez. Bahn)
(www.sh-landtag.de/plenumonline/dezember04/
texte/27_45_bahn_laendlraum.htm)
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