Hintergrund:
Die Landesregierung legt dem Landtag ihre 325 Seiten
starke Antwort auf eine Große Anfrage der SPD zum Thema
"Kulturelle Entwicklung Schleswig-Holsteins"
vor. Die Sozialdemokraten hatten insgesamt 94 Einzelfragen
an die für diesen Bereich zuständige Staatskanzlei
gerichtet.
Die Landesregierung
zieht in dem Report drei Jahre nach dem kontrovers
diskutierten Umzug der Kulturabteilung vom
Bildungsministerium in die Staatskanzlei eine positive
Bilanz: „Kunst und Kultur in Schleswig-Holstein sind
seit ihrer direkten thematischen Anbindung beim
Ministerpräsidenten stärker in die öffentliche Debatte
gerückt." Seit dem Umzug habe die Landesregierung
zum Beispiel eine Initiative zur Kinder- und Jugendkultur
„erfolgreich begründet", den Kulturtourismus „nachhaltig
gestärkt", Investitionen in das kulturelle Erbe des
Landes vorgenommen und ein neues Denkmalschutzgesetz auf
den Weg gebracht, das derzeit im Landtag beraten wird (plenum-online
Oktober
2008).
Service und Marketing stärken
In den
kommenden eineinhalb Jahren bis zum Ende der Wahlperiode
„wird die Landesregierung die kulturelle Infrastruktur
und die kulturelle Vielfalt des Landes in ihrer
Entwicklung verlässlich begleiten und sichern",
heißt es weiter in dem Papier. Die Einrichtungen wie
Museen, Theater, Bibliotheken oder Volkshochschulen
müssten sich künftig „stärker als
Serviceeinrichtungen und Kompetenzzentren
profilieren" und Kooperationen eingehen. Zudem wird
ein „zielorientiertes, verbessertes Marketing der
Kulturanbieter" angemahnt.
Neben den
Mitarbeitern öffentlicher Einrichtungen wie Theatern,
Museen und Musikschulen leben im Lande rund 4.000
freiberufliche Künstler, die bei der Künstlersozialkasse
versichert sind. Sie verteilen sich auf insgesamt 92
Berufe. Die wirtschaftliche Situation der Freischaffenden
ist in Schleswig-Holstein, wie in ganz Deutschland,
häufig angespannt: „Die Beschäftigungsverhältnisse
von Erwerbstätigen in künstlerischen Berufen sind
geprägt von Kleinstunternehmen mit Jahreseinkommen
unterhalb der Umsatzsteuerpflichtgrenze" wie auch von
Teilzeit- und Mehrfachbeschäftigungen. So verdient ein
Profimusiker im Schnitt etwa 10.000 Euro im Jahr.
Weitere Aspekte:
- Die Musikszene
im Lande hat sich laut dem Papier in den vergangenen
zehn Jahren positiv entwickelt. So ist die Zahl der
Schüler an den öffentlichen Musikschulen um 30
Prozent auf über 30.000 gestiegen, und die
Besucherzahlen des Schleswig-Holstein-Musikfestivals
sind seit 1997 um 23 Prozent auf 135.000 angewachsen.
Im Lande gibt es knapp 1.200 Berufsmusiker sowie 106
Musikfirmen mit 416 Mitarbeitern.
- Im Bereich der bildenden
Kunst zählt das Statistikamt Nord 346 Maler
und Bildhauer sowie 468 Kunsthandwerker im Lande. Das
sind elf beziehungsweise sechs Prozent mehr als 1997.
Das Land hat 2007 insgesamt 17 Stipendien für
bildende Künstler in Eckernförde, Lübeck und
Lauenburg vergeben. Zudem wird alle zwei Jahre der mit
20.000 Euro dotierte Kunstpreis des Landes
Schleswig-Holstein vergeben. Die Projektförderung des
Landes hat sich seit 1997 um 70 Prozent auf 103.000
Euro im Jahr erhöht.
- Thema Literatur:
Die verschiedenen Schriftstellervereine im Lande
zählen ungefähr 350 Mitglieder. 108 Verlage sind im
Lande ansässig. Sie haben 2005 einen Jahresumsatz von
insgesamt 133 Millionen Euro verzeichnet. Davon
entfiel mehr als die Hälfte auf den Rohwolt-Verlag in
Reinbek (Kreis Stormarn). Die 172
schleswig-holsteinischen Büchereien haben 2007
zusammen 15,17 Millionen Medien ausgeliehen – ein
Rekordergebnis.
- Im Lande gibt es drei
öffentlich geförderte Mehrsparten-Theater:
Kiel, Lübeck sowie das Landestheater mit seinen
zwölf Spielstätten. Die Bühnen erhalten insgesamt
rund 37 Millionen Euro jährlich vom Land. Ab 2009
sind keine Erhöhungen der Zuwendungen vorgesehen, so
dass Finanzprobleme der Theater erwartet werden. In
der Spielzeit 2006/2007 sind insgesamt eine halbe
Million Besucher in die Spielstätten gekommen. Dabei
verzeichnete Kiel gegenüber 1997 Zuwächse, in
Lübeck und am Landestheater gab es dagegen
Rückgänge.
- Die im Vorjahr neu
gegründete Film-Förderung
Hamburg Schleswig-Holstein unterstützt heimische
Produktionen jährlich mit 8,3 Millionen Euro. Hierzu
gehörten zuletzt etwa der "Tatort" aus
Kiel, der Film "Buddies" von Lars Jessen
oder die "Buddenbrooks"-Interpretation von
Heinrich Breloer. Eine rückläufige Tendenz
verzeichneten die Kinos im Lande: Die Zahl der
Lichtspielhäuser sank zwischen 1997 und 2007 von 87
auf 64 und die Zahl der Besucher von 4,9 auf 3,6
Millionen.
- Die Besucherzahlen in
Schleswig-Holsteins Museen
sind seit der Jahrtausendwende von drei Millionen auf
2,5 Millionen zurückgegangen. Die Landesregierung
erklärt dies durch „das Fehlen spektakulärer
Museumseröffnungen und -erweiterungen" und hofft
auf steigenden Zuspruch durch die jüngst eingeweihten
Angebote in Schleswig (Globus-Haus, Barockgarten,
Wikingerhäuser) oder in Neumünster (Museum Tuch und
Technik).
Vorherige
Debatten zum Thema:
plenum-online, September
2005,
plenum-online, Juni
2004
Stichwort:
Große Anfrage
Eine Fraktion oder mindestens 18 Abgeordnete
können eine Große Anfrage an die Landesregierung
stellen. An die Beantwortung soll sich eine Aussprache im
Landtag anschließen. Kann eine Anfrage nicht innerhalb
eines Monats beantworten werden, so muss der Präsident
die Große Anfrage auf Verlangen der Fragestellenden auf
die Tagesordnung der nächsten Plenarsitzung setzen.
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