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Leukämie-Häufung in
der Region Geesthacht/Elbmarsch:
Noch immer keine Erklärung
Landesregierung sieht keine Verbindung zwischen
den Atomanlagen und den Blutkrebs-Erkankungen
Kiel (SHL/25.01.)
Auch eine Debatte im Landtag konnte kein Licht ins Dunkel bringen:
Die überdurchschnittliche Häufung der Leukämie-Fällen bei
Kindern im Raum Geesthacht/Elbmarsch bleibt unerklärt. Eine
schlüssige Erklärung sei bisher nicht gefunden worden, sagte
Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) in einem von Grünen, CDU
und SPD beantragten Regierungsbericht. Es erfülle sie mit "Sorge
und Bitterkeit", dass die Ursachenforschung trotz großer
Anstrengungen nicht vorankomme. Die Redner
aller Fraktionen forderten unisono das Thema weiter intensiv im
Blick zu behalten. Ein erster Schritt hierzu sei die Einführung
eines bundesweit einheitlichen Krebsregisters, so die allgemeine
Forderung. Trauernicht sagte, sie wolle sich in Niedersachsen für eine
Meldepflicht von Krebserkrankungen einsetzen, um die Datengrundlage zu verbessern. Auch in
Hamburg müssen Krebsfälle bisher nicht gemeldet werden. Und: Der Sozialausschuss des Landtages, der das
Thema weiter beraten soll, wird an einer Expertenhörung des
niedersächsischen Landesparlaments teilnehmen.
Unterschiedliche Auffassungen
traten in Bezug auf die Atomanlagen in Geesthacht und Krümmel
zutage. Während die Grünen eine grundsätzliche "Minimierung
von Strahlenemissionen" in der Region forderten, wandte sich
die CDU gegen eine "ideologische Betrachtungsweise": Alle
Versuche, die Atomanlagen verantwortlich zu machen, hätten bisher
keine Ergebnisse erbracht.
Die Landesregierung sieht keine Verbindung zwischen
den Atomanlagen und der Blutkrebs-Häufung. Ministerin Trauernicht
betonte, eine Vielzahl von möglichen Ursachen seien von der
schleswig-holsteinischen und der niedersächsischen Landesregierung
sowie von verschiedenen Experten untersucht worden – von der
Radioaktivität über die Verschmutzung der Elbe bis hin zu
Bodenproben auf Kinderspielplätzen und der Muttermilch. Sie wandte
sich im Einklang mit allen Fraktionen gegen sensationsheischende
Medien-Berichterstattung über diese Problematik. Für die Zukunft
versprach sie: "Wir lassen nichts unversucht." Trauernicht
kündigte eine Untersuchung durch das Institut für Geophysik der
Uni Mainz an, warnte aber: "Wir dürfen keine allzu großen
Erwartungen haben."
In den Jahren 1990 bis 2006 wurden aus dem Raum
Geesthacht / Elbmarsch 16 Fälle von Leukämie-Erkrankungen bei
Kindern unter 15 Jahren gemeldet, zuletzt im Vorjahr. Dies ist eine
weltweit einmalige Häufung. Die Bürgerinitiative gegen Leukämie
in der Elbmarsch vermutet, dass es vor 20 Jahren auf dem Gelände
des Atom-Versuchsreaktors Geesthacht (GKSS) einen Unfall gegeben
hat. Damals sei erhöhte Radioaktivität ausgetreten, so der
Verdacht. In unmittelbarer Nähe befindet sich außerdem das
Kernkraftwerk Krümmel.
Hauptredner: Detlef
Matthiessen (Grüne), Ursula Sassen (CDU), Jutta Schümann und Olaf
Schulze (SPD), Heiner Garg (FDP), Lars Harms (SSW)
Hintergrund:
Auf Initiative der Grünen berichtet die
Landesregierung über die Häufung der Leukämie-Fälle im
Raum Geesthacht/Elbmarsch. In dem Papier äußert das
zuständige Sozialministerium Besorgnis über die
überdurchschnittliche Erkrankungsrate in der Gegend. Es
wird jedoch darauf hingewiesen, dass es weltweit 108 so
genannte "Cluster" gebe, in denen gehäuft
Krebs-Erkrankungen ohne erkennbare Ursache aufträten.
Behauptungen über einen Brand oder eine Explosion im
Forschungskernreaktor Geesthacht (GKSS) und einem damit
verbundenen Austritt von radioaktiver Strahlung weist die
Landesregierung zurück.
In den Jahren 1990 bis 2006 wurden aus dem
Raum Geesthacht/Elbmarsch 16 Fälle von
Leukämie-Erkrankungen bei Kindern unter 15 Jahren
gemeldet, zuletzt im Vorjahr. Die Bürgerinitiative gegen
Leukämie in der Elbmarsch vermutet, dass es vor 20 Jahren
auf dem Gelände der Atomanlage einen Unfall gegeben hat.
Damals sei erhöhte Radioaktivität gemessen worden, deren
Ursache immer noch unklar sei. In unmittelbarer Nähe
befindet sich außerdem das Kernkraftwerk Krümmel.
Ein im vergangenen Dezember vorgelegtes
Gutachten von Geologen der Universität Frankfurt am Main
unterstützt die Position der Landesregierung. Demnach
gibt es keine Anzeichen für eine unnatürliche Strahlung,
Bereits Anfang der 90er Jahre hatten
Niedersachsen und Schleswig-Holstein
Untersuchungskommissionen eingesetzt. In dem Ende 2004
vorgelegten Abschlussbericht kam auch dieses
Expertengremium zu dem Ergebnis, dass es zwischen den
Leukämie-Fällen in der Elbmarsch und dem Betrieb der
benachbarten Atomanlagen keinen ursächlichen Zusammenhang
gebe.
Unterdessen hat die SPD-Landtagsfraktion eine
gemeinsame Anhörung der Sozialausschüsse der drei
Landesparlamente Schleswig-Holsteins, Hamburgs und
Niedersachsens zu dem Thema vorgeschlagen.
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