Föderalismus-Reform:
Carstensen bekräftigt Kritik an Einzelpunkten
Opposition wirft
Regierung "Eiertanz" vor
Kiel (SHL/25.01.) Schleswig-Holstein
wird sich in der Debatte um die Reform des Föderalismus für die
Beibehaltung der einheitlichen Besoldung von Beamten einsetzen.
Dies hat Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) in einem
von CDU, SPD und FDP beantragten Bericht zur anvisierten Reform
des Föderalismus deutlich gemacht. Schleswig-Holstein wolle
im Bundesrat über die Bereiche des Reformpaketes einzeln
abstimmen lassen, betonte der Regierungschef mit Blick auf die
Verhandlungen in der Länderkammer. Unbeantwortet ließ die schwarz-rote Koalition die Kernfrage der
Opposition von FDP und Grünen: Wird die Landesregierung der Föderalismus-Reform zustimmen, wenn es keine Änderungen am
Gesamtpaket mehr gibt?
Die beiden
Oppositionsparteien warfen dem Ministerpräsidenten vor, an diesem
Punkt einen "Eiertanz" aufzuführen, so Wolfgang Kibicki
(FDP). Die Regierung müsse sich entscheiden, ob sie bereit sei,
die Reform in der Beamten-Frage scheitern zu lassen. Unisono
fürchten Regierung und Parlamentarier durch die unterschiedliche
Bezahlung von Staatsdienern einen ruinösen Wettbewerb, in dessen
Folge die Länder untereinander Beamte über den Geldbeutel
abwerben könnten.
Im Grundsatz bekannte sich Carstensen klar zur Entflechtung der
Zuständigkeiten von Bund und Ländern: "Wir brauchen diese Reform,
damit Aufgaben und Verantwortlichkeiten der Kommunen, der Länder, des
Bundes und Europas für die Bürgerinnen und Bürger wieder durchschaubarer werden", sagte er.
"Aufgaben, die die Kommune lösen kann, soll die Kommune lösen. Aufgaben, die ein Land schaffen kann,
muss das Land lösen." Erst dann seien Bund und EU gefragt.
Stegner: Reform darf kein Selbstzweck
sein
"Wir reden nicht mehr über das Ob, sondern
über das Wie", stellte CDU-Fraktionschef
Wadephul die Chancen der Reform in den Mittelpunkt seiner
Rede. Die für das Land schwierigen Aspekte dürften nicht dazu führen,
dass die Föderalismus-Reform insgesamt in Frage gestellt wird, betonte
er, ohne Innenminister Ralf Stegner zu erwähnen. Der SPD-Politiker hatte
vor der Tagung eine Zustimmung des Landes zum Föderalismus-Paket in Frage gestellt.
Bund und Länder wollen handlungsfähiger werden,
unterstrich Stegner in der Debatte: Die Reform sei
aber kein Selbstzweck. Ziel müsse die Einheitlichkeit der
Lebensverhältnisse in der Bundesrepublik sein. Deshalb gelte es
auch auf Details wie etwa beim Beamten-Besoldungsrecht zu achten,
damit kein aggressiver Wettbewerb entstehe. Die reichen
Länder könnten nicht so tun, als ginge es "nur so und anders
überhaupt nicht", so Stegner. Und: "Wettbewerb: ja, aber aggressiver
Wettbewerbsföderalismus, bei dem wir auf der Strecke bleiben: nein."
Im Grundsatz sei die große Koalition in Berlin auf dem richtigen
Weg, meinte der SPD-Fraktionsvorsitzende Lothar Hay. Zugleich
monierte er: Die Bundestagsabgeordneten der Geberländer
haben nur die Interessen ihrer Länder im Blick, Diese Politiker,
so Hay, wollten Wettbewerbsvorteile erreichen. Aber das dürfe
nicht Maßstab der Reform sein. Ein Start für die kleinen Länder
aus völlig ungleicher Konkurrenzsituation käme nicht in Frage,
stellte er klar.
Probleme bei der Umsetzung sprach
Oppositionsführer Wolfgang Kubicki (FDP) an. Die
Föderalismus-Reform wolle die konkurrierende Gesetzgebung abbauen. Gleichzeitig sehe das Reformpaket in der
Rahmengesetzgebung eine abweichende Gesetzgebung vor. Danach
könnte der Bundesumweltminister ein Umweltgesetzbuch
verabschieden, dem die 17 Länder nicht Folge leisten müssten.
Das wäre den Bürgern nicht zu vermitteln.
Grüne plädieren für Beibehaltung bei der
Fürsorge
Anne Lütkes (Grüne) nahm einen Änderungsantrag
ihrer Fraktion zum Anlass, um für die Beibehaltung der
Bundesgesetzgebung bei der Fürsorge zu werben. Kinder- und
Jugendhilfe bräuchte verlässliche Rahmenbedingungen, so Lütkes.
Sie sprach sich zudem für Umweltstandards im Bund aus.
Eigenständige Regelungen der Länder im Naturschutz und in der
Landschaftspflege – wie im Zuge der Föderalismusreform
vorgesehen – sollten dann lediglich über diese Standards
hinausgehen dürfen. Auch in der Bildung müsste über bundesweite
Standards nachgedacht werden.
In dieselbe Richtung zielte Anke Spoorendonk
(SSW): Der Staat solle im Bereich Bildung seiner Verantwortung
nachkommen. Es müsse deshalb möglich sein, Hochschulen und
Schulen mit Bundesmitteln zu unterstützen. Spoorendonk
kritisierte die anvisierte vollständige Verlagerung des
Strafvollzuges – einschließlich des Vollzugs der
Untersuchungshaft – auf die Länderebene. Dies schaffe unter
Umständen einen Strafvollzug je nach Finanzlage eines Landes.