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Kontroverse um den
"gläsernen Bürger"
Opposition will EU-Pläne zur
Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung stoppen
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Kiel (SHL/25.01.)
Die FDP will den Einzug des "gläsernen Bürgers" im
Bereich der Telekommunikation verhindern. Vor diesem Hintergrund
forderte die Oppositionspartei die Landesregierung dazu
auf, die EU-Pläne zur Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung
von Telefon- und Internetverbindungen im Bundesrat abzulehnen.
Zustimmung erhielten die Liberalen von den Grünen und dem SSW.
Die schwarz-rote Koalition hingegen hob hervor, dass der
zunehmenden Bedrohung durch weltweiten Terrorismus Einhalt
geboten werden müsse. Justizminister Uwe Döring (SPD)
bedauerte, dass es "leider keine Zauberformel" für
die richtige Balance zwischen Freiheit und Sicherheit gebe. Die EU
habe mit ihren Plänen jedoch einen Kompromiss gefunden, "dem
man zustimmen kann", so Döring. Das Plenum leitete den
Antrag dem Innen- und Rechtsausschuss sowie dem
Europaausschusses zu.
Die 25 Justizminister planen, Verbindungsdaten von
Gesprächen im Festnetz und über Handy wie auch
SMS-Daten, E-Mail-Verkehr und Internet-Aufrufe EU-weit
mindestens sechs Monate lang zu speichern. Archiviert
werden soll, wer mit wem kommuniziert, nicht jedoch der
Inhalt der Gespräche. Hierdurch sollen Polizei und Justiz
Erkenntnisse im Kampf gegen den Terrorismus und die
organisierte Kriminalität gewinnen. Das EU-Parlament hat
das Vorhaben im Dezember in Erster Lesung mehrheitlich
positiv aufgenommen.
Rechtsbedenken rückte
Wolfgang Kubicki (FDP) in den Vordergrund: "Die
Unschuldsvermutung mutiert in der EU zum Generalverdacht".
Schließlich müsse der Verbraucher die Kosten dieser Maßnahmen
tragen, die zudem zur Terrorismusbekämpfung ungeeignet seien.
Dieser Meinung war auch Anne Lütkes (Grüne), die kritisierte,
dass "nutzlose Daten auf Kosten der Industrie gespeichert
werden". Die EU-Pläne seien ein "verfassungswidriges
Vorhaben", das "nur ein Beispiel für die Weichenstellung
zu mehr Überwachung" sei. Zudem habe eine ernsthafte
Debatte in der EU nicht stattgefunden. Anke Spoorendonk
(SSW) fügte hinzu, dass das "Speichern von elektronischen
Fußspuren" ein nicht gerechtfertigter Eingriff in die
Freiheit der Bürger sei.
Peter Lehnert (CDU), der der Opposition
widersprach, betonte den Sicherheitsaspekt: "Die
Vorratsdatenspeicherung wird auf das Maß reduziert, welches zur
Bekämpfung von Terrorismus und Kriminalität wichtig ist."
Die Verbindungsdaten seien häufig der einzige Ansatz,
organisierte Verbrechensstrukturen zu überführen. Insgesamt
stelle die Richtlinie "einen guten Rahmen für die
Umsetzung auch nationalen Rechts dar". Klaus-Peter Puls
(SPD) erachtete es als notwendig, angesichts der "unbestreitbaren
Gefahr", international vereinbarte Richtlinien zu schaffen.
Wichtig sei hierbei "nicht unverhältnismäßig und
verfassungswidrig in die Bürgerrechte einzugreifen".
Hintergrund:
Die FDP spricht sich gegen die
Pläne der EU-Justizminister zur Vorratsdatenspeicherung
von Telefon- und Internetverbindungen aus und fordert die
Landesregierung auf, diese im Bundesrat abzulehnen.
Die 25 Justizminister planen, Verbindungsdaten von
Gesprächen im Festnetz und über Handy wie auch
SMS-Daten, E-Mail-Verkehr und Internet-Aufrufe EU-weit
mindestens sechs Monate lang zu speichern. Archiviert
werden soll, wer mit wem kommuniziert, nicht jedoch der
Inhalt der Gespräche. Hierdurch sollen Polizei und Justiz
Erkenntnisse im Kampf gegen den Terrorismus und die
organisierte Kriminalität gewinnen. Das EU-Parlament hat
das Vorhaben im Dezember in Erster Lesung mehrheitlich
positiv aufgenommen.
Gegen die Pläne regt sich Widerstand:
Datenschützer sehen durch die verdachtsunabhängige
Speicherung die Grundrechte in Gefahr. Die
Telekommunikations-Industrie verweist darauf, dass durch
die Speicherung Kosten in dreifacher Millionenhöhe
entstünden, die die Unternehmen an ihre Kunden
weitergeben würden.
Die FDP im Landtag bemängelt zudem, dass sich
Bundes-Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) bei ihrer
Einwilligung in die EU-Pläne gegen einen Beschluss des
Bundestages gestellt habe. Der hatte sich im Februar 2005
gegen die Vorratsdatenspeicherung ausgesprochen.
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Fußfesseln
für "Hassprediger"? Mehrheit
im Landtag lehnt eine solche Überwachungsmaßnahme ab
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Kiel (SHL/26.01.) In
Schleswig-Holstein sollen keine elektronischen Fußfesseln
eingesetzt werden, um sogenannte "Hassprediger" besser
kontrollieren zu können: Dies sei kein geeignetes Mittel zur
Bekämpfung von Extremismus, befand die Mehrheit des Landtages
und schloss sich damit einer entsprechenden Forderung der FDP
an. Allein die CDU stellte sich positiv hinter diese
Überwachungsmaßnahme: Dies sei "ein sehr viel milderes
Mittel als die vom ehemaligen Bundesinnenminister Schily
vorgeschlagene Sicherungshaft", sagte Peter Lehnert.
Innenminister
Ralf Stegner (SPD) begrüßte hingegen das Ansinnen der
Liberalen und versprach, einen entsprechenden Fußfessel-Vorstoß
des niedersächsischen Innenministers Schünemann (CDU) im
Bundesrat abzulehnen. Im Einklang mit Thomas Rother (SPD)
beschied er, dass der Vorschlag seines Amtskollegen sowohl gegen
das Grundgesetz als auch gegen die EU-Menschenrechtskonvention
verstoße.
Der
FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki warnte davor, die
Gesinnung eines Menschen zu sanktionieren: "Dieses Mittel
ist nicht geeignet, um extremistische Ideen zu verhindern.
Vielmehr wird es die Stigmatisierung von Muslimen weiter voran
treiben." Auch Anne Lütkes (Grüne) verurteilte den
Einsatz der elektronischen Überwachung scharf. Sie sagte:
"Eine freiheitsbeschränkende Maßnahme aufgrund einer
Gesinnung, das ist mit uns nicht zu machen." Anke
Spoorendonk vom SSW forderte, zunächst alle Rechtsmittel
auszuschöpfen, bevor man zu rechtlich bedenklichen Mitteln
greift.
Das Thema wurde dem
Innen- und Rechtsausschuss zur weiteren Beratung zugeleitet.
Hintergrund:
Die FDP spricht sich gegen die
Überwachung so genannter Hass-Prediger durch
elektronische Fußfesseln aus und fordert die
Landesregierung auf, im Bundesrat ebenfalls eine
ablehnende Haltung in dieser Frage einzunehmen. Die
Liberalen reagieren damit auf einen entsprechenden
Vorstoß des niedersächsischen Innenministers Uwe
Schünemann (CDU). Der hatte argumentiert, durch eine
elektronische Überwachung könnten gewaltbereite
Islamisten in Deutschland besser kontrolliert werden.
Schünemann geht von bundesweit 3.000 Moslem-Extremisten
aus.
Stichwort: Elektronische
Fußfessel
Die elektronische Fußfessel ist
ein Armbanduhr- bis Zigarettenschachtel großer Sender,
der am Unterschenkel oder am Fußgelenk angebracht wird.
Der Empfangssender wird am Telefon des Betroffenen
angebracht und meldet, wann immer der Betroffene seinen
Aufenthalts-Auflagen nicht nachkommt. Die Überwachung
erfolgt durch einen Zentralcomputer, der automatisch die
zuständigen Behörde informiert.
Die Bundesländer haben sich 1999 auf einen
Modellversuch mit der Fußfessel geeinigt. Bislang wird
das System aber nur in Hessen für verurteilte Straftäter
als Bewährungsauflage oder zur Vermeidung einer
Untersuchungshaft angewendet.
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