1,4-Milliarden-Scheck
für Investitionen in Schleswig-Holstein
Regierungschef stellt "größtes
Förderprogramm
in der Landesgeschichte" vor
(detaillierte Eckdaten siehe letzten Absatz des Artikels)
Kiel (lno/SHL/25.01.)
Mit einem Investitionsprogramm von 1,4 Milliarden Euro für die
nächsten sieben Jahre will sich Schleswig-Holstein im europäischen
Standortwettbewerb der Regionen profilieren. Das Geld aus
Fördertöpfen von EU, Bund und Land soll bis 2013 in die Bereiche
Wirtschaft, Arbeit, ländlicher Raum und Fischerei fließen. Es sei
„das größte Förderprogramm in der Landesgeschichte", sagte
Ministerpräsident Peter
Harry
Carstensen (CDU/Foto) in einer
Regierungserklärung im Landtag. Damit würden Gesamt-Investitionen
in Höhe von mehr als drei Milliarden Euro ausgelöst. "Wir
wollen damit die gegenwärtige positive Entwicklung strukturell
unterstützen: Nicht Gelder konsumieren, sondern Gelder investieren,
die auf Jahrzehnte eine Rendite für Schleswig-Holstein
versprechen", sagte Carstensen. Das Programm werde dem Land
neue Impulse geben, hoffte der Regierungschef und umriss die
Verteilungsrichtlinien so: „Die Zeit ausgiebiger Nischenförderung
ist vorbei, das Ziel der Wettbewerbsfähigkeit hat Vorrang."
Generell wurde die Stoßrichtung des Förderprogramms im Plenum
begrüßt. Den markigen Worten des Regierungschefs wollten in der
anschließenden Aussprache aber nicht alle Redner im Landtag folgen.
Insbesondere die FDP gab sich kritisch.
"Die Landesregierung präsentiert alten Wein
aus neuen Schläuchen und preist ihn wie Sauberbier an",
konterte Oppositionsführer Wolfgang Kubicki (FDP) und
rechnete vor: Die angepriesenen Investitionen in Höhe von 1,4
Milliarden Euro würden umgerechnet auf die siebenjährige Laufzeit
gerade mal 200 Millionen Euro pro Jahr entsprechen. "Die Devise
lautet nicht klotzen, sondern tröpfchenweise kleckern",
folgerte der Fraktionschef der Liberalen. Die wesentliche Leistung
von Schwarz-Rot bestehe darin, so Kubicki weiter, Anträge für die
„Ländersozialhilfe richtig auszufüllen und sie rechtzeitig nach
Brüssel zu schicken." Ein erfolgreiches Zukunftsprogramm
würde den Standort mit öffentlichen Infrastrukturprojekten
stärken und nicht auf betriebliche Förderungen im Wettbewerb der
Regionen setzen.
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Johann Wadephul
hob insbesondere die Ausgangsposition für das Programm hervor. Die
Anzahl der um Fördermittel bemühten EU-Mitgliedsstaaten habe sich
fast verdoppelt, während der Fördertopf lediglich um 50 Prozent
gewachsen sei. Vor diesem Hintergrund sei es "ein großer
Erfolg der Landesregierung, ein so großes Stück des Kuchens
bekommen zu haben", sagte Wadephul. Damit seien die Weichen
für die Zukunft gestellt, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten
im Wettbewerb bestehen zu können. "Hier wird geklotzt und
nicht gekleckert."
"Das Land stärkt mit dem Zukunftsprogramm
seine wirtschaftlichen Schwerpunkte", konstatierte der SPD-Fraktionsvorsitzende
Lothar Hay. Der von der Großen Koalition eingeschlagene
Kurs sei richtig, Kompetenzfelder seien die Life-Sciences, die
maritime Wirtschaft, der Energiesektor, Informations- und
Kommunikationstechnologien, Mikro- und Nanotechnologie, Tourismus,
Ernährung, Chemie- und Mineralölverarbeitung sowie Luftfahrt und
Verkehrstechnik. Besondere Anstrengungen mahnte Hay im Tourismus an:
"Andere Urlaubsgebiete laufen Schleswig-Holstein den Rang
ab." Das neue, landesweit abgestimmte Tourismuskonzept mit den
Zielgruppen Familie und Senioren sei so von besonderer Bedeutung.
Grünen-Fraktionschef Karl-Martin Hentschel
begrüßte das Programm im Grundsatz, bescheinigte der
Landesregierung aber, keine besonderen Anstrengungen unternommen zu
haben. Das Geld sei im Vergleich zur vergangenen Förderperiode das
gleiche, da die Inflation eingerechnet werden müsse. An der
Investitionsquote habe sich nichts geändert. "Die Quantität
des Programms ist nicht neu." Lob kam von Hentschel
insbesondere für das Zukunftsprogramm Arbeit. Nicht mehr die harten
Faktoren stünden im Zentrum. "Die Förderung von weichen
Faktoren wie Bildung, Kultur, Wissenstransfer und Innovation gewinnt
eine neue Bedeutung für die wirtschaftliche Attraktivität."
Allerdings bestehe die Gefahr, das "Füllhorn der
Direktinvestitionen" wieder aufzumachen.
Mit "Genugtuung" registrierte Lars
Harms (SSW), dass die Landesregierung im Bereich der
Wirtschaft die Förderung für die strukturschwachen Regionen des
Landes aufrecht erhalte. Denn: Die Ausdehnung des Fördergebietes
auf das ganze Land habe, so Harms, "im letzten Jahr zu einiger
Unruhe in den strukturschwachen Regionen im nördlichen Landesteil
oder an der Westküste geführt". Grundsätzlich mahnte der
SSW-Abgeordnete die Beibehaltung des wirtschaftspolitischen Kurses
der Vorgänger-Regierung an, die mit einer Clusterstrategie eine
zukunftsweisende Perspektive für alle Regionen Schleswig-Holsteins
erarbeitet habe. "Jetzt geht es darum, dass die Landesregierung
diese Strategie an die neuen Anforderungen der EU anpasst und
konsequent vor Ort umsetzt", sagte Harms.
Eckdaten zum
1,4-Milliarden-Euro
schweren Zukunftsprogramm:
Der Löwenanteil von über 720 Millionen Euro soll
der Wirtschaft zugute kommen. Fördern will die Regierung in erster
Linie strukturschwache Regionen. Existenzgründungen und
Clusterbildungen erhalten besondere Unterstützung. Finanziert wird
das Wirtschaftsprogramm überwiegend aus dem Europäischen Fonds
für Regionale Entwicklung (EFRE).
216 Millionen Euro sollen in den Arbeitsmarkt
fließen. Hier will die Landesregierung Vorsorge treffen, um
Arbeitslosigkeit zu verhindern und Jugendarbeitslosigkeit abzubauen.
Der ländliche Raum wird mit 464 Millionen Euro
bedacht. In diesem Bereich setzt die Landesregierung auf die
Förderung einzelbetrieblicher Investitionen. Außerdem soll der
Ausbau Erneuerbarer Energien und die Verbesserung des
Küstenschutzes auf dem Plan stehen.
Mit den 32 Millionen Euro Budget für den Bereich
Fischerei sollen die Fangflotte modernisiert und die Aquakulturen
weiter entwickelt werden.