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Landtag: Chancen
der Bio-Landwirtschaft besser nutzen
Kiel (SHL/24.01.)
Abgeordnete aller Couleur haben sich für eine Stärkung des Bio-Landbaus
in Schleswig-Holstein ausgesprochen. Angesichts zweistelliger
Wachstumsraten betonten Regierungsfraktionen und
Oppositionsparteien die Chancen in diesem Bereich der
Landwirtschaft. Gräben taten sich allerdings bei Art und Umfang
eines Engagements des Landes im Biolandbau auf. Während SPD,
Grüne und SSW eine stärkere finanzielle Unterstützung der
Öko-Bauern anmahnten, forderte die CDU eine
Qualitätsoffensive für ein einheitliches Biosiegel. Die FDP
stimmte Anschubfinanzierungen für Landwirte zu, wandte sich aber
gegen breite Subventionierungen. Anlass der Debatte war ein Antrag
der Grünen, der an den Umwelt- und Agrarausschuss überwiesen
wurde. Darin hatte die Oppositionspartei unter anderem ein
Finanzkonzept des Landes zur Förderung des Biolandbaus gefordert.
"Die Biobauern können die
Nachfrage nicht decken", begründete Detlef Matthiessen
(Grüne) den Vorstoß seiner Partei. Der Anteil importierter
Bio-Produkte nehme zu und an Schleswig-Holsteins Ökobauern würde
das Wachstum vorbeigehen. Landwirtschaftsminister Christian von
Boetticher (CDU) sah trotz der "erfreulichen
Entwicklung" im Biolandbau ein grundsätzliches Problem für
die Bio-Bauern: Wie bei ihren Kollegen aus der herkömmlichen
Landwirtschaft profitiere bislang "nur der Einzelhandel von
dem Boom", und nicht der Produzent.
"Die Entwicklung des
Biolandbaus ist begrüßenswert", befand auch Claus Ehlers
(CDU). Aber: Um konkurrenzfähig zu bleiben, bräuchten hiesige
Bio-Bauern ein Gütesiegel, um sich von der ausländischen
Konkurrenz abzugrenzen. "Zwei Milliarden Euro Umsatz im Jahr
2000, geschätzte viereinhalb Milliarden im Jahr 2006: Diese
Zahlen der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) belegen
eindrücklich das Wachstum des Marktes mit Bio-Produkten in
Deutschland", betonte Henning Höppner (SPD).
Etwa drei Prozent aller
landwirtschaftlichen Betriebe in Schleswig-Holstein stellen Öko-Produkte
her, rechnete Günther Hildebrand (FDP) vor. Diese Biobauern
bewirtschafteten drei Prozent der Anbaufläche, sah der Liberale
noch Steigerungschancen in diesem Bereich. In dieselbe Richtung
zielte Lars Harms (SSW): "Das Land muss erkennen, dass in dem Markt
Chancen liegen, die mit jetziger Förderung nicht ausgenutzt
werden können."
Hintergrund:
Die Grünen fordern von der
Landesregierung ein Finanzkonzept zur Förderung der
ökologischen Landwirtschaft. Sie verweisen in ihrem
Antrag auf die "zweistelligen Wachstumsraten",
die dieser Sektor zuletzt in Schleswig-Holstein
verzeichnet habe. Vor diesem Hintergrund müsse
Schwarz-Rot "mit allen Kräften darauf hinwirken,
dass das Angebot an ökologisch angebauten Lebensmitteln
aus Schleswig-Holstein groß genug ist, um die Nachfrage
zu befriedigen".
Der Deutsche Bauernverband hat Anfang Januar
beklagt, dass in Deutschland die Bioprodukte knapp
würden. Ursachen dafür seien eine deutlich gestiegene
Nachfrage und witterungsbedingt geringere Erntemengen im
vergangenen Jahr. Die Zunahme der ökologisch
bewirtschafteten Fläche in Deutschland bleibe zudem
hinter der wachsenden Nachfrage zurück. Auch in den
Medien wurde von Engpässen bei Bioprodukten wie
Kartoffeln, Eiern, Schweinefleisch, Futtergetreide und
Hafer berichtet.
Von Seiten der Biobranche wird kritisiert,
dass immer mehr Bundesländer die Umstellungsprämien für
den Bioanbau nicht mehr zahlen wollten. Diese Prämien
federn bisher die zweijährige Wartefrist beim Übergang
von konventioneller zu Ökolandwirtschaft ab, in der
Bauern ihre Ware noch nicht als Bio-Produkte verkaufen
dürfen.
Ende Dezember 2005 gab es in
Schleswig-Holstein laut Agrarbericht der Landesregierung
insgesamt 466 ökologisch wirtschaftende Erzeugerbetriebe
(plus 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Dies sind etwa
2,6 Prozent aller Landwirtschaftsbetriebe im Land. Sie
bestellen 3,1 Prozent der gesamten landwirtschaftlich
genutzten Fläche nach den Regeln des ökologischen
Landbaus (31.423 Hektar /plus 5 Prozent gegenüber 2004).
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