plenum-online wird während der Tagung ständig aktualisiert. Betätigen Sie bitte bei Aufruf einer Seite die Funktion "Neu laden" , "Aktualisieren" oder "reload", um ggf. die neueste Fassung zu erhalten.  

Auf dieser Seite: Bleiberecht 

xxx

Top 8:
Geduldete Familien in Schleswig-Holstein
Große Anfrage der Fraktion B`90/DIE GRÜNEN – Drs. 16/758
Antwort der Landesregierung
Drucksache: 16/1150
-Plenarprotokoll-
       Aufruf gemeinsam mit:
Top 35:
Geduldete Familien in Schleswig-Holstein
Landtagsbeschluss vom 15.12.2006 – Drucksache 16/1109
Federführend ist das Innenministerium
Drucksache:16/1167

Landtag diskutiert Bleiberecht

Stegner verteidigt Kompromiss
der Innenministerminister

Kiel (SHL/26.01.) Schleswig-Holsteins Innenminister hat vor einer Aufweichung des von der Bundesinnenministerkonferenz beschlossenen Kompromisses zum Bleiberecht für geduldete Ausländer gewarnt. "Es geht hier um die Zukunft von Menschen – und die eignen sich nicht für die politische Profilierung", warnte Ralf Stegner (SPD) in einer Antwort auf eine von den Grünen initiierten Großen Anfrage im Landtag. Nach der grundsätzlichen Verständigung in der Bundeskoalition sollen Flüchtlinge künftig nach acht Jahren – wenn sie Alleinstehende sind – beziehungsweise sechs Jahren – wenn es um Familien mit Kinder geht – ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht in Deutschland erhalten. Voraussetzungen sind, dass sie die deutsche Sprache beherrschen und für ihren Lebensunterhalt selbst sorgen. Deshalb sollen sie auch Zugang zum regulären Arbeitsmarkt erhalten. Laut dem Kompromiss der Innenminister müssen sie bis Ende September 2007 eine feste Beschäftigung nachweisen.

Insbesondere die Opposition äußerte in der Aussprache die Befürchtung, dass nur wenige Geduldete von der Regelung profitieren würden. "Diese Menschen haben genau neun Monate Zeit das nachzuholen, was bisher verhindert wurde", stellte Grünen-Fraktionschef Karl-Martin Hentschel fest. "Parallel laufen dazu Abschiebungen in den Kreisen. Experten befürchten, dass höchstens 10 bis 20 Prozent die Hürde überwinden werden. Die Anderen werden scheitern", so Hentschel. Dem widersprach Innenminister Stegner: Schleswig-Holstein werde auf ein bundesweites Bleiberecht hinarbeiten und humanitäre Spielräume so weit wie möglich ausnutzen.

Oppositionsführer Wolfgang Kubicki (FDP) nannte die Ausführungen des Ministers „dürftig". Denn: "Wir wollten nicht wissen, wie viele durch ihren Antrag diese Chance nutzen wollen, sondern wem sie sich überhaupt bietet." Dann, so Kubicki, "wird man sehen, dass dieser Bleiberechts-Kompromiss den Wenigsten zugute kommen wird." Anke Spoorendonk (SSW) verlangte „klare Verhältnisse". Es gehe nicht darum, „dass sich Ausländer über Umwege einen Platz in unserer Mitte erschleichen, sondern darum, dass Menschenrechte für alle gelten."

Rund 3.100 Menschen im Land betroffen

"Der Aufenthalt von Ausländern, die nach dieser Bleiberechts-Regelung keine Aufenthaltserlaubnis erhalten können, muss konsequent beendet werden", betonte Peter Lehnert (CDU). Die Rückführung von ausreisepflichtigen Ausländern solle durch geeignete Maßnahmen verbessert werden; praktische Hindernisse der Abschiebung seien soweit wie möglich zu beseitigen.

Klaus Peter-Puls (SPD) verlangte grundsätzlich, bessere Beschäftigungsmöglichkeiten für Geduldete zu schaffen. Hier grenze die jetzige Situation an "Verhöhnung". Es sei nicht „inzusehen, so Puls, "dass Menschen, die Jahre lang hier leben, kein Bleiberecht bekommen."

Grundlage der Debatte war ein schriftlicher Bericht der Landesregierung: Danach leben in Schleswig-Holstein derzeit 3.106 geduldete Personen. 1.880 davon leben in Familien. Insgesamt gibt es im Lande 457 betroffene Familien. Als überwiegende Mehrzahl der Duldungsgründe bezeichnet die Landesregierung unterbrochene Reisewege, mangelnde Mitwirkung der Betroffenen im Falle von "Passlosigkeit" sowie Kooperationsprobleme mit den Vertretungen anderer Staaten. Gegenwärtig sind 82 Arbeitsgenehmigungen an geduldete Ausländer erteilt.

Das Thema wurde an den Innen- und Rechtsausschuss sowie mitberatend an den Sozialausschuss überwiesen.

Druckversion

zurück zum Textanfang

Hintergrund:
   Auf Basis eines Berichtsantrags und einer Großen Anfrage der Grünen berichtet die Landesregierung über die Situation der Familien, die mit dem Status der Duldung in Schleswig-Holstein leben. Aktueller Hintergrund ist der Beschluss der Innenministerkonferenz zum Thema Bleiberecht vom Dezember letzten Jahres und die darauf neu entfachte bundespolitische Debatte.
   Die Diskussion über langjährig geduldete Ausländer ist ein Dauerbrenner in der deutschen Innenpolitik. Es geht hierbei um abgelehnte Asyl-Bewerber, die aufgrund von Krieg und Verfolgung in ihrer Heimat aus humanitären Gründen nicht abgeschoben werden. Für die betroffenen Menschen bedeutet dies bislang, dass ihre Aufenthaltserlaubnis lediglich sechs Monate gültig ist und regelmäßig verlängert werden muss – die so genannte Kettenduldung. Diese Personen haben aufgrund ihres Status nur geringen Anspruch auf Sozialleistungen und wegen des kurzfristigen Bleiberechts unsichere Zukunftsperspektiven. Die Flüchtlinge müssen Deutschland grundsätzlich dann wieder verlassen, wenn sich die Situation in ihren Heimatländern gebessert hat. Dies gilt etwa für Flüchtlinge aus Afghanistan, Bosnien oder dem Irak.
   Nach der grundsätzlichen Verständigung in der Bundes-Koalition sollen geduldete Flüchtlinge künftig nach acht Jahren (Alleinstehende) und sechs Jahren (Familien mit Kindern) ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht in Deutschland erhalten, wenn sie die deutsche Sprache beherrschen und für ihren Lebensunterhalt selbst sorgen. Das bedeutet, dass sie nicht auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Deshalb sollen sie auch Zugang zum regulären Arbeitsmarkt erhalten. Sie sollen aber jede angebotene Arbeit annehmen müssen. Das schleswig-holsteinische Innenministerium betont jedoch, diese Regelung sei nur eine "Übergangslösung" bis zu einer endgültigen Klärung im Aufenthaltsgesetz.
   In Schleswig-Holstein leben nach Berichtsangaben des Innenministeriums derzeit 3.106 geduldete Personen. 1.880 davon leben in Familien. Insgesamt gibt es im Lande 457 betroffene Familien. Als überwiegende Mehrzahl der Duldungsgründe bezeichnet die Landesregierung unterbrochene Reisewege, mangelnde Mitwirkung der Betroffenen im Falle von "Passlosigkeit" sowie Kooperationsprobleme mit den Vertretungen anderer Staaten. Gegenwärtig sind 82 Arbeitsgenehmigungen an geduldete Ausländer erteilt.

mehr Informationen: plenum-online, Januar 2006
(www.sh-landtag.de/plenumonline/januar2006/
texte/37_16_bleiberecht_investitionsprogramm.htm)

zurück zum Textanfang

* * * * *

 

Themen-Übersicht

A k t u e l l e s

Aktuelle Stunde: - - -

Dringlichkeit: - - -

Regierungserklärung:
Zukunftsprogramm Wirtschaft

Außerdem notiert:  - - -

I n n e n  / R e c h t

1. Lesungen:
Wahlrecht
(ohne Aussprache)
Spielbanken
(ohne Aussprache)
Große Anfrage:
Bleiberecht
Anträge:
Denkmalschutz Quickborn
Landes-Verfassungsgericht
Bericht:
Bleiberecht

 B i l d u n g  /  K u l t u r  / W i s s e n s c h a f t

2. Lesungen:
Schulreform
Hochschulgesetz
Anträge:
Schuleingangsuntersuchung
Vorschul. Sprachförderung
(ohne Aussprache)
Hochschulpakt
(ohne Aussprache)
Bericht:
Schule und Jugendhilfe

S o z i a l e s  / A r b e i t  / G e s u n d h e i t

Anträge:
Langzeit-Arbeitslosigkeit
Gesundheitsreform
Krebsregister
(ohne Aussprache)
Berichte:
Leukämie-Erkrankungen
Jugendhilfe und Schule
Landes-Familienbüro

W i r t s c h a f t  /
V e r k e h r  /  T e c h n i k

Regierungserklärung:
Zukunftsprogramm Wirtschaft
Anträge:
Wirtschaft- und Arbeitsmarkt
Autobahn 20
Deutsch-dän. Schiffsverkehr
Schienennetz Ost
Berichte:
Hightech-Strategie
Technologietransfer / Innovationsstiftung

 A g r a r  /  U m w e l t  / 
E n e r g i e  / F o r s t e n

Antrag:
Öko-Lebensmittel

F i n a n z e nt

1. Lesung:
Spielbanken
(ohne Aussprache)

 E u r o p a  / O s t s e e –
k o o p e r a t i o n

Anträge:
EU-Chemikalienverordnung
(ohne Aussprache)
EU-Umgebungslärmrichtlinie
(ohne Aussprache)
EU-Forschungsprogramm
(ohne Aussprache)