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Vogelschutzpläne
auf Eiderstedt:
SPD noch nicht überzeugt
Umweltminister
steht zu Flächen-Reduzierungen
Kiel (SHL/26.01.)
Umweltminister Christian von Boetticher (CDU) bleibt seiner
Linie treu, die ursprünglich von Rot-Grün geplanten
Vogelschutzgebiets-Flächen zu reduzieren. In dem von der FDP
initiierten Berichtsantrag erklärte von Boetticher, dass sein
Ministerium den Geboten der EU folgen werde, "wir aber auch
nicht mehr tun werden, als wir müssen." Heftige Kritik
hingegen hagelte es in einer emotional geführten Debatte von
Seiten der Grünen, die dem Umweltminister vorwarfen, lediglich
"den Bauern einen Gefallen tun zu wollen", ohne dass er
mögliche "saftige" Geldstrafen der EU-Kommission
berücksichtige. Auch der Koalitionspartner SPD kritisierte die
Pläne von Boettichers: Man könne sich "keine
Planungsunsicherheit und kein mögliches Strafverfahren der EU
leisten".
Von Boetticher betonte in
seiner Rede, dass Eiderstedt kein Feuchtgebiet internationaler
Bedeutung nach der ´Ramsar-Konvention´ sei, weshalb "erheblicher
Spielraum" für eine Verkleinerung des Gebietsvorschlages
bestehe. Allerdings könne "niemand wissen, was bei der
EU-Kommission akzeptiert" werde. Es sei wichtig gewesen,
"Menschen vor Ort in die Entscheidungsfindung mit
einzubeziehen". Zur Gebietsfestlegung erklärte von
Boetticher: "Vögel haben die Eigenschaft zu fliegen",
weshalb einzelne "Spotpoints" und kein
zusammenhängendes Gebiet ausgewiesen werden müssen.
Von Boetticher hatte in der
letzten Woche angekündigt, statt der bisher geplanten 19.800
Hektar auf der nordfriesischen Halbinsel Eiderstedt nur noch 2.700
Hektar als Vogelschutz-Gebiet an die EU zu melden. Diese
Ankündigung war auch bei Naturschutzverbänden auf Kritik
gestoßen. Die alte rot-grüne Koalition wollte ursprünglich
einen Großteil der 30.000 Hektar großen Halbinsel zur
Vogelschutzfläche erklären. Das Argument: Hier leben fünf
Vogelarten, die auf der EU-Schutzliste stehen, darunter die
Trauerseeschwalbe und der Goldregenpfeifer.
"Naturschutz kann wieder Freude
machen"
Günther Hildebrand (FDP) unterstrich die
Argumentation von Boettichers. Insgesamt sei das Vorhaben ein
"Erfolg für die Menschen und kein Misserfolg für den
Naturschutz", da die Bewohner bewiesen hätten, sich für den
Naturschutz einzusetzen. Herlich Marie Todsen-Reese fügte hinzu:
"Naturschutz in Schleswig-Holstein kann wieder Freude
machen." Zudem werde ein freiwilliger Vertragsnaturschutz auf
seine Finanzierbarkeit geprüft.
Konrad Nabel (SPD) setzte
entgegen, dass der Vogelschutz in den betroffenen Gebieten "erheblich
an Toleranz gewonnen" habe. Es müsse eine Diskussion auf
breiter Ebene geführt werden, in die auch die
Naturschutzverbände miteinbezogen werden sollten. Rechtssicherheit müsse vor Schnelligkeit
gehen, so Nabel.
Karl-Martin Hentschel (Grüne)
warf der CDU "Klientelpolitik" vor. Außerdem habe sie
seit Jahren "mit falschen Behauptungen und Argumenten"
Widerstand geschürt. Schließlich sei der "Staat
verpflichtet, Vögel vor der Ausrottung zu schützen." Der
Politiker der Grünen kritisierte den Umweltminister, dass ihm die
neuesten Informationen zu den Feuchtgebieten nach der ´Ramsar-Konvention´
nicht zugegangen seien. Lars Harms (SSW) mahnte an, dass es
Einkommenseinbußen in der Landwirtschaft geben werde, weshalb
Maßnahmen erstellt werden müssten, die Bauern zu unterstützen.
Hintergrund:
Die FDP fordert die
Landesregierung auf, über ihre Pläne zur Ausweisung von
Natura 2000-Schutzgebieten auf der Halbinsel Eiderstedt
und in der Eider-Treene-Sorge-Niederung an der
schleswig-holsteinischen Westküste zu berichten.
Umweltminister Christian von Boetticher (CDU) hat
in der letzten Woche angekündigt, statt der bisher
geplanten 19.800 Hektar auf der Halbinsel Eiderstedt nur
noch 2.700 Hektar als Vogelschutz-Gebiet an die EU zu
melden. Diese Ankündigung war bei Naturschutzverbänden,
aber auch bei SPD und Grünen im Landtag, auf Kritik
gestoßen.
Die Schutzgebietsausweisung an der Westküste ist
ein Dauerbrenner in der Landespolitik. Die alte rot-grüne
Koalition wollte ursprünglich einen Großteil der 30.000
Hektar großen Halbinsel zur Vogelschutzfläche erklären.
Das Argument: Hier leben fünf Vogelarten, die auf der
EU-Schutzliste stehen, darunter die Trauerseeschwalbe und
der Goldregenpfeifer. Damit hatte Rot-Grün massive
Proteste der ansässigen Landwirte auf sich gezogen. Sie
befürchten hierdurch wirtschaftliche Nachteile und
kritisieren insbesondere das so genannte
"Verschlechterungsverbot", das den Ausbau ihrer
Betriebe erschwert. Die CDU hatte diese Proteste
unterstützt.
Stichwort:
FFH-Richtlinie
Im Rahmen des 1992 beschlossenen
Programms "Natura 2000" haben sich die
Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verpflichtet,
Naturschutzgebiete im Sinne der "Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie
(FFH) und der Vogelschutz-Richtlinie auszuweisen. Dies, so
die EU-Kommission, sei in Schleswig-Holstein bislang nicht
in ausreichendem Maße geschehen. Brüssel fordert daher
Nachbesserungen und droht mit Geldbußen.
Mit Stand vom Juli 2004 hat das Land
Schleswig-Holstein 270 FFH-Gebiete mit einer Landfläche
von rund 124.000 Hektar und einer Meeresfläche von rund
567.000 Hektar ausgewählt und gemeldet. Bei den
Vogelschutzgebieten belaufen sich die gemeldeten Gebiete
auf 45 mit rund 101.000 Hektar Land- und rund 738.000
Hektar Meeresfläche.
mehr Informationen: plenum-online,
Mai 2005
(www.sh-landtag.de/plenumonline/mai2005/
texte/16_18_vogelschutz_gentechnik.htm)
Natura 2000
(http://natura2000.eformation.de/de/start/start.php)
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